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Aus Raspberry Pi Geek 06/2017

LibreELEC 8.0 und OSMC 2017.02 mit Kodi 17.0 “Krypton”

© Maxim Maksutov, 123RF

Superkodi

Christoph Langner

Der RasPi dient vielen Nutzern als kleines, aber feines Mediacenter zum Aufrüsten eines “dummen” Fernsehers zum Smart-TV. Das Update auf Kodi 17.0 bringt neben einem neuen Look auch eine überarbeitete Streaming-Funktion mit.

Als ein Reddit-User vor etwa drei Jahren der Online-Community die Frage [1] stellte, wofür sie den Raspberry Pi denn nutzen würde, kamen binnen weniger Stunden Hunderte Antworten zurück: Der RasPi steuert Kniegelenkprothesen, Bewässerungsanlagen oder Segelboote, hilft behinderten Mitmenschen per Augensteuerung Musik zu machen oder Sonneneruption zu registrieren. Bei den “klassischen” Anwendungen steht der Einsatz als VPN-Server, Programmier-Experimentierstube oder Konsolenemulator weit oben. Ein Einsatzzweck taucht jedoch öfter auf als alle anderen: der Raspberry Pi als Mediacenter.

In der dritten Generation bietet der RasPi nun mehr als genug Rechenleistung, um HD-Material und eine ansprechend gezeichnete Oberfläche auf einem Fernseher abzuspielen. Da selbst der aktuelle Raspberry Pi noch auf der VideoCore-GPU der ersten RasPi-Generation basiert, beißt sich der Mini-Rechner an 4K-Videos allerdings noch die Zähne aus. Das tut seiner Beliebtheit als Mediacenter jedoch keinen Abbruch: Mit LibreELEC 8 und OSMC 2017.02 steht die aktuelle Kodi-Version “Krypton” 17.0 [2] bereits in zwei Kodi-Distributionen zur Verfügung. OpenELEC dagegen gerät seit der Abspaltung von LibreELEC zunehmend ins Hintertreffen, eine Ausgabe mit dem aktuellen Kodi-Release gibt es nicht einmal als Entwicklerversion.

Neu in Kodi 17

Seit Anfang Februar steht nach knapp einem Jahr Entwicklungszeit mit Kodi 17 “Krypton” der Nachfolger von “Jarvis” bereit. Die Kodi-Entwickler pflegen einen Tick-Tock-Rhythmus, bei dem auf eine Version mit vielen Neuerungen (Tick) eine Tock-Version folgt, die sich weitgehend auf das Beheben von Fehlern und Problemen konzentriert. Mit einem komplett neu gestalteten Erscheinungsbild und der InputStream-Erweiterung, die die Wiedergabe von Videostreams innerhalb des Kodi-Players erlaubt (RTMP, MPEG-DASH, SmoothStream und NXMSL), gibt Krypton ein lautes “Tick” von sich.

Mit Estuary und Estouchy bringt Kodi gleich zwei neue Themes mit. Estuary [8] löst das seit 2009 genutzt Standard-Theme Confluence ab, das bei der Darstellung von Kodi auf TV-Geräten oder Videobeamern zum Einsatz kommt. Estouchy hingegen richtet sich als Neuerung an jene User, die Kodi auf einem Tablet oder Notebook mit Touch-Display und einer auf Gesten optimierten Steuerung einsetzen möchten. Zudem gibt es mit Chorus [9] noch ein neues Theme für das (von vielen Usern noch unentdeckte) Webfrontend von Kodi.

Eine weitere Neuerung betrifft Anwender, die Kodi zum Fernsehen oder als Videorekorder (PVR) benutzen. Mit einem entsprechenden USB-TV-Dongle funktioniert das auch mit dem Raspberry Pi [10]. Die Änderungen umfassen eine neu gestaltete Übersicht mit Listen der letzten Aufnahmen und abgespielten Kanäle, einen deutlich schnelleren Programmführer sowie eine überarbeitete Aufnahmefunktion. Weitere Neuerungen betreffen primär die Android- und Windows-Versionen des Programms.

LibreELEC 8.0

Nach zehn Alpha-Versionen, drei Betas und über 200 inoffiziellen Nightly-Builds bringt die achte Ausgabe von LibreELEC [3] die aktuelle Kodi-Version auf den Raspberry Pi [4]. Die Distribution aktualisiert nicht nur das Mediacenter, sondern erneuert auch das zugrunde liegende Linux-System. Zusammen mit der überarbeiteten Distribution präsentieren die Entwickler auch einen Assistenten, der besonders Einsteigern die Installation des Systems erleichtern soll.

