Das freie, auf Kodi basierende Mediacenter OSMC macht einen Raspberry Pi 4 zu einem flexibel einsetzbaren Home-Theatre-PC.
Der Raspberry Pi hat in der vierten Generation einen signifikanten Zuwachs an Rechenleistung und Hardwarekapazität erhalten, sodass er sich mehr und mehr Desktop-Rechnern annähert. Auch für Multimediaanwendungen ergeben sich damit neue Möglichkeiten. Das Open Source Media Center (OSMC), das auf Debian basiert, bringt dabei den ursprünglichen Kodi-Mediaplayer auf den britischen Kleincomputer und ergänzt ihn um eine optisch ansprechende Bedienerschnittstelle [1].
Konzept
Das OSMC ist eine sehr kleine Linux-Distribution mit einem Umfang von lediglich knapp 240 MByte in komprimierter Form. Sie laden sie von der Website des Projekts für die unterschiedlichen Generationen des britischen Kleincomputers in verschiedenen gepackten Abbildern [2]. Das entpackte IMG-Abbild für den Raspberry Pi 4 ist mit 320 MByte nicht viel größer. Es setzt zum Betrieb eine Micro-SD-Karte mit einer Kapazität von mindestens 8 GByte voraus, die laut Angabe der Entwickler dem schnellen Class-10-Standard entsprechen sollte.
OSMC richtet nach einem Warmstart zunächst die Speicherkarte ein und installiert die zum Betrieb nötigen Dateien. Dieser Vorgang dauert auch auf einem relativ schnellen Speichermedium längere Zeit, wobei die Formatierung der Micro-SD-Karte bei Medien mit größerer Kapazität etwas Geduld erfordert. Nach Fertigstellung der Konfiguration werden die benötigten Dateien installiert, danach nimmt das System automatisch einen Warmstart vor. Anschließend begrüßt Sie ein optisch unauffällig gehaltener Konfigurationsassistent, der mit einem Dialog zur Auswahl der zu verwendenden Sprache beginnt.
Im Folgenden setzen Sie in weiteren Dialogen die Zeitzone sowie den Host-Namen und legen fest, ob der voreingestellt aktive SSH-Dienst deaktiviert werden soll. Es empfiehlt sich, ihn aktiviert zu halten, um von anderen Geräten im Intranet bei Bedarf Zugriff auf den OSMC-RasPi zu erhalten. Nach der dann eingeblendeten GPL-Lizenz, die Sie mit einem Klick rechts im Bildschirm auf Weiter bestätigen, wählen Sie im vorletzten Schritt das Erscheinungsbild des Mediacenters aus, wobei zwei Alternativen zur Wahl stehen.
Im letzten Schritt können Sie den OSMC-spezifischen Newsletter abonnieren. Danach leitet das System Sie in das eigentliche Mediacenter weiter. Links im Bild finden Sie dabei vertikal eine Optionsleiste mit allen Medienquellen und Konfigurationsmöglichkeiten, während rechts zunächst ein leerer Bereich zu sehen ist (Abbildung 1).
Im Menü Einstellungen, das Sie entweder mit den Pfeiltasten oder der Maus erreichen, passen Sie das System anschließend an Ihre Bedürfnisse an. Dabei bietet das Mediacenter vier Detail-Level. In jedem Einstellungsdialog können Sie dazu unten links in der Optionsleiste im Bereich Einstellungsebene angeben, ob Sie die Ebene Einfach, Standard, Fortgeschritten oder Experte bevorzugen. Je nach gewählter Ebene variieren dann die Konfigurationsmöglichkeiten des Systems. Die Einstellungsebene wird anschließend bis zu einer möglichen Änderung fest gesichert, sodass Sie in allen Dialogen die gewählte Ebene vorfinden.
In einem ersten Schritt sollten Sie im Dialog Benutzeroberfläche | Regional die Tastaturbelegung umstellen. Der Einrichtungsassistent hat die Spracheinstellung zwar abgefragt, das Tastaturlayout jedoch unverändert gelassen. Hier stellen Sie daher im Feld Tastaturbelegungen die englische Voreinstellung in einem weiteren Unterfenster auf German QWERTZ um. Da das die alte englische Belegung nicht automatisch entfernt, klicken Sie auf den entsprechenden Eintrag in der Liste, um ihn zu deaktivieren.
Nach einem weiteren Klick auf OK (unten mittig im Bild) gelangen Sie zurück in die übergeordnete Optionsebene, in der nun die deutsche Einstellung aktiviert ist. Mit [Esc] gelangen Sie nach Fertigstellung der Konfiguration zurück in die Hauptebene.
Inhalte
OSMC bietet die Möglichkeit, das gesamte Spektrum an Multimediainhalten in das System zu integrieren. Um lokal verfügbare, beispielsweise auf einem externen Laufwerk gespeicherte Dateien in OSMC zu integrieren, wählen Sie im Hauptmenü die entsprechende Kategorie und im darunter eingeblendeten Untermenü die Option Dateien. Mit dem Raspberry Pi verbundene externe Laufwerke erkennt das Mediacenter und hängt sie automatisch ein.
Sie finden diese Laufwerke dann im Dialog Dateien und können darin navigieren. Haben Sie ein Unterverzeichnis mit einzelnen Multimediadateien erreicht, listet das System diese rechts im Bild untereinander mit ihrem Dateinamen auf, während links unten Daten zu den verwendeten Codecs und Videostandards sowie der Dateigröße und der Länge des jeweiligen Inhalts erscheinen. Darüber sehen Sie bei Videodateien ein kleines Vorschaufenster (Abbildung 2).
Wenn Sie nun mit dem Mauszeiger über die Auflistung fahren, zeigt OSMC den jeweils vom Cursor berührten Titel vergrößert an. Mit einem Mausklick öffnen Sie die aktivierte Datei, wobei die Anwendung automatisch das Menü ausblendet und den Mediaplayer öffnet. Der spielt den jeweiligen Inhalt dann im Vollbildmodus ab. Positiv hervorzuheben ist, dass der Player auch die Metadaten der jeweiligen Datei ausliest und daher bei Videodateien stets den richtigen Formfaktor einstellt.








