Aus Raspberry Pi Geek 12/2020

Groupware auf dem Raspberry Pi

© AKS, Fotolia

Teamplayer

Erik Bärwaldt

Groupware-Lösungen müssen weder teuer noch umständlich sein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie aus Ihrem Raspberry Pi und Citadel einen vollwertigen Groupware-Server machen.

Groupware-Lösungen ermöglichen eine problemlose Zusammenarbeit im Unternehmen: So lassen sich Termine, Adressen und Kontakte miteinander verknüpfen und Arbeitsabläufe dadurch wesentlich effizienter organisieren.

Doch für kleine Firmen oder Abteilungen eignen sich die gängigen überdimensionierten Groupware-Boliden nur bedingt; viele Funktionen kommen häufig gar nicht erst zum Einsatz. Solche Systeme setzen häufig einen ausgewachsenen Server voraus; wegen der vielen Backends – Datenbankserver, Webserver und Mailserver – geraten sie in der Konfiguration und Administration sehr komplex.

Da viele kleine Unternehmen keinen hauptberuflich tätigen IT-Administrator beschäftigen, eignen sich solche Lösungen nicht für sie. Doch auch kleine Teams müssen nicht auf eine Groupware verzichten: Mit einem Raspberry Pi und der freien Citadel-Suite [1] schöpfen auch sie die Vorteile der kollaborativen Arbeit aus.

Die Citadel-Suite

Das in den 1980er-Jahren für die damals aktuelle Mailbox- und Bulletin-Board-Szene ins Leben gerufene Citadel gehört zu den ältesten Open-Source-Projekten überhaupt. Seit Mitte der 1990er-Jahre entwickelt das Projekt die Software unter der GNU General Public License weiter.

Citadel benötigt keine zusätzlichen Backends, sondern bringt die entsprechenden Dienste bereits mit. Dabei stellt es, wie alle gängigen Groupware-Lösungen, den Anwendern eine webbasierte Oberfläche für die Teamarbeit zur Verfügung, sodass sich die Groupware für den plattformübergreifenden Einsatz eignet. Citadel besteht aus einem E-Mail-Modul samt Filter, einer Kontakt-, Aufgaben- und Terminverwaltung, einem Chat-Modul, einem Instant Messenger und einem RSS-News-Aggregator.

Die in C geschriebene Software fällt dabei erstaunlich schlank aus und lässt sich deshalb auch auf einem schwächeren RasPi der dritten Generation problemlos nutzen. Achten Sie darauf, dass auf der Micro-SD-Karte ausreichend freier Platz für die produktive Nutzung bereitsteht. Als Minimum empfehlen sich 16 GByte.

Installation

Die Installation von Citadel erfordert keinen Vollzeitadministrator; jeder EDV-affine Laie bewältigt das problemlos innerhalb weniger Minuten. Unter Raspberry Pi OS bringen Sie zunächst das Betriebssystem mit den Befehlen sudo apt update und sudo apt upgrade auf den aktuellen Stand.

Danach installieren Sie die Groupware-Suite mit dem Befehl sudo apt install citadel-suite. Die Installationsroutine öffnet dabei einen Ncurses-Assistenten, in dem Sie einige Grundeinstellungen vornehmen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Grundkonfiguration nehmen Sie in einem schmucklosen Ncurses-Dialog vor.

Abbildung 1: Die Grundkonfiguration nehmen Sie in einem schmucklosen Ncurses-Dialog vor.

So fragt die Routine ab, auf welcher IP-Adresse der Server auf Anfragen wartet. Diese Einstellung können Sie in den meisten Fällen ohne Änderung überspringen. Im nächsten Schritt legt der Assistent einen Administrator-Account mit den dazugehörigen Authentifizierungsdaten an und klärt, welcher Webserver mit der Webcit genannten Client-Oberfläche zum Einsatz kommt.

Das erlaubt es Ihnen, einen bereits im lokalen Netz arbeitenden Apache-Server mit Citadel zu nutzen. Üblicherweise kommt jedoch der integrierte Webserver zum Zug. Nach dem Abschluss der Grundeinstellungen starten Sie die Groupware mit dem Befehl sudo service citadel start.

Da die Repositories von Raspberry Pi OS eine ältere Version der Citadel-Suite vorhalten, integrieren Sie alternativ die neueste Variante mithilfe eines Easyinstall-Pakets in Ihr Betriebssystem. Das lädt den Quellcode herunter und kompiliert ihn auf dem RasPi. Allerdings sollten Sie auch bei der aktuellsten Version des Mini-Rechners mit rund einer halben Stunde Zeitaufwand rechnen.

Um das Easyinstall-Paket einzurichten, geben Sie mit Root-Rechten am Prompt den Befehl aus Listing 1 ein. Während des Kompilierens konfiguriert die Routine das System, das auch hier die IP-Adresse, Portnummer, Nutzername und Passwort abfragt – allerdings nicht in einer Ncurses-Oberfläche, sondern auf der Kommandozeile.

Listing 1

# wget -q -O - http://easyinstall.citadel.org/install | bash
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