Ab jetzt benötigen Sie nur noch einen Webbrowser für die Konfiguration der Software. Als leistungsfähige Software für das Streamen und Aufnehmen der empfangenen Programme empfiehlt sich Tvheadend. Allerdings wirkt die Weboberfläche altbacken und in vielen Bereichen nicht gerade intuitiv. Für den täglichen Betrieb nach der Einrichtung stellt das aber kein Problem dar, denn es gibt für Tvheadend viele verschiedene Clients mit besserer Oberfläche.
Die Konfigurationsoberfläche erreichen Sie über die URL http://<I>RasPi-IP<I>:9981. Beim ersten Aufruf erscheint ein Wizard, der zuerst die Sprache für die Weboberfläche und für das EPG abfragt und anschließend zweimal neu startet. Im Test klappte die Umschaltung auf Deutsch zu diesem Zeitpunkt nicht, nach einem späteren Reboot des Rechners erschien die Oberfläche dann aber in der gewählten Sprache.
Konfiguration
Tvheadend lässt sich umfassend konfigurieren und bietet unzählige Einstellungsmöglichkeiten, wozu sich im Netz ebenso viele Klick-Anleitungen finden. Wir beschränken uns hier auf das Wesentliche.
Der Wizard führt zwar durch den gesamten Konfigurationsprozess; wegen der besonderen Situation mit DVB-T2 in Deutschland sollten Sie ihn aber besser nach den ersten drei Schritten abbrechen. Nach der Sprachwahl folgt als Nächstes der Netzwerkzugriff sowie das Anlegen von Benutzern. Das Netzwerk-Feld lassen Sie leer, außerdem legen Sie einen Administrator und einen normalen Benutzer an.
Rein theoretisch könnten Sie alle Felder mit einem Asterisk (*) füllen, aber das führt an manchen Stellen zu Problemen. Als beste Strategie erscheint es, die Konfigurationseinstellungen stets über den Admin-Account zu erledigen und die Programmierung von Sendungen über das normale Benutzerkonto vorzunehmen. Theoretisch könnte auch jedes Familienmitglied als eigener Nutzer fungieren. Jeder sieht dann nur seine Aufnahmen, aber da jede geplante Aufnahme den Tuner blockiert, bekommen dann andere Nutzer Probleme, ohne deren Ursache feststellen zu können.
Im nächsten Schritt folgt die Auswahl des TV-Netzwerks. Unter Network 2 sehen Sie den Tuner des HATs (Sony CXD2880), dem Sie die einzige Auswahl zuweisen, DVB-T Network – auch wenn Sie in einem DVB-T2-Gebiet wohnen. Den nächsten Dialog brechen Sie dann mit Cancel ab. An dieser Stelle starten Sie den Service mit folgendem Kommando neu:
$ sudo systemctl restart tvheadend.service
Danach laden Sie die Webseite erneut und melden sich als Administrator an. Die Oberfläche sollte jetzt in Deutsch zur Verfügung stehen.
Muxe, Bouquets, Kanäle
Vor der weiteren Konfiguration gilt es, eine Reihe von Begriffen zu klären. Dabei stiftet allerdings der Gebrauch derselben Namen für unterschiedliche Dinge Verwirrung.
Im Gegensatz zum Radio, bei dem man auf einer Frequenz maximal einen Sender empfangen kann, sendet das digitale Fernsehen die Sender gebündelt in sogenannten Bouquets. In Deutschland belegen die drei Bouquets der öffentlich-rechtlichen Sender je einen Kanal mit einer Bandbreite von 8 MHz. Allerdings verwendet Tvheadend den Begriff Kanal als Synonym für Sender. Bouquets nennt Tvheadend dagegen Muxe oder in der Einzahl Mux (kurz für Multiplex).
Sie müssen jetzt also für das im letzten Schritt erzeugte TV-Netzwerk drei Muxe für die drei Bouquets erstellen und zuordnen. Den Dialog in Abbildung 3 erreichen Sie über die Schalterleiste oben auf der Tvheadend-Webseite unter Konfiguration | DVB-Input | Muxes | Hinzufügen. Den Dialog rufen Sie dreimal auf und füllen die Parameter entsprechend aus.

Abbildung 3: Für jedes der drei Bouquets der öffentlich-rechtlichen Sender müssen Sie den DVB-T2-Sendeparameter-Dialog von Tvheadend gesondert ausfüllen.
Die Daten für den Senderstandort ermitteln Sie am bequemsten über die in der Wikipedia hinterlegten Sendertabelle [2], siehe Abbildung 4. Die technischen Daten finden Sie auf derselben Seite weiter unten unter Sendeparameter aufgeführt. Im Zweifelsfall übernehmen Sie die Daten aus Abbildung 3.
In der Liste mit den angelegten Muxes sehen Sie dann auch, wie viele Services der Tuner gefunden hat. Falls sich hier nichts tut, dann hilft ein Kaltstart des Systems – also herunterfahren, vom Strom nehmen und wieder starten. Der erste Scan der Muxe stellt die größte Hürde beim Einrichten von Tvheadend dar und nimmt selbst bei korrekter Definition einige Zeit in Anspruch.
TIPP
Neben dem Import der Sendertabelle via Wikipedia gibt es inzwischen auch noch einen wesentlich komfortableren Weg, die Senderdaten für Tvheadend zu generieren: die DVB-T-Tools des deutschen Raspberry-Pi-Distributors Pi3g auf der Webseite Picockpit.com [6]. In der Oberfläche setzen Sie ganz unten im Dialog (Abbildung 5) ein Häkchen vor Add all DVB-T frequencies (Germany) und klicken dann auf Submit.
Als Resultat erhalten Sie eine Datei aa-All.txt zum Download angeboten. Sie enthält alle notwendigen DVB-T2-Kanaldefinitionen für eine Sendersuche mit Tvheadend. Diese Datei legen Sie auf dem RasPi im Verzeichnis /usr/share/dvb/dvb-t/ oder /usr/share/tvheadend/data/dvb-scan/dvb-t/ ab. Dann starten Sie den RasPi neu, legen in Tvheadend eine neue Kanalkonfiguration an und starten die Sendersuche. Eine ausführliche Beschreibung dazu finden Sie auf der Webseite von Pi3g [7]. (jlu)

Abbildung 5: Die DVB-T-Tools auf Picockpit.com erleichtern das Einrichten des DVB TV µHAT für die deutschen Sender.
Abschlussarbeiten
Nach dem Scan sollte Tvheadend in jedem Mux die jeweiligen Sender (entsprechend der Tabelle aus der Wikipedia) auflisten. Als letzter Schritt bleibt noch das sogenannte Mapping der Services. Dazu klicken Sie im Konfigurationsmenü unter Konfiguration | DVB-Input | Services auf den Button Services zuordnen und wählen dort das Mapping aller Services.






