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Aus Raspberry Pi Geek 06/2019

Mit Kodi 18.0 und LibreELEC 9.0 Netflix und Co. streamen

© Przemyslaw Koch, 123RF

Popcorn-Kino

Christoph Langner

Mit Kodi 18.0 unterstützt LibreELEC 9.0 jetzt die von vielen Streaming-Diensten genutzte DRM-Verschlüsselung. Die Integration von Netflix, Amazon und Co. erfordert allerdings Handarbeit.

Eine der häufigsten Aufgaben für den Raspberry Pi stellt nach wie vor der Einsatz als Mediacenter dar. Der RasPi macht in Kombination mit der Mediacenter-Software Kodi jede “dumme” Glotze zum Smart-TV. Auf dem lassen sich dann Inhalte von lokal angeschlossenen Datenträgern, aus dem Intranet oder per Streaming aus dem großen weiten Netz abspielen. Solche Funktionen beherrschen zwar inzwischen selbst die einfachsten modernen Fernseher, doch mit entsprechenden Hardware-Upgrades und erweiterter Konfiguration nimmt der Mediacenter-RasPi außerdem Fernsehsendungen auf oder streamt sie ins Netzwerk, sodass Sie auch am PC oder Smartphone fernsehen können.

Als Basis vieler Mediacenter-RasPis dient die Kodi-Distribution LibreELEC. Das für den Raspberry Pi und auch andere SBCs sowie für den PC verfügbare Betriebssystem setzt unter der Haube auf ein “just enough operating system”, also auf ein auf das Nötigste abgespecktes Linux. Kurz nach der Freigabe von Kodi 18.0, von den Entwicklern “Leia” getauft, präsentiert auch das LibreELEC-Projekt mit der Version 9.0.0 die neueste Auflage seiner Distribution. Wir sehen uns im Folgenden an, was sich bei beiden Projekten getan hat.

Neues bei Kodi 18.0

Mit Kodi 18.0 “Leia” liefert das Mediacenter-Projekt das erste Major-Release seit Februar 2017 ab [1]. Das 36-köpfige Entwicklerteam spricht von annähernd 10 000 Commits mit einer Million neuer und ähnlich vielen eingesparten Code-Zeilen. Im Zug dieser Arbeiten bekam das Mediacenter ganz neue Funktionen spendiert: So lassen sich nun klassische Video-Games direkt über Kodi starten und zocken. Kodi selbst führt die Spiele allerdings nicht aus: Sie als Nutzer müssen dazu selbst die Emulatoren, Games und ROMs bereitstellen.

Kodi 18 greift dabei auf die Libretro-Bibliothek [2] des RetroArch-Projekts [3] zurück (Abbildung 1). Viele Emulatoren wie etwa Mame [4] unterstützen die Bibliothek inzwischen direkt. Zusätzlich lassen sich spieletypische Eingabegeräte wie Joysticks, Gamepads und andere Controller ins System einbinden. Auf diesem Weg steht einer Runde mit einem Jump’n’Run-Klassiker wie Super Mario Bros. oder Giana Sisters nichts im Weg, so Sie denn über die entsprechenden Titel verfügen.

Abbildung 1: Kodi integriert mit der Version 18.0 Retro-Spiele. Dazu unterstützt das System diverse Emulatoren, vom Amiga und C64 bis hin zu Spielekonsolen.

Abbildung 1: Kodi integriert mit der Version 18.0 Retro-Spiele. Dazu unterstützt das System diverse Emulatoren, vom Amiga und C64 bis hin zu Spielekonsolen.

Als Ergänzung zur eigenen Videosammlung liefern heutzutage Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime Video Filme und Serien in digitaler Form direkt ins Wohnzimmer. Mit Zattoo gibt es auch einen Anbieter, der dasselbe mit dem TV-Programm macht – auf diese Weise empfangen Sie auch ohne Kabelzugang oder Satellitenanlage digitales Fernsehen. Zum Schutz vor unlizenzierten Kopien verschlüsseln die Dienste ihre Inhalte jedoch. Kodi 18 weiß nun mit diesen DRM-Routinen umzugehen; allerdings hängt die Kompatibilität wesentlich von der eingesetzten Hardware und dem Betriebssystem ab.

