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Aus Raspberry Pi Geek 04/2019

Der Musikplayer Volumio für Raspberry Pi und Co.

© Andrei Kuzmik, 123RF

Beerige Musik

Christoph Langner

Für echten Hi-Fi-Sound braucht es mehr als einen kleinen Bluetooth-Brüllwürfel. Mit Volumio und einem Raspberry Pi rüsten Sie Ihre klassische Hi-Fi-Anlage mit smarten Funktionen auf.

Smart Speaker à la Amazon Echo oder Multiroom-Lautsprecher im Stil von Sonos haben inzwischen vielerorts ausgewachsene Stereoanlagen aus den Regalen der Elektronikhändler verdrängt. Trotzdem steht in vielen Wohnzimmern noch immer ein Hi-Fi-Regal mit Platten- und CD-Spieler sowie einem ordentlichen Verstärker. Moderne AV-Receiver sind oft netzwerk- und bluetoothfähig, sodass sich leicht Musik vom Smartphone auf die große Anlage streamen lässt – doch manch ein altes Schätzchen besitzt diese Funktionen eben nicht.

Mit einem Raspberry Pi und Volumio [1] als Software rüsten Sie eine Stereoanlage aber sehr einfach und kostengünstig mit smarten Funktionen auf. Das System lässt sich per Webbrowser vom Desktop-PC und Laptop oder mittels Apps auch vom Smartphone oder Tablet steuern. Die Integration von Webradio, Spotify oder UPNP- und Airplay-Playback runden den Funktionsumfang ab. Im Test muss sich die im Januar dieses Jahres frisch veröffentlichte Version 2.526 beweisen.

Installation

Das unter der GPLv3 veröffentlichte Volumio gibt es kostenlos für diverse Single-Board-Computer – etwa für den Raspberry Pi, den Odroid C1 und C2, den Sparky von Allo [2] und das Asus Tinkerboard – sowie für den PC (32 und 64 Bit). Zur Installation auf einem Raspberry Pi laden Sie das Image in Form eines ZIP-Archivs mit dem Namen volumio-Version-pi.img.zip herunter, entpacken es und schreiben dann die Abbilddatei volumio-Version-pi.img auf eine mindestens 4 GByte große SD-Karte.

Volumio ist darauf ausgelegt, ohne einen Bildschirm zu arbeiten. Für die Inbetriebnahme des Systems müssen Sie daher nur die Speicherkarte in den RasPi schieben und den Mini-Rechner an das Netzteil anschließen. Selbst einen Netzwerkzugang braucht Volumio nicht zwingend, er macht die Konfiguration im späteren Verlauf jedoch einfacher. Steht neben der Stereoanlage kein Netzwerkanschluss zur Verfügung, lässt sich das System auch per WLAN ins Netz bringen (siehe Kasten “Hotspot-Modus”).

TIPP

Ein Volumio-RasPi braucht im Prinzip kein eigenes Display oder Eingabegeräte. Die Wiedergabe lässt sich bequem über einen Webbrowser vom PC oder Smartphone aus steuern. Nichtsdestotrotz steht dem System auch ein eigenes Display gut zu Gesicht: So sieht man ohne einen Blick aufs Handy, was gerade spielt, oder springt – im Fall eines Touchscreens – schnell zum nächsten Titel. Die Display-Funktion müssen Sie allerdings zuerst über die Plugin-Verwaltung einspielen. Sie finden sie unter Miscellanea | Touch Display Plugin. Vergessen Sie nach der Installation nicht, es auch noch unter Installierte Plugins zu aktivieren. Im Test streikte die Funktion jedoch in Kombination mit einem Raspberry Pi Touch Display [6]. Auf zwei RasPis, je einem Pi 2 und Pi 3+, sowie zwei Displays zeigte Volumio lediglich einen Prompt auf dem Bildschirm an. In der Dokumentation des Projekts fand sich keine Lösung für dieses Problem.

Hotspot-Modus

Installieren Sie Volumio auf einem Raspberry Pi der dritten Generation mit integriertem WLAN oder einem anderen Mini-Rechner mit entsprechendem Adapter (etwa einem RasPi 2 mit USB-WLAN-Dongle), dann spannt das System während der initialen Konfiguration automatisch ein drahtloses Netzwerk mit dem Namen Volumio auf. Das dazugehörige Passwort lautet volumio2.

Melden Sie sich mit einem Smartphone im Volumio-WLAN an, öffnet sich automatisch ein Webbrowser mit dem Setup-Assistenten. Nach der Konfiguration schaltet Volumio den Hotspot-Modus wieder ab. Starten Sie das System allerdings dann später einmal ohne Netzwerkzugang, aktiviert Volumio den Hotspot automatisch wieder.

Nutzen Sie Volumio in Kombination mit einer lokal gespeicherten Musiksammlung, etwa direkt auf der Speicherkarte oder mit einem USB-Massenspeicher, müssen Sie den Volumio-RasPi nur an einen Lautsprecher anschließen und können so auch unterwegs Musik hören – etwa in einem Hotel oder einer Ferienwohnung.

Der erste Start dauert ein paar Minuten. Während der Auszeit ändert Volumio die Partitionierung, sodass dem System die komplette Speicherkarte zur Verfügung steht. Zudem erstellt das System neue SSH-Schlüssel und installiert eine Reihe von Paketen. Die weitere Konfiguration erfolgt im Webbrowser. Sie erreichen das Webfrontend von Volumio über die Adresse http://volumio.local.

