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Aus Raspberry Pi Geek 06/2016

Nextcloud Box: Komplettlösung für die private Cloud

© Nextcloud

Wolkenbox

Ferdinand Thommes

Nextcloud Box vereinfacht den Zugang zur eigenen Cloud mit vorkonfigurierter Soft- und Hardware.

Wegen Unstimmigkeiten mit dem kommerziellen Arm von Owncloud hat der Projektinitiator Frank Karlitschek das alte Unternehmen verlassen und das neue Projekt Nextcloud [1] auf der Codebasis von Owncloud ins Leben gerufen. Mitte September fand in Berlin die Nextcloud Conference 2016 statt, wo der Öffentlichkeit ein kleines schwarzes Kästchen vorgestellt wurde, das auf den Namen Nextcloud Box [2] hört.

Zwar ziert lediglich ein Nextcloud-Logo den Deckel der 15 x*15 x 2,6 Zentimeter kleinen Box, doch sie entstand als Gemeinschaftsproduktion von Nextcloud, Canonical und WDLabs. Bei Letzteren handelt es sich um die Entwicklungsabteilung des Festplattenherstellers Western Digital, der schon im Frühjahr die für den RasPi optimierte Festplatte PiDrive [3] herausbrachte. Aus den WDLabs stammt auch die Idee, damit einen kleinen Heimserver zu realisieren.

Die Festplatte residiert unmittelbar unter dem von Magneten gehaltenen Deckel des Mini-Servers und verfügt über eine Kapazität von 1 TByte. Im Karton findet sich neben diversen Kabeln und Steckern auch eine 4 GByte fassende SD-Karte mit Ubuntu Core als Betriebssystem – inklusive Apache, MySQL und Nextcloud als Snap [4].

Daneben enthält der Karton noch einen kleinen Schraubendreher und vier Schrauben. Sie dienen dazu, neben der Festplatte einen Einplatinenrechner zu befestigen, den man allerdings selbst beisteuern muss. So kann einerseits der Besitzer entscheiden, ob er einen RasPi 2, 3 oder Odroid C2 [5] verwenden möchte; andererseits hält das die Kosten niedrig. So wandert das Gehäuse mit Festplatte, Software und Zubehör für lediglich 70 Euro über den Ladentisch.

Verschiedene Mini-Rechner

So weit die Theorie – in der Praxis bleibt der kleine Heimserver allerdings vorerst auf den RasPi 2 festgelegt. Die Entwickler arbeiten aber bereits softwareseitig an der Erweiterung auf RasPi 3 und Odroid C2. Sie soll zum Jahresende zusammen mit Ubuntu Core 16.10 erscheinen.

Der Odroid bietet in diesem Kontext das Potenzial, die Datenübertragung merklich zu beschleunigen: Zum einen verfügt er über Gigabit-Ethernet, zum anderen kann er mit eMMC-Speichermodulen [6] umgehen. Letztere gehen bedeutend schneller zur Sache als die flinksten SD-Karten – beim Synchronisieren von Daten mittels Nextcloud ein großer Vorteil.

Abbildung 1: Die Verkabelung von PiDrive und Raspberry Pi.

Abbildung 1: Die Verkabelung von PiDrive und Raspberry Pi.

Die Nextcloud-Installation lässt sich um zusätzliche Module erweitern, wie etwa das Collabora-Online-Office [7]. Diese angepasste LibreOffice-Variante ermöglicht das kollaborative Arbeiten an Office-Dateien in der Cloud. Mit der Software Spreed [8] lässt sich die Nextcloud Box als WebRTC-basierter Audio- und Video-Chatserver nutzen; für Anwendungen in der Heimautomation lässt sich OpenHAB [9] einbinden. Zudem eröffnet Snappy Ubuntu Core unzählige Möglichkeiten im Bereich des Internet der Dinge (IoT) und der Heimautomation. Als zusätzlichen Vorteil böte es automatisierte Aktualisierungen der Software, die sich im Fall von Fehlern auch zurückrollen lassen.

Das Framework Ubos [10] bietet eine weitere Möglichkeit, die Installation serverseitiger Anwendungen zu vereinfachen. Es nimmt dem Anwender nicht nur das Einrichten von Apache, MySQL, PHP und weiteren benötigten Komponenten ab, sondern installiert mit einem Klick auch Server-Anwendungen wie Nextcloud, Owncloud, Mattermost, WordPress, Mediawiki und viele andere. Das System basiert auf Arch Linux und unterstützt bereits jetzt den Odroid C2.

Auch hardwareseitig gibt es Tuning-Optionen: So bietet das Gehäuse beispielsweise Platz für ein zweites PiDrive, das im RAID-1-Verbund laufen könnte, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen. Über Nextcloud Federation [11] ist zudem eine eigene Nextcloud-Cloud nur ein paar Mausklicks entfernt.

Einfache Handhabung

Im Test überzeugt die Nextcloud Box mit simpler Handhabung. Beim Verschrauben des SBCs und Verkabeln der Komponenten kann die Produktabbildung als Vorbild dienen. Sowohl die Festplatte als auch der Raspberry Pi erhalten Strom über das mitgelieferte Netzteil.

Anschließend verbinden Sie das Kästchen mit dem Heimnetz und spendieren ihm per USB eine Tastatur, falls der Zugriff über einen externen Monitor stattfinden soll. Alternativ lassen Sie die Box headless laufen und loggen sich über den Befehl ssh [email protected]IP-Adresse via SSH ein. Das Standardpasswort dazu lautet ubuntu.

Der erste Start der Box dauert rund 10 Minuten, da das System Ubuntu und Nextcloud von der SD-Karte auf die Festplatte überträgt sowie das Snap-Paket von Nextcloud installiert. Danach erreichen Sie Nextcloud über die IP-Adresse der Box im Webbrowser; nach der Eingabe eines Admin-Passworts steht die Cloud zur Verfügung. Weitere Apps lassen sich dann als Snaps installieren.

Fazit

Die Nextcloud Box richtet sich mit einem Preis von 70 Euro inklusive Versand an Anwender, die Daten in der Cloud vorhalten, mit anderen Geräten synchronisieren und mit weiteren Personen teilen wollen, für die der Betrieb eines ausgewachsenen Servers aber keine Option darstellt.

Mit der Box investieren Sie in eine 1 TByte fassende, über USB 3.0 angebundene und beim Energiebedarf auf den Raspberry Pi optimierte Festplatte. Deren Daten müssen sich allerdings durch den USB-Flaschenhals des RasPi quälen. Für mehr Sicherheit sorgt die Option, sowohl den lokalen Ordner als auch die Daten in der Cloud komplett zu verschlüsseln.

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