Das für Linux, MacOS X und Windows geeignete Programm lädt die passende Image-Datei aus dem Netz und schreibt sie auf die Speicherkarte (Abbildung 1). Unter Windows funktionierte das im Test sehr gut, die Linux-Ausgabe der Anwendung verweigerte jedoch auf drei Linux-Systemen (OpenSuse, Arch und Ubuntu) die Zusammenarbeit und stürzte mit einem Speicherabzugsfehler ab.

Abbildung 1: Der neue LibreELEC USB-SD Creator übernimmt auf Wunsch das Herunterladen und Schreiben der Image-Datei.

Abbildung 1: Der neue LibreELEC USB-SD Creator übernimmt auf Wunsch das Herunterladen und Schreiben der Image-Datei.

Man spricht Deutsch

Anfangs spricht LibreELEC nur Englisch, das lässt sich jedoch leicht ändern: Öffnen Sie über das Zahnrad-Icon im Kopf der Seitenleiste die Einstellungen und wählen Sie dort den Menüpunkt Interface settings. Im folgenden Dialog ändern Sie unter Regional die Language auf German. Anschließend wechseln Sie zurück in den Abschnitt Regional und passen noch die Tastaturbelegung an. Hier wählen Sie Englisch QWERTY ab und aktivieren stattdessen German QWERTZ. Als Letztes ändern Sie noch das Standartformat für Region auf Deutschland.

LibreELEC nutzt direkt die neuen Kodi-Themes. Die verschiedenen Medienarten (Filme, Serien, Musik) trennt Kodi nun nicht mehr über eine vertikale Scroll-Leiste in der Mitte des Bildschirms, sondern über eine Seitenleiste am linken Fensterrand. Im Hauptbereich finden sich Widgets mit den zuletzt hinzugefügten Medien (Abbildung 2). Über die Schaltflächen im Kopf dieser Ansicht lässt sich die Auswahl der Filme nach Genre, Titel, Jahr und weiteren Optionen sortieren. Auch der überarbeitete Player wirkt schlanker (Abbildung 3), die Menüs für die Audio-, Video- und Untertitel-Einstellungen öffnen leicht transparente Fenster.

Abbildung 2: Das neue Standard-Skin Estuary für Kodi wirkt aufgeräumt und arbeitet auf dem Raspberry Pi 3 schnell und ohne große Verzögerungen.

Abbildung 2: Das neue Standard-Skin Estuary für Kodi wirkt aufgeräumt und arbeitet auf dem Raspberry Pi 3 schnell und ohne große Verzögerungen.

Abbildung 3: Mit der InputStream-Erweiterung lassen sich Mediastreams in Kodi integrieren, sofern die Anbieter ihre Inhalte nicht per DRM verdongeln.

Abbildung 3: Mit der InputStream-Erweiterung lassen sich Mediastreams in Kodi integrieren, sofern die Anbieter ihre Inhalte nicht per DRM verdongeln.

Für das neue auf Touchscreens optimierte Theme müssen Sie die Skin-Verwaltung öffnen. Die erreichen Sie über die Einstellungen: Dort klicken Sie auf den Menüpunkt Benutzeroberfläche und in der Seitenleiste auf Skins. In diesem Abschnitt wählen Sie dann unter Skins die Installation über den Knopf Mehr… aus. In der Liste markieren Sie dann Estouchy und installieren den neuen Skin über die OK-Taste der TV-Fernbedienung beziehungsweise über [Eingabe] auf einer Tastatur.

Nach der Installation fragt Kodi, ob Sie das neue Theme gleich aktivieren möchten. Danach lädt Kodi automatisch das auf die Bedienung per Fingerzeig optimierte Theme (Abbildung 4). Achten Sie darauf, dass Sie das Touch-Skin auch wirklich nur auf Geräten mit Touchscreen aktivieren: Manche Menüpunkte lassen sich sonst nicht mehr mit der Tastatur anwählen. Zur Not müssten Sie vorübergehend ein Zeigegerät wie etwa eine Maus oder ein Touchpad an den RasPi anschließen.

Abbildung 4: Als Alternative zu Estuary bietet der Skin Estouchy eine auf Touch-Eingaben optimierte Oberfläche.

Abbildung 4: Als Alternative zu Estuary bietet der Skin Estouchy eine auf Touch-Eingaben optimierte Oberfläche.

Den Zugriff auf die neu gestaltete Weboberfläche ermöglichen Sie, indem Sie die Option Steuerung über HTTP erlauben unter Dienste | Steuerung in den Einstellungen aktivieren. Haben Sie dem System keinen anderen Hostnamen gegeben, erreichen Sie das Webfrontend aus dem lokalen Netzwerk über die Adresse http://libreelec:8080 oder (falls die Namensauflösung nicht funktioniert) direkt über die IP-Adresse (http://<I>IP<I>:8080 (Abbildung 5). Letztere erfahren Sie über den Info-Screen aus den Systeminformationen in den Einstellungen. Bei Bedarf lässt sich der Zugriff auf die Weboberfläche über eine Authentifizierung absichern.