Die Namensauflösung über die Local-Domain funktioniert auf den meisten Computern mit einer aktuellen Linux-Distribution, Windows 10 oder MacOS als Betriebssystem. Alternativ erhalten Sie die IP-Adresse des Volumio-Systems über das Webfrontend des von Ihnen genutzten WLAN-Routers oder über einen Netzwerkscanner wie zum Beispiel Fing [3] für Android (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit einem Netzwerkscanner wie Fing für Android finden Sie die IP-Adresse des Volumio-RasPi im Netzwerk heraus.

Abbildung 1: Mit einem Netzwerkscanner wie Fing für Android finden Sie die IP-Adresse des Volumio-RasPi im Netzwerk heraus.

Konfiguration

Volumio empfängt Sie beim ersten Aufruf des Webfrontends mit einem Setup-Assistenten, der Sie in sechs Schritten durch die Konfiguration führt. Die Wahl von Sprache und Name des Systems liegt bei Ihnen. Unter Ausgang bietet Volumio die Möglichkeit, den Audioausgang zu wählen (Abbildung 2). Bei einem Standard-RasPi wählen Sie hier zwischen Audio Jack und HDMI Out – je nachdem, ob Volumio den Ton über die Kopfhörerbuchse oder den HDMI-Port ausgeben soll.

Abbildung 2: Nach der Installation übernimmt ein Assistent die grundlegende Konfiguration von Volumio.

Abbildung 2: Nach der Installation übernimmt ein Assistent die grundlegende Konfiguration von Volumio.

Die Tonqualität des in den RasPi integrierten Sound-Stacks genießt allerdings nicht den besten Ruf. Einen besseren Ton erhalten Sie mit einem Digital-Analog-Wandler oder auf Englisch Digital Audio Converter (DAC). Dieses Upgrade kommt in der Regel in der Form einer Zusatzplatine (HAT im Jargon des Raspberry Pi), die Sie auf die GPIO-Schnittstelle aufstecken. Für unseren Test kam ein HifiBerry DAC R2.2 zum Einsatz, der über Cinch-Kabel dann den Weg zur Stereoanlage findet (Abbildung 3).

Abbildung 3: Mit einer "Soundkarte", wie hier dem HifiBerry-Aufsatz, produziert der RasPi einen deutlich besseren Sound.

Abbildung 3: Mit einer “Soundkarte”, wie hier dem HifiBerry-Aufsatz, produziert der RasPi einen deutlich besseren Sound.

Im Reiter Netzwerk gibt Volumio Ihnen die Möglichkeit, das System in ein WLAN zu hängen. Im Test mit einem Raspberry Pi 3, der über einen integrierten WLAN- und Bluetooth-Chip verfügt, funktionierte dies ohne Komplikationen.

Damit Volumio auch etwas zum Abspielen hat, braucht es noch eine Quelle mit Musik. Diese richten Sie über die Option Neues Laufwerk hinzufügen im Reiter Musik ein. Als Quelle kann ein USB-Stick oder eine entsprechende Festplatte dienen, alternativ auch eine Freigabe auf einem NAS-Speicher. Das anschließende Indexieren aller Titel benötigt besonders bei größeren Musiksammlungen oder einem langsameren RasPi der ersten Generation einige Zeit.

Jukebox in Aktion

Rufen Sie nun die Weboberfläche des Volumio-RasPi auf, finden Sie sich im Player-Modus wieder (Abbildung 4). In der Mitte zeigt Volumio den aktuell abgespielten Titel mitsamt dem Cover des Albums an. Darüber finden Sie im Kopf der Seite die Schaltflächen fürs Spielen oder Pausieren der Wiedergabe sowie fürs Springen zum vorherigen oder nächsten Titel. Über die Kreisdiagramme steuern Sie den Fortschritt (links) und regeln die Lautstärke (rechts).

Abbildung 4: Die Weboberfläche von Volumio lässt sich gut über den PC bedienen, passt sich aber auch an kleinere Smartphone-Displays an.

Abbildung 4: Die Weboberfläche von Volumio lässt sich gut über den PC bedienen, passt sich aber auch an kleinere Smartphone-Displays an.

Die vom System indexierten Titel erreichen Sie über die Schaltfläche Durchsuchen am unteren Bildschirmrand. Von dort aus suchen Sie nach Interpreten und Alben oder stöbern durch die komplette Musikbibliothek (Abbildung 5). Die Liste an Internet-Radiostationen präsentiert sich von Haus aus gut gefüllt, auch deutschsprachige Sender aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und der Privatwirtschaft sind an Bord.

Abbildung 5: Über die Musikbibliothek stöbern Sie in Ihrer Musiksammlung. Die Oberfläche integriert auch Streaming-Dienste wie Spotify.

Abbildung 5: Über die Musikbibliothek stöbern Sie in Ihrer Musiksammlung. Die Oberfläche integriert auch Streaming-Dienste wie Spotify.

MP3- und erst recht CD-Sammlungen sind allerdings Schnee von gestern: Heutzutage wird gestreamt. Auch das beherrscht Volumio; Sie müssen die Funktion allerdings über ein Plugin nachrüsten (siehe Kasten “Spotify”). Im Test funktionierte das mit dem Streaming-Platzhirsch Spotify ohne Schwierigkeiten sehr zuverlässig und in recht ordentlicher Klangqualität. Auch das Stöbern im von Spotify gepflegten Angebot fällt mit Volumio nicht schwerer als über die Spotify-App auf einem Smartphone.

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