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Aus Raspberry Pi Geek 05/2016

Arbeiten mit SQLiteStudio

© Igor Stevanovic, 123RF

Datenwerkstatt

Harald Zisler

Mit dem kompakten grafischen Werkzeug SQLiteStudio erledigen Sie unkompliziert und schnell alle Alltagsaufgaben rund um SQLite-Datenbanken.

In vielen Desktop-Szenarien erweist sich der Einsatz eines RDBMS-Servers als Overkill und verursacht bei Fehlkonfigurationen obendrein sogar ein Sicherheitsproblem. Braucht stets nur ein Benutzer mit einer Anwendung auf die Daten zuzugreifen, kommen Sie mit Datenbank SQLite weiter, ohne dabei auf die Vorzüge der Abfragesprache SQL verzichten zu müssen (siehe Kasten “SQLite”). Dabei erweist sich SQLiteStudio als kompaktes und nützliches Werkzeug, mit dem Sie viele Alltagsaufgaben rund um SQLite-Datenbanken bequem erledigen. Wie Sie die praktische Anwendung im Handumdrehen einrichten, lesen Sie im Kasten “SQLiteStudio installieren”.

SQLite

Bei SQLite handelt es sich um eine lediglich knapp 1 MByte große Programmbibliothek, die ein relationales Datenbanksystem implementiert. Die Bibliothek lässt sich direkt in Anwendungen integrieren und erweitert diese so um Datenbankfunktionen, weitere Server-Software ist überflüssig.

Dabei unterstützt SQLite die meisten SQL92-Befehle, darunter Transaktionen, Unterabfragen, Sichten, Trigger und benutzerdefinierte Funktionen. Dagegen fehlen Funktionen zum Verwalten von Objektberechtigungen und eine Client-Server-Architektur, die gesamte Datenbank befindet sich in einer einzigen Datei.

Aufgrund ihrer Vorzüge greifen zahlreiche bekannte Anwendungen auf SQLite zurück. Dazu zählen beispielsweise die Webbrowser Mozilla Firefox, Google Chrome und Apple Safari oder die VoIP-Software Skype. Daneben kommt auch in Mobilbetriebssystemen wie Android, iOS, Symbian und Windows Phone sowie in Mac OS X SQLite zum Einsatz.

SQLiteStudio installieren

Überraschenderweise führt im Gegensatz zum Original Debian der Ableger Raspbian SQLiteStudio nicht in den Repositories, sodass Sie das Programm manuell installieren müssen. Außerdem beißen sich die aktuellen SQLiteStudio-Versionen der 3.1er-Serie mit der in Raspbian enthaltenen Qt5-Version, was Probleme beim Kompilieren nach sich zieht. Laden Sie zum Übersetzen also am besten den Quellcode der letzten Version der SQLiteStudio-3.0-Reihe herunter.

Den kompletten Ablauf vom Einspielen der Abhängigkeiten bis zur Installation zeigt Listing 1. Die Compiler-Toolchain und Tcl sollten bereits auf dem RasPi installiert sein, Zeile 3 können Sie also in der Regel auslassen. Ähnliches gilt für Zeile 5, falls SQLite schon auf dem RasPi läuft. Auf einem Raspberry Pi 3 lässt sich das Kompilieren beschleunigen, indem Sie Make in den Zeilen 13 und 15 mit dem Parameter -j4 aufrufen, um alle vier Cores des RPi3 einzuspannen. So oder so haben Sie während des Ablaufs genügend Zeit für eine Tasse Kaffee, es könnte auch ein Kännchen werden.

Beim Installieren landet SQLiteStudio unter /usr/bin/. Beim ersten Start fragt das Programm nach der gewünschten Lokalisierung. Da es lediglich Anpassungen für Chinesisch, Französisch, Polnisch, Russisch und Slowenisch gibt, belassen Sie es hier beim voreingestellten American English. Davon gehen auch alle Angaben in diesem Artikel aus.

Listing 1

 

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get dist-upgrade
$ sudo apt-get install build-essential tcl
$ sudo apt-get install libreadline-dev libncurses5-dev
$ sudo apt-get install sqlite libsqlite3-dev
$ sudo apt-get install qt5-default qtscript5-dev qttools5-dev libqt5svg5-dev
$ mkdir -p ~/projects/sqlitestudio/
$ cd ~/projects/sqlitestudio/
$ wget http://sqlitestudio.pl/files/sqlitestudio3/complete/tar/sqlitestudio-3.0.7.tar.gz
$ tar xf sqlitestudio-3.0.7.tar.gz
$ mkdir -p output/build/
$ cd output/build/
$ qmake ../../SQLiteStudio
$ make
[...]
$ make install

Datenbank anlegen

Zum Anlegen einer neuen Datenbank klicken Sie nach dem Start von SQLiteStudio auf Database | Add a Database oder drücken einfach [Strg]+[O]. Im daraufhin erscheinenden Dialogfenster (Abbildung 1) wählen Sie als Database typeSQLite 3. Bei File klicken Sie rechts neben dem Eingabefeld auf das grüne Pluszeichen, um ein Datenverzeichnis anzulegen.

