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Aus Raspberry Pi Geek 02/2019

Seafile-Cloud auf dem Raspberry Pi

© jirsak, 123RF

Kleine Wolke

Erik Bärwaldt

Lokale Cloud-Lösungen im Heimnetz finden immer mehr Nutzer. Mit dem RasPi und Seafile haben Sie eine Lösung zur Hand, die selbst professionellen Ansprüchen genügt.

Cloud-Dienste im Internet versuchen auch bei Heimanwendern zu punkten. Doch die vermeintlich günstigen Angebote haben meist zahlreiche Beschränkungen, und in Fragen der Sicherheit müssen sich Anwender komplett auf den Anbieter verlassen. Daher greifen viele Nutzer auch im Heimnetz zu einem eigenen Cloud-Server.

Dabei muss es nicht immer ein voluminöses herkömmliches Server-System mit hohen Anschaffungs- und Betriebskosten sein: Hier bietet sich der Raspberry Pi als ideale Alternative an. Unauffällig, geräuschlos und mit nur geringem Energiebedarf versieht er zuverlässig seine Aufgabe als Cloud-Server.

Allerdings verfügt er auch in der neuesten Variante noch nicht über ein natives SATA-Interface, sodass sich Massenspeicher nur über die USB-Ports anschließen lassen. Über einen HAT lassen sich jedoch auch standardisierte SSDs als Massenspeicher nutzen, was die Kapazität signifikant erhöht. Die Anbindung der SATA-Schnittstelle erfolgt dabei über einen der USB-Ports.

Als Massenspeicher kommen anschließend mSATA-SSDs zum Einsatz. Der Einsatz eines Desktop-Kits [1] macht den Mini-Rechner außerdem zu einem nahezu vollwertigen Server-Ersatz mit minimalem Footprint.

Seafile

Als Cloud-Lösung für den RasPi testeten wir den aktuellen Seafile-Server [2] zusammen mit entsprechenden Apps auf dem Desktop [3]. Das in Peking ansässige Unternehmen Seafile Ltd. bietet bereits seit einigen Jahren eine kontinuierlich weiterentwickelte Cloud-Plattform für unterschiedliche Betriebssysteme an.

Da Seafile in Python und C programmiert ist, agiert die Lösung auch auf dem RasPi sehr agil – jedoch nur als Server, ein passender Client fehlt. Als Basis dient ein aktueller Raspberry Pi 3 Modell B+ unter Raspbian “Stretch” Lite.

Sorgen Sie zunächst dafür, dass sich das Raspbian-System auf dem aktuellen Stand befindet. Anschließend spielen Sie verschiedene Python-Pakete ein. Aus Sicherheitsgründen sollte der Seafile-Server später unter einem eigenen System-Benutzer laufen. Die weitere Installation erfolgt dabei im Kontext des neuen Benutzers, wechseln Sie daher den Account (Listing 1).

Listing 1

$ sudo apt update && sudo apt full-upgrade
$ sudo apt install python2.7 python-setuptools python-simplejson python-imaging sqlite3
$ sudo adduser seafile --disabled-login
$ sudo su - seafile

Seafile finden Sie noch nicht in den Paketquellen des Raspbian-Systems. Sie erhalten die Anwendung in Form eines Tarballs über das Github-Repository des Projekts [4]. Zu Redaktionsschluss stand der Versionszähler bei Version 6.3.4, passen Sie die Kommandos aus Listing 2 gegebenenfalls an eine eventuell neuere Version an.

Nach dem Herunterladen des Tarballs (Zeile 1) entpacken Sie die Datei (Zeile 2), wobei ein neues Verzeichnis entsteht. Wechseln Sie in den Ordner (Zeile 3) und führen Sie das Installationsskript aus (Zeile 4). Das Skript konfiguriert anschließend den Seafile-Server in wenigen Schritten.

Nach erfolgreicher Installation starten Sie den Server (Zeile 6) sowie die webbasierte Oberfläche Seahub (Zeile 7). Dabei fordert die Anwendung Sie auf, für das anzulegende Administrator-Konto Authentifizierungsdaten zu definieren. Nach deren Eingabe startet Seahub betriebsfertig.

Listing 2

$ wget https://github.com/haiwen/seafile-rpi/releases/download/v6.3.4/seafile-server_6.3.4_stable_pi.tar.gz
$ tar xzf seafile-server_6.3.4_stable_pi.tar.gz
$ cd seafile-server-6.3.4
$ <C>./setup-seafile.sh<C>
[...]
$ ./seafile.sh start
$ ./seahub.sh start 8000

Ersteinrichtung

Zur individuellen Konfiguration der Cloud rufen Sie über die URL http://raspberrypi:8000 (alternativ über die IP-Adresse) den Anmeldebildschirm der Verwaltungsoberfläche auf. Nach Eingabe der Zugangsdaten für den Administrator-Account gelangen Sie zu einem Statusbildschirm, der es Ihnen zunächst nur gestattet, Bibliotheken zu verwalten.

Erst wenn Sie oben rechts im Fenster auf den Profil-Button klicken und im sich öffnenden Menü die Option System-Administration wählen, gelangen Sie in den eigentlichen Administrationsbereich. Dort kontrollieren Sie zunächst in den Gruppen Einstellungen und Benutzer/innen die Voreinstellungen und legen neue Benutzer an. Auch unterschiedliche Bibliotheken, die später die zu synchronisierenden Ordner und Daten enthalten, lassen sich in der Gruppe Bibliotheken anlegen und verwalten.

Im Dialog Einstellungen finden Sie zusätzlich zur Möglichkeit, abweichende URLs oder Port-Nummern zu definieren, auch die Option, ein eigenes Logo zu integrieren, das dann anstelle des Seafile-Logos in den Dialogen erscheint. Außerdem nehmen Sie hier verschiedene Einstellungen zu Benachrichtigungen, Benutzerrechten und der Authentifizierung vor.

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