Auch um den Musikplayer und das Verwalten der Musikbibliothek kümmerten sich die Entwickler in Kodi 18 (Abbildung 2): Die indexierten Titel lassen sich nun flexibler organisieren. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, Lieder nach der Quelle oder dem Geschlecht des Künstlers zu filtern. Die verbesserte API erlaubt einen schnelleren Zugriff auf die Inhalte der Musiksammlung, wodurch besonders Nutzer einer Kodi-App auf dem Smartphone oder Tablet profitieren.

Abbildung 2: Mit der neuen Kodi-Version fällt es leichter, durch die Musikdatenbank zu stöbern. Auch der API-Zugriff auf die Musiksammlung wurde optimiert.

Abbildung 2: Mit der neuen Kodi-Version fällt es leichter, durch die Musikdatenbank zu stöbern. Auch der API-Zugriff auf die Musiksammlung wurde optimiert.

Speziell Besitzer eines ausgewachsenen Mediacenter-PCs werden sich über den verbesserten Videoplayer freuen: Er verarbeitet Inhalte in 4K- und 8K-Auflösung sowie HDR-Filme schneller und besser. Der Mediaplayer hat gegenüber anderen Funktionen nun Vorrang bei Zugriffen auf die CPU und GPU, um Inhalte möglichst ruckelfrei wiedergeben zu können. Verfügt das Gerät, auf dem Sie Kodi 18 einsetzen, über Radioempfang, zeigt es nun via RDS Senderinformationen an, wie man es beispielsweise vom Autoradio her kennt.

Neues in LibreELEC 9.0

LibreELEC strickt um Kodi herum ein vollständig lauffähiges System. Das im Zuge der neuen Kodi-Version vorgestellte LibreELEC 9.0 [5] setzt auf den Kodi-18.x-Zweig auf und integriert die von dessen Entwicklern präsentierten neuen Funktionen wie den DRM-Support für Netflix und Co. sowie den Retro-Player zum Ausführen von Konsolenspielen (ein entsprechendes Addon vorausgesetzt). Unter der Haube des zügig nachgeschobenen Updates LibreELEC 9.0.1 MR kommt der Kernel 4.19.23 zum Einsatz.

LibreELEC installieren

Zur Installation von LibreELEC auf einem Single-Board-Computer wie dem Raspberry Pi empfiehlt sich der LibreELEC USB-SD Creator [13]. Das für Linux, Mac OS X und Windows angebotene Programm bereitet die dafür benötigte Speicherkarte in vier einfachen Schritten vor. Zuerst wählen Sie die gewünschte Version (meist Raspberry Pi 2 and 3), und dann laden Sie mit einem Klick auf Download die entsprechende Variante aus dem Netz. Im dritten Schritt bestimmen Sie den Datenträger, auf dem der Assistent das Image installieren soll. Hier lohnt es sich, akribisch vorzugehen, denn sämtliche Daten auf dem Massenspeicher gehen bei dieser Aktion verloren. Zu guter Letzt schreibt dann Write das heruntergeladene Image auf die SD-Karte (Abbildung 3).

Die stecken Sie in den Raspberry Pi und booten das System. Daraufhin empfängt Sie ein Einrichtungsassistent, der Sie durch die wichtigsten Konfigurationsschritte leitet. Dafür stecken Sie am besten eine Tastatur an den RasPi, eine Maus brauchen Sie dagegen nicht zwingend. Im ersten Schritt stellen Sie die Lokalisierung auf German um. Danach vergeben Sie einen Rechnernamen und richten die Netzwerkverbindung ein; das WLAN eines RasPi 3 wird von Haus aus unterstützt. Anschließend aktivieren Sie je nach Bedarf die Netzwerkdienste SSH und Samba. Für SSH erfragt der Assistent dabei automatisch ein neues Passwort.

Abbildung 3: Für die Installation von LibreELEC auf einer für den Raspberry Pi gedachten SD-Karte verwenden Sie am besten den USB-SD Creator. Das Programm gibt es für Linux, Mac OS X und Windows.