Abbildung 1: Der SQLiteStudio-Dialog zum Anlegen einer Datenbank.

Abbildung 1: Der SQLiteStudio-Dialog zum Anlegen einer Datenbank.

Befindet sich darunter bei Name (on the list) ein Haken in Generate automatically, erzeugt das Tool den Datenbanknamen aus dem Verzeichnisnamen. Lassen Sie bei Options den Haken neben Permanent (keep it in configuration) gesetzt, erinnert sich SQLiteStudio bei der nächsten Sitzung an diese Datenbank.

Zu guter Letzt klicken Sie noch auf Test connection. Ist die SQLite-Datenbank funktionsfähig, erhalten Sie als Funktionsbestätigung einen grünen Haken. Mit OK beenden Sie die Maske anschließend.

Bevor Sie nun eine Tabelle anlegen können, müssen Sie sich mit der Datenbank verbinden. Dazu klicken Sie auf Database |Connect to the database oder in der Werkzeugleiste auf das Symbol mit den beiden verbundenen Steckern ganz links. Stehen später einmal mehrere Datenbanken zur Verfügung, müssen Sie zuvor die gewünschte am linken Rand unter Databases per Mausklick auswählen.

Nach der erfolgreichen Verbindungsaufnahme stellt SQLiteStudio die Datenbank am linken Rand des Programmfensters in einer Baumstruktur dar (Abbildung 2).

Abbildung 2: SQLiteStudio nimmt Verbindung mit der Datenbank auf.

Abbildung 2: SQLiteStudio nimmt Verbindung mit der Datenbank auf.

Anlegen von Tabellen

Den Dialog zum Anlegen einer Datenbanktabelle starten Sie über den Menüpunkt Structure | Create a table, durch einen Rechtsklick auf Tables in der Baumanzeige der Datenbank am linken Bildrand oder über das Tabellensymbol mit dem Plus-Zeichen in der Werkzeugleiste.

Tragen Sie den Tabellennamen im Feld Table Name ein – in unserem Beispiel lautet er personen (siehe Tabelle). Um eine neue Tabellenspalte anzulegen, klicken Sie auf das entsprechende Icon in der Werkzeugleiste dieses Fensters oder drücken [Einfg]. Es öffnet sich das Fenster zum Anlegen der Spalte (Abbildung 3).

Abbildung 3: Nach der Vergabe des Tabellennamens legen Sie ein Tabellenfeld an.

Abbildung 3: Nach der Vergabe des Tabellennamens legen Sie ein Tabellenfeld an.

Im sich daraufhin öffnenden Dialogfenster können Sie alle Eigenschaften der Tabellenspalte setzen. In jeder Tabelle sollte eines der Felder einen Primär- oder Fremdschlüssel führen. In unserem Beispiel dient die Spalte pnum als Primärschlüssel (Abbildung 4), der seinen Wert automatisch erhöht (Autoincrement).

Abbildung 4: In diesem Dialog erledigen Sie das Einrichten des Primärschlüssels.

Abbildung 4: In diesem Dialog erledigen Sie das Einrichten des Primärschlüssels.

Nachdem Sie alle notwendigen Tabellenspalten angelegt haben – die Struktur der Beispieltabelle personen zeigt Abbildung 5 – klicken Sie auf den grünen OK-Haken in der Werkzeugleiste des Unterfensters. Dort finden Sie auch alle für das weitere Bearbeiten einer Tabelle notwendigen Werkzeuge, etwa um Eigenschaften einer Spalte zu bearbeiten oder Spalten zu löschen.

Abbildung 5: Die Struktur unserer Beispieltabelle »personen«.

Abbildung 5: Die Struktur unserer Beispieltabelle »personen«.

Manuelle Dateneingabe

Um Daten einzugeben oder zu bearbeiten, klicken Sie auf Data. Hier wählen Sie zwischen Grid view, einer Tabellenansicht (Abbildung 6), und Form view einer Formularansicht.

Abbildung 6: Dateneingabe in Tabellenansicht.

Abbildung 6: Dateneingabe in Tabellenansicht.

Auch dieses Unterfenster enthält eine Werkzeugleiste, mit der Sie (von links nach rechts) die Ansicht erneuern, einen leeren Satz für die Eingabe anfordern (Plus-Zeichen), einen Satz löschen (Minus-Zeichen), eine Aktion ausführen (Haken) und eine Aktion rückgängig machen (X) können.

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