Aus Raspberry Pi Geek 04/2019

Fernsehen mit dem Raspberry Pi DVB TV µHAT (Seite 3)

Falls Sie einzelne Sender partout nicht sehen wollen, dann wählen Sie vorher aus der Liste der Services diejenigen aus, die Sie nutzen möchten, und mappen nur diese. Auf diesem Weg entsorgen Sie die beiden Internet-Sender, die sich per Tuner sowieso nicht empfangen lassen. Optional passen Sie noch Kanalnummern über Konfiguration | Kanal/EPG an Ihre Vorstellungen an.

Nach dem Service-Mapping wechseln Sie mithilfe des Schalters in der obersten Zeile in den elektronischen Programmführer (EPG). Dort sehen Sie nun eine Übersicht der gerade laufenden Programme (Abbildung 6).

Abbildung 6: Das EPG mit den aktuellen Programmen.

Abbildung 6: Das EPG mit den aktuellen Programmen.

Fernsehen

Nutzen Sie für die Konfiguration einen nicht allzu alten Desktop oder Laptop, können Sie jetzt direkt das Live-Programm abrufen. Dazu benötigen Sie einen Mediaplayer, der den Codec HECV/H.265 beherrscht. Hier empfiehlt sich der für alle gängigen Plattformen verfügbare VLC. Eventuell lohnt sich auch ein Update auf die aktuellste Version, denn die Entwickler arbeiten laufend daran, die Codec-Unterstützung zu optimieren.

In Abbildung 6 sehen Sie links vor jeder Sendung zwei Icons. Ein Klick auf das erste zeigt einen Dialog mit einer Kurzbeschreibung zur jeweiligen Sendung an, der auch zusätzliche Schalter für das Fernsehen oder eine Aufnahme bereitstellt. Das zweite Icon startet direkt einen Tvheadend-eigenen Web-Mediaplayer. Da dieser (zumindest beim getesteten Firefox) im Test scheiterte, empfiehlt sich der Weg über das erste Icon.

Einfacher geht es, wenn Sie sich die Liste aller Sender-URLs herunterladen. Die in der Playlist gespeicherten Sender-URLs lassen sich dann direkt im VLC-Player anwählen. Auf diesem Weg müssen Sie also gar nicht erst das Webfrontend von Tvheadend öffnen. Die Playlist erhalten Sie über den Link http://<I>RasPi-IP<I>:9881/playlist/channels.m3u.

Noch komfortabler sieht es sich mit einem ausgewachsenen Tvheadend-Client fern. Auf der Webseite des Projekts findet sich eine große Auswahl an entsprechenden Programmen für alle gängigen Plattformen [3]. Verwenden Sie Android, laden Sie die in der Basisversion kostenlose App TVHClient aus dem Playstore herunter [4]. Für 1,99 Euro schalten Sie zusätzliche Funktionen frei. Die App ist einfach aufgebaut und funktionell. Insbesondere der nach Genre eingefärbte Programmführer der einfach aufgebauten und funktionellen App weiß zu überzeugen (Abbildung 7).

Abbildung 7: Das EPG der Android-App TVHClient.

Abbildung 7: Das EPG der Android-App TVHClient.

Auch unter Android empfiehlt sich VLC als Mediaplayer. Im Test wusste VLC mit den vom RasPi gelieferten Streams umzugehen, im Gegensatz zu den eingebauten Mediaplayern der Hersteller. Die Kombi aus Pi Zero WH und DVB-T-Stick mutiert so zum idealen mobilen Fernseh-Provider. Konfigurieren Sie den Pi Zero zudem als Access Point, der sein eigenes WLAN aufspannt, können Sie auch unterwegs auf Ihren Mobilgeräten das aktuelle Fernsehprogramm genießen. Dank der geringen Leistungsaufnahme läuft der Zero samt TV µHAT ohne Probleme an einer Powerbank.

Auch das Live-Fernsehen von zwei Sendern gleichzeitig funktioniert – allerdings nur, wenn beide Sender aus demselben Bouquet stammen. In diesem Fall erweist sich jedoch das WLAN als Bottleneck, nicht die Rechenpower des Pi Zero.

Videorekorder

Zwar macht auch das Live-Fernsehen Spaß, die eigentliche Stärke von Tvheadend liegt aber in seinen Aufnahmefunktionen. Bevor Sie diese jedoch nutzen können, müssen Sie ein wenig an den Einstellungen des Videorekorders in der Konfiguration des Tvheadend-Diensts schrauben.

Dazu wechseln Sie mittels Konfiguration | Aufnahme in den entsprechenden Dialog. Dort sehen Sie eine Liste sogenannter Aufnahmeprofile. Im Auslieferungszustand gibt es davon nur ein einziges, das Default-Profil. Markieren Sie es und wählen Sie dann Bearbeiten. Danach wechseln Sie in den Ansichtsmodus Experte.

Im Profil lassen sich diverse Einstellungen ändern. Im ersten Schritt passen Sie den Pfad zum Aufnahmeverzeichnis von /var/lib/hts/ nach /data/videos/ an. Nach der Änderung sollten Sie nicht vergessen, das Profil wieder zu speichern. Das entsprechende Verzeichnis legen Sie auf der Kommandozeile des Raspberry-Pi-Systems mit folgenden Kommandos an:

$ sudo mkdir -p /data/videos
$ sudo chown -R hts:hts /data

Statt /data/videos/ dürfen Sie auch einen anderen Pfad wählen. Wichtig ist nur, dass Tvheadend die aufgenommenen Sendungen nicht in /var/lib/hts/ ablegt. Sinn und Zweck der ganzen Operation besteht darin, dass sich das Verzeichnis /data/videos mit den Aufnahmen später freigeben lässt, ohne dabei auch die Konfigurationsdateien offenzulegen, die ebenfalls unterhalb von /var/lib/hts lagern. Alternativ könnten Sie unter /data/videos/ auch ein Netzwerklaufwerk oder eine externe Festplatte mounten. Dann schreibt Tvheadend die Aufnahmen direkt auf einen Server beziehungsweise die externe Platte.

Neben dem Aufnahmeverzeichnis sollten Sie bei dieser Gelegenheit gleich die globalen Einstellungen für Aufnahmen anpassen. Interessant wäre hier zum Beispiel die Vor- und Nachlaufzeit bei jeder Aufnahme. Diese Zeiten lassen sich zusätzlich im Menü Konfiguration | Kanal/EPG individuell für jeden Sender oder bei Autoaufnahmen überschreiben – nicht jeder Sender ändert sein Programm aufgrund aktueller Ereignisse.

Eine weitere wichtige Einstellung betrifft den Namen der abgespeicherten Datei. Entweder Sie setzen im Dialog die entsprechenden Haken, um zum Beispiel den Sender in den Dateinamen aufzunehmen, oder Sie fügen die Platzhalter (beispielsweise %F für das Datum, weitere erklärt die Hilfe zum Dialog) selbst in den Namen ein.

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