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Aus Raspberry Pi Geek 06/2017

Syncloud verwandelt den RasPi per Mausklick in einen Server

© pixelrobot, 123RF

Out of the box

Christoph Langner

Wer einen RasPi-Server in den eigenen vier Wänden aufbauen möchte, muss nicht nur die Software installieren und einrichten, sondern auch das Netzwerk entsprechend konfigurieren. Syncloud nimmt Ihnen diese Arbeit komplett ab.

Um einen Server in den eigenen vier Wänden zu betreiben, benötigen Sie nicht nur grundlegende Linux-Kenntnisse, sondern auch ein gewisses Know-how in Sachen Netzwerke. Begriffe wie DynDNS-Adresse oder Portweiterleitung sollten Ihnen zumindest ein Begriff sein – schließlich müssen Sie in der Regel eine solche Adresse einrichten und Ports weiterleiten, damit sich Ihr Server unter einer leicht merkbaren URL aus dem Internet erreichen lässt.

Diese Arbeit möchte Ihnen Syncloud [1] abnehmen. Das Unternehmen vertreibt komplett vorkonfigurierte Mini-Server in Form eines Raspberry Pi oder Odroid C2 für 75 respektive 95 US-Dollar; beide lassen sich über eine einfache Weboberfläche managen. Syncloud übernimmt zudem die Funktion als DynDNS-Anbieter, sodass Sie beim Einrichten des eines RasPi-Servers nur wenig Arbeit haben.

Eigenbau-Server

Als kostenlose Alternative offeriert Syncloud das dem System zugrundeliegende Image für eine Reihe von Single-Board-Computer zum herunterladen an [2]. Dazu zählen weitere SBCs aus dem Früchtekorb wie der Banana Pi, Cubieboard und -truck sowie diverse Odroids. Schließlich gibt es auch ein VDI-Archiv mit einer VM für die VirtualBox. Unser Test basiert auf dem Image für den Raspberry Pi 3.

Die Installation auf einer Micro-SD-Karte erfolgt wie bei anderen RasPi-Systemen über eine IMG-Datei: Auf einem Linux-System entpacken Sie zuerst das komprimierte XZ-Archiv. Dann ermitteln Sie beispielsweise mittels Lsblk die Geräte-ID der SD-Karte im Kartenleser. Zu guter Letzt schreiben Sie das Image dann mit Dd auf die Speicherkarte. Listing 1 zeigt ein Beispiel für den Ablauf.

Unter Windows benötigen Sie zum Entpacken und Schreiben des Images die kostenlosen Tools 7-Zip und den Win32 Disk Imager.

Listing 1

 

$ unxz syncloud-raspberrypi3*.img.xz
$ lsblk
NAME         MAJ:MIN RM   SIZE RO TYPE MOUNTPOINT
[...]
sdd            8:48   1    15G  0 disk
|-sdd1         8:49   1    15G  0 part /run/media/user/3F4A-11B1
sr0           11:0    1  1024M  0 rom
$ sudo dd if=syncloud-raspberrypi3*.img of=/sdd bs=1M; sync

Konfiguration

Zum Einrichten benötigen Sie nun ein Smartphone mit Android oder iOS. Das buchen Sie in Ihr WLAN ein, hängen dann den Syncloud-RasPi per Netzwerkkabel an den WLAN-Router und verbinden ihn mit den Netzteil. Anschließend installieren Sie die Syncloud-App aus Google Play [3] beziehungsweise dem iTunes App Store [4] und rufen diese auf. Darüber legen Sie nun einen kostenlosen Account beim Syncloud-Dienst an und melden sich an (Abbildung 1).

Abbildung 1: Für den Betrieb eines Syncloud-RasPi müssen Sie ein kostenloses Konto bei dem Dienst anlegen.

Abbildung 1: Für den Betrieb eines Syncloud-RasPi müssen Sie ein kostenloses Konto bei dem Dienst anlegen.

Anschließend sollte die App den Syncloud-RasPi in Ihrem Netzwerk automatisch entdecken. Ein Tipp auf das Gerät öffnet dann eine Maske, in der Sie dem Device einen Namen geben (unter dem sie es auch später aus dem Internet heraus erreichen) sowie einen Benutzer mit zugehörigem Passwort anlegen (Abbildung 2). Mit einem Fingerzeig auf ACTIVATE aktivieren Sie schließlich den Syncloud-Server. Die App benötigen Sie danach in der Regel nicht mehr.

Abbildung 2: Über die Syncloud-App für Android und iOS führen Sie die grundlegende Konfiguration des Systems aus.

Abbildung 2: Über die Syncloud-App für Android und iOS führen Sie die grundlegende Konfiguration des Systems aus.

Einrichten

Nach diesem ersten Schritt meldet sich der RasPi-Server bei Syncloud, sodass er auf http://syncloud.it unter Devices in der Konfigurationsoberfläche erscheint (Abbildung 3). Das Webfrontend des Diensts verrät Ihnen die URL, unter der Sie den Syncloud-RasPi erreichen, sowie die externe und interne IP-Adresse des Geräts und das Datum, an dem zuletzt Updates eingespielt wurden. Ein grüner Punkt neben der URL signalisiert, dass das Gerät in den letzten Minuten ein Lebenszeichen von sich gegeben hat und demzufolge erreichbar sein sollte.

