Mit dem Raveberry machen Sie den Raspberry Pi zur demokratischen DJ-Plattform: Jeder Gast Ihrer Party kann zur Musikauswahl beisteuern.
Die Rolle des Gastgebers einer Party ist eine wunderschöne, aber oft auch undankbare: Die Vorbereitung der Feier macht viel Arbeit, hinterher gibt es unendlich viel aufzuräumen, und währenddessen ist man auch immer gut ausgelastet. Die Gäste wollen essen und trinken, man möchte selbst mit seinen Freunden sprechen und Zeit mit ihnen verbringen, zur Unterhaltung soll Musik spielen.
Die Musikauswahl lässt sich inzwischen gut vorbereiten: Eine mit viel Liebe zusammengestellte Playlist erspart einem, als DJ tätig werden zu müssen. Aber hin und wieder gilt es, doch mal ein anderes Stück zu spielen als das, das gerade in der Liste ansteht, oder Gäste wünschen sich einen besonderen Song, sodass man doch wieder zur Stereoanlage laufen muss.
Diese Aufgabe lässt sich perfekt auf den Raspberry Pi auslagern. Mit Raveberry [1] stellt sich ein Projekt vor, das den RasPi zu einem Multiuser-Musikserver macht, der sich demokratisch von jedem Gast per Smartphone steuern lässt. Die Songs streamt Raveberry dabei von Youtube oder Spotify oder lädt die Lieder von der lokalen Festplatte, sodass der Player auch ohne Internet-Verbindung funktioniert.
Raveberry installieren
Als Basis benötigt Raveberry ein aktuelles Raspbian-System, das Sie wie gewohnt auf einer Micro-SD-Speicherkarte installieren. Viel Platz benötigt Raveberry selbst nicht. Beachten Sie allerdings, dass der Raveberry auch Speicherplatz für Musik benötigt. Starten Sie daher idealerweise gleich mit einer Speicherkarte mit 32 oder mehr GByte Kapazität. Das Raspbian-System müssen Sie dabei nicht zwingend neu aufsetzen. Sie sollten allerdings darauf achten, das System auf einen aktuellen Stand zu bringen (Listing 1).
Listing 1
$ sudo apt update $ sudo apt full-upgrade
Für die Wiedergabe greift Raveberry auf das Mopidy-Projekt [2] zurück. Der zum Klassiker MPD [3] kompatible Musikserver, spielt jedoch nicht nur lokal gespeicherte Musik, sondern ist auch in der Lage, Songs von Spotify und anderen Online-Quellen zu streamen. Mopidy gibt es in einer Variante für Raspbian auf dem Raspberry Pi. Aktivieren Sie wie in Listing 2 gezeigt eine Paketquelle und spielen Sie alle für Raveberry nötige Komponenten in das System ein. Der Vorgang dauert eine Weile, da eine ganze Reihe von Abhängigkeiten mitgeladen werden.
Listing 2
$ wget -q -O - https://apt.mopidy.com/mopidy.gpg | sudo apt-key add - $ sudo wget -q -O /etc/apt/sources.list.d/mopidy.list https://apt.mopidy.com/buster.list $ sudo apt update $ sudo apt install python3-pip ffmpeg atomicparsley mopidy redis-server libspotify-dev libglib2.0-dev libgirepository1.0-dev libcairo2-dev gstreamer1.0-plugins-bad mopidy-spotify
Die Installation von Raveberry selbst erfolgt dann über den Python Package Installer Pip3 (Listing 3). Das Kommando lädt sämtliche Module aus dem Netz und richtet sie im System ein. Beachten Sie, dass dabei die $PATH-Variable angepasst wird. Loggen Sie sich daher danach einmal kurz aus dem System aus und melden Sie sich wieder neu an. Anschließend können Sie Raveberry mittels raveberry run starten und dann das Frontend des Mediaplayers über die IP-Adresse in einem Webbrowser öffnen. Die URL lautet http://RasPi-IP:8080. Mit [Strg]+[C] brechen Sie den Player dann wieder ab.
Listing 3
$ pip3 install raveberry $ raveberry run [...] server.run:119 INFO Configuring endpoint tcp:port=8080:interface=0 server.listen_success:153 INFO Listening on TCP address 0.0.0.0:8080 $ raveberry system-install $ sudo reboot
Um Raveberry fest in das System zu integrieren, installieren Sie das Programm mit raveberry system-install in die Ordnerstruktur des Systems. Sie rufen das Kommando ohne administrative Rechte auf, diese fordert das Installationsskript später selbstständig an (Abbildung 1).
Das Skript kopiert nicht nur die Dateien das Dateisystem, sondern sorgt auch dafür, dass die von Raveberry benötigten Dienste automatisch starten. Zudem ändert es den Hostnamen des Systems: Er lautet ab jetzt raveberry. Dementsprechend erreichen Sie das Webfrontend des Raveberry-Players nach einem letzten Neustart nun auch unter http://raveberry – die Angabe des Ports braucht es nicht mehr.
TIPP
Für den Betrieb des Raveberry benötigen Sie weder Maus noch Tastatur oder einen Bildschirm. Die Musikwiedergabe wird komplett über das Webfrontend gesteuert. Verbinden Sie den Raveberry dennoch mit einem Monitor, zeigt er während des Playbacks eine attraktive Animation an [7].
Die Party kann starten
Das Webfrontend des Raveberry präsentiert sich recht schlicht. Oben finden Sie eine Suchleiste, darunter die Wiedergabesteuerung und am unteren Ende die aktuelle Playlist (Abbildung 2). Um den Raveberry nun mit Musik zu befüllen, kopieren Sie entweder Ihre MP3-Musiksammlung direkt auf die Speicherkarte (etwa nach /home/pi/Musik/), oder Sie verbinden sich mit einem netzwerkfähigen Dateimanager über SSH und übertragen Ihre Musik übers Netz.