Abbildung 5: Über das Webfrontend lässt sich die Wiedergabe steuern, zudem kann man auch Inhalte vom RasPi auf den eigenen PC streamen.

Abbildung 5: Über das Webfrontend lässt sich die Wiedergabe steuern, zudem kann man auch Inhalte vom RasPi auf den eigenen PC streamen.

Über das Webinterface steuern Sie nicht nur Kodi, pausieren also beispielsweise die Wiedergabe oder spielen einen anderen Film oder ein Musikstück auf dem Fernseher ab. Sie können auch Inhalte per Webbrowser vom LibreELEC-RasPi auf den eigenen PC streamen. Dazu schalten Sie oben rechts über der aktuellen Playlist von Kodi auf Local um. Bei kleinen Audiodateien funktioniert das Streamen zügig, bei größeren Videos merkt man dem Raspberry Pi die geringe Rechen- und Netzwerkleistung jedoch relativ schnell an. Das Streamen von Filmen und Serien klappt – allerdings muss man mehr als nur einen Tick warten, bis der Stream im Browser des eigenen Rechners erscheint.

Update

LibreELEC besitzt eine integrierte Update-Routine. Diese finden Sie in den Einstellungen unter LibreELEC | System. Zum Aktivieren der Funktion wählen Sie unter Update Chanel den Eintrag LibreELEC-8.0. Danach lässt sich unter Available Version die Version 8.0.0 einrichten (Abbildung 6). Setzen Sie die Automatische Aktualisierungen auf Auto, dann spielt das System automatisch immer die neueste Version ein. Vor dem Update sollten Sie mit System und Kodi Datensicherung erstellen ein Backup der aktuellen Installation sichern.

Falls die interne Update-Funktion scheitert, laden Sie von der LibreELEC-Projektseite das aktuelle Update-Paket in Form eines Tarballs herunter (etwa die Datei LibreELEC-RPi2.arm-8.0.0.tar) und kopieren es dann in den Ordner Update auf der Speicherkarte. Dazu lesen Sie diese entweder über den PC ein oder öffnen das Verzeichnis als Netzwerkfreigabe.

Abbildung 6: LibreELEC lässt sich über die Update-Routine auf die neue Version aktualisieren. Die Datenbank und alle Einstellungen bleiben erhalten.

Abbildung 6: LibreELEC lässt sich über die Update-Routine auf die neue Version aktualisieren. Die Datenbank und alle Einstellungen bleiben erhalten.

OSMC

Im Gegensatz zu LibreELEC basiert das Open Source Media Center oder kurz OSMC [5] auf Raspbian. So fungiert der Raspberry Pi im Zusammenspiel mit der Kodi-Distribution bei Bedarf nicht nur als Mediacenter, sondern auch als kleines NAS, als Webserver oder als Smart-Home-Zentrale: Da OSMC auf den Paketquellen von Raspbian aufsetzt, steht Ihnen das gesamte Portfolio einer vollwertigen RasPi-Distribution zur Verfügung. Die aktuell vorliegende Version OSMC 2017.02-2 setzt auf Raspbian “Jessie” mit einem von den Entwicklern optimierten Kernel 4.4.27 [6] auf.

Login

Aktivieren Sie im Rahmen des Installationsassistenten den SSH-Zugang, können Sie sich wie auf einem Raspbian-System auf dem OSMC-RasPi anmelden. Die Zugangsdaten lauten osmc für Login und Passwort. Aus Sicherheitsgründen sollten Sie das Passwort nach dem ersten Login via passwd ändern. Auf der Shell arbeiten Sie dann genauso wie auf einem klassischen Raspbian-System: Updates spielen Sie zum Beispiel über sudo apt update && sudo apt full-upgrade ein.

Die Installation von OSMC erfolgt wie bei LibreELEC über Disk-Images, alternativ verfügt auch OSMC über ein Tool zum Schreiben der Abbilddatei auf eine Speicherkarte. Im Gegensatz zu LibreELEC übernimmt jedoch nach dem ersten Start ein erweiterter Installationsassistent die Spracheinstellungen für Sie. Auch beim Aussehen gibt es zwischen LibreELEC und OSMC Unterschiede: Das Open Source Media Center nutzt mit dem OSMC-Skin ein eigenes Kodi-Theme (Abbildung 7). Bei Bedarf aktivieren Sie aber schon im Rahmen des Installationsassistenten auch das Original oder holen das später über Einstellungen | Interface | Skin nach.

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