Abbildung 3: Das Syncloud-System meldet sich beim Dienst an, auf der Webseite finden Sie die wichtigsten Daten.

Abbildung 3: Das Syncloud-System meldet sich beim Dienst an, auf der Webseite finden Sie die wichtigsten Daten.

Über http://<I>Name<I>.syncloud.it (oder die IP des Geräts) rufen Sie nun die Weboberfläche des Syncloud-RasPis auf und loggen sich mit den zuvor über die App vergebenen Zugangsdaten ein. Die Oberfläche listet dann unter unter APPS die aktuell auf dem Gerät aktiven Anwendungen auf. Anfangs bleibt diese Liste noch leer.

Die von Syncloud unterstützten Anwendungen finden Sie im Abschnitt APP CENTER). Aktuell stehen der Webmailer Roundcube [5], die Dropbox-Alternativen Owncloud [6] und Nextcloud [7], die Telefonanlagensoftware Asterisk [8] sowie Diaspora [9] für den Aufbau eines dezentralen Social Networks zur Wahl.

Paketverwaltung

Bevor Sie jedoch weitere Pakete installieren, sollten Sie ein paar grundlegende Einstellungen anpassen. Öffnen Sie dazu über einen Klick auf Settings die Einstellungen. Dort lässt sich der vom Syncloud-System genutzte Speicher auf die komplette Speicherkarte ausdehnen. Klicken Sie dazu auf die Schaltfläche Extend unter dem Eintrag Storage. Weiter sollten Sie unter Access den External Access auf On setzen und das Access Protocol auf HTTPS umstellen (siehe Kasten “Externer Zugriff”) (Abbildung 4).

Abbildung 4: Über das Webfrontend auf dem Syncloud-RasPi erlauben Sie bei Bedarf den Zugriff über das Internet.

Abbildung 4: Über das Webfrontend auf dem Syncloud-RasPi erlauben Sie bei Bedarf den Zugriff über das Internet.

Externer Zugriff

Der Syncloud-RasPi funktioniert in der Grundkonfiguration nur im lokalen Netzwerk, aus dem Internet heraus lässt sich das Gerät nicht ansprechen. Mit dem Aktivieren von External Access versucht das System über UPNP die Ports 80 und 443 (sowie bei Bedarf weitere) vom WLAN-Router zum Syncloud-RasPi weiterzuleiten. Dafür müssen Sie eventuell noch die dynamische Konfiguration via UPNP beim von Ihnen genutzten WLAN-Router aktivieren.

Bei einer Fritzbox erledigen Sie das im Reiter Netzwerkverbindungen, den Sie über Heimnetz | Heimnetzübersicht öffnen. Dort tippen Sie in der Zeile des Syncloud-RasPi auf den Stift zum Bearbeiten der Einstellungen und aktivieren die Option Selbstständige Portfreigaben erlauben (Abbildung 5). Mit OK sichern Sie die Einstellung und verlassen den Dialog. Bislang lassen sich die von Syncloud angeforderten Ports noch nicht von Hand anpassen, daher müssen Sie auf dem Router zwingend UPNP aktivieren [10].

Des Weiteren sollten Sie auch den Schalter für eine verschlüsselte Verbindung auf HTTPS umstellen. Das leitet sämtliche Zugriffsversuche auf das verschlüsselte HTTPS-Protokoll um, sodass Zugangsdaten nicht mehr im Klartext übertragen werden. Ein über Let’s Encrypt [11] generiertes Zertifikat sorgt dafür, dass sich der Webserver korrekt gegenüber dem Browser authentifiziert.

Abbildung 5: Bei vielen WLAN-Routern müssen Sie die Option per UPNP Änderungen an der Router-Konfiguration vorzunehmen bewusst aktivieren.

Abbildung 5: Bei vielen WLAN-Routern müssen Sie die Option per UPNP Änderungen an der Router-Konfiguration vorzunehmen bewusst aktivieren.

Zur Installation genügt ein Klick auf Install. Unter der Haube lädt Syncloud dann automatisch die Software aus dem Netz und richtet die notwendigen Serverdienste (wie etwa einen Web- oder Mailserver) auf dem Raspberry Pi ein. Aufgrund der Größe der Programme dauert die Installation ein wenig. Hier ist Geduld angesagt: Trennen Sie den Syncloud-RasPi vorzeitig von der Spannungsversorgung oder dem Netzwerk, zerschießen Sie im schlimmsten Fall die Paketverwaltung, sodass das System nicht mehr korrekt funktioniert.

Nach der Installation wechseln Sie mit Open zum frisch installierten Dienst. Die Login-Daten entsprechen jenen, die Sie auch für Syncloud verwenden (Abbildung 6). Als URL nutzt Syncloud eine Subdomain in der Art https://nextcloud.<I>Server<I>.syncloud.it. Die wichtigsten Konfigurationsarbeiten sind bereits erledigt, wie etwa die Erlaubnis, größere Dateien hochzuladen.

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