Abbildung 3: Für die Installation von LibreELEC auf einer für den Raspberry Pi gedachten SD-Karte verwenden Sie am besten den USB-SD Creator. Das Programm gibt es für Linux, Mac OS X und Windows.

Als Mediacenter gehören LibreELEC-Installationen zu den Systemen, die viele Anwender nach dem Grundsatz “einmal installiert, für immer ignoriert” betreiben; an die Sicherheit denken nur wenige. Oft werden nicht einmal Updates eingespielt, geschweige denn die Standardpasswörter geändert. Infolgedessen landen immer wieder ungeschützte LibreELEC-Systeme direkt im Internet, etwa wenn deren Betreiber über ein VPN einen Tunnel ins Netz gräbt.

Zu den Neuerungen von LibreELEC 9.0 gehört deshalb ein Interface zum Ändern des SSH-Passworts, das schon beim Einrichtungsassistenten erscheint. Alternativ erledigen Sie das später über das Zahnrad-Menü, in dem Sie sich von LibreELEC über Dienste und SSH bis zum SSH-Passwort hangeln (Abbildung 4).

Abbildung 4: Aktivieren Sie über den Einrichtungsassistenten den SSH-Zugang, fordert das LibreELEC 9.0 Sie umgehend auf, das Standardpasswort zu ändern.

Abbildung 4: Aktivieren Sie über den Einrichtungsassistenten den SSH-Zugang, fordert das LibreELEC 9.0 Sie umgehend auf, das Standardpasswort zu ändern.

Zudem sorgt eine grundlegende Konfiguration der Iptables-Firewall für zusätzliche Sicherheit. Im Home-Modus blockt LibreELEC eingehende Verbindungen, die nicht aus dem lokalen Netz kommen, und sichert so die angebotenen Dienste wie SSH, Samba und Web vor unerwünschten Zugriffen. Sollten veraltete Addons wiederholt Probleme beim Start des Systems verursachen, sorgt nun ein Safe Mode für Abhilfe. Das System startet dann mit der Grundkonfiguration, sodass sich störende Erweiterungen und Einstellungen deaktivieren lassen.

Die Rubrik Spiele bleibt anfangs noch leer. Zu Demonstrationszwecken lassen sich jedoch recht leicht zwei Games installieren. Sie öffnen dazu Zum Addon-Browser… | Offline-Spiele und rüsten dann 2048 sowie Mr.Boom (Bomberman) ähnlich wie die anderen Addons nach. Die entsprechenden Spiele-Engines, dazu zählen DOS (DOSBox), ScummVM und Commodore — C64 (VICE C64), zieht das System automatisch mit.

Stecken Sie ein Gamepad am USB-Port ein, registriert LibreELEC das neue Gerät automatisch und bietet an, es zu konfigurieren. Alternativ initialisieren Sie das Eingabegerät über das Zahnrad-Menü und die Optionen System | Eingabe | Peripheriegeräte sowie Angeschlossene Controller konfigurieren. Schritt für Schritt lassen sich dann die Tasten des Gamepads (in Abbildung 5 ein älteres Rumblepad von Logitech) mit den für Konsolen typischen Tasten wie [A]+[B]+[X] und [Y] verdrahten.

Abbildung 5: Verbinden Sie ein Gamepad mit dem System, öffnet Kodi automatisch einen Assistenten zur Konfiguration des neuen Eingabegeräts für Spiele.

Abbildung 5: Verbinden Sie ein Gamepad mit dem System, öffnet Kodi automatisch einen Assistenten zur Konfiguration des neuen Eingabegeräts für Spiele.

Im Test mit einem Raspberry Pi 3 funktionierte dann allerdings nur das sehr einfach gehaltene Spiel 2048 (Abbildung 6). Das spaßigere und mit mehr Action geladene Mr.Boom (Bomberman) führt der RasPi zwar aus, doch der Bildschirm bleibt schwarz. Erst nach einem Druck auf [Esc] erscheint ein Menü zum Beenden des Spiels, das dann auch im Hintergrund das Spiel selbst anzeigt.

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