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Aus Raspberry Pi Geek 02/2018

Peach Pi macht den RasPi zum Desktop-Computer (Seite 2)

Im Untermenü Grafik finden Sie vor allem aus dem KDE-Fundus entlehnte Software wie Digikam, den Bildkonverter DNG, einen Fotolayout-Editor, die Belichtungsvermischung sowie Showfoto und das Werkzeug Panorama zum Zusammenfügen mehrerer Bilder zu einer Rundumansicht. Zusätzlich enthält Peach Pi das Programm Entangle zum Fotografieren mit Computersteuerung, den Ristretto-Bildbetrachter und zwei Scanprogramme.

Zur Installation weiterer Applikationen verfügt die Distribution über gleich drei Verwaltungsprogramme: Neben dem Standard-Frontend Synaptic und dem Ubuntu-Software-Center findet sich im Lieferumfang auch das von Gnome bekannte Software-Frontend. Synaptic listet dabei insgesamt über 53 000 Pakete auf, sodass sich für jeden Bedarf ein passendes Programm finden lassen sollte (Abbildung 4).

Abbildung 4: Peach Pi bringt nicht weniger als drei Frontends für die Paketverwaltung mit. Weniger wäre an dieser Stelle mehr gewesen.

Abbildung 4: Peach Pi bringt nicht weniger als drei Frontends für die Paketverwaltung mit. Weniger wäre an dieser Stelle mehr gewesen.

Optisches

Das am unteren Bildschirmrand angesiedelte Dock bietet Starter für häufig genutzte Programme, was den Umweg über das Menü Applications erspart. Im rechten Bereich der recht groß ausgeführten Dock-Bar finden Sie ein Segment, das verschiedene Einstelloptionen durch besonders kleine Icons in zwei Reihen übereinander anordnet.

Hier nehmen Sie neben der Drucker- und Bildschirmanpassung auch das Kalibrieren eines Touchscreens vor oder rufen das XFCE-Einstellungsmenü auf. Letzteres haben die Peach-Pi-Entwickler durch verschiedene Programme ergänzt, sodass inzwischen ähnlich detaillierte Konfigurationsdialoge zur Verfügung stehen wie beim KDE-Desktop Plasma (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der XFCE-Einstellungsmanager von Peach Pi steht dem KDE-Optionsmenü kaum noch nach.

Abbildung 5: Der XFCE-Einstellungsmanager von Peach Pi steht dem KDE-Optionsmenü kaum noch nach.

Sowohl beim Dock als auch bei der Panelleiste verzichteten die Peach-Pi-Entwickler zugunsten der Performance auf spektakuläre optische Effekte, wie man sie von den meisten Distributionen auf Intel-Hardware kennt. Die beiden halbtransparent gestalteten Elemente lassen den Bildschirmhintergrund durchscheinen, der alle paar Minuten wechselt. Als Wallpaper stellen die Programmierer eine Auswahl an besonders gelungenen Landschaftsaufnahmen bereit.

Auch die Applikationsfenster erscheinen ohne aufwendige 3D-Effekte auf dem Bildschirm, wobei helle Hintergründe mit schwarzer Schrift dominieren und somit ein ergonomisches Gesamtbild ergeben.

Auslastung

Obwohl die Entwickler explizit darauf hinweisen, dass man wegen der Beschränkung des Arbeitsspeichers auf 1 GByte nicht mehr als zwei Anwendungen gleichzeitig auf dem RasPi laufen lassen sollte, konnten wir im Test den Kleincomputer auch problemlos mit vier aktiven Applikationen nutzen.

Dabei ließ sich sogar das schwergewichtige Bildbearbeitungsprogramm Gimp mit einem geladenen Foto noch zügig bedienen, wobei die Systemauslastung der CPU relativ gering ausfiel. Als Flaschenhals erwies sich aber tatsächlich der relativ kleine Arbeitsspeicher, der bei dem geschilderten Szenario zu etwa 65 Prozent belegt war (Abbildung 6).

Abbildung 6: Während Peach Pi auf dem RasPi 3 (links) gut mit der verfügbaren Leistung zurechtkommt, stößt es auf dem RasPi 2 (rechts) zuweilen an dessen Grenzen.

Abbildung 6: Während Peach Pi auf dem RasPi 3 (links) gut mit der verfügbaren Leistung zurechtkommt, stößt es auf dem RasPi 2 (rechts) zuweilen an dessen Grenzen.

Insgesamt arbeitet Peach Pi auf dem RasPi 3 mit einer 32 GByte großen Class-10-Micro-SD-Speicherkarte in etwa so schnell wie auf einem herkömmlichen Computer mit einer Zweikern-CPU und einer Festplatte als Massenspeicher.

Gelegentlich traten bei Spitzen in der CPU-Auslastung leichte Latenzen auf, die jedoch keine Unterbrechung des Arbeitsflusses verursachten. Die aufgrund der übertakteten CPU zu erwartende, verstärkte Wärmeentwicklung fiel im Test auch nach stundenlangem Dauereinsatz praktisch nicht ins Gewicht; zusätzliche Kühlmaßnahmen waren nicht erforderlich.

RasPi 2

Auf dem älteren RasPi 2 lässt sich Peach Pi ebenfalls relativ problemlos nutzen. Die Entwickler weisen jedoch darauf hin, dass man aufgrund der schwächeren CPU nicht die gleiche Arbeitsgeschwindigkeit erwarten darf. Darüber hinaus fehlt dem RasPi 2 im Vergleich zu seinem jüngeren Bruder der integrierte WLAN-Adapter. Besteht keine Möglichkeit, den Mini-Rechner kabelgebunden ins Netz zu integrieren, benötigen Sie entsprechend einen USB-WLAN-Adapter.

Hier empfiehlt sich eine Recherche nach kompatiblen WLAN-Sticks, die Ubuntu direkt unterstützt. Im Gegensatz zu Raspbian bietet Peach Pi speziell bei WLAN-Komponenten aufgrund der Integration proprietärer Firmware-Dateien eine wesentlich breitere Hardware-Unterstützung. Deswegen eignen sich häufig auch Dongles, die unter Raspbian nicht ohne Weiteres funktionieren.

In unserem Test machte der RasPi 2 mit Peach Pi eine befriedigende Figur. Es waren insbesondere bei CPU-lastigen Arbeiten zwar Latenzen spürbar, diese fielen jedoch weniger ausgeprägt aus als erwartet. Erst beim simultanen Öffnen mehrerer ressourcenhungriger Programme zeigte der kleinere RasPi deutliche Zeichen der Überlastung. Der Taskmanager belegt, dass die CPU im Schnitt deutlich stärker beansprucht wird als beim moderneren RasPi 3 (Abbildung 6). Ein RasPi 2 mit Peach Pi eignet sich also nur bedingt für die produktive Arbeit.

Fazit

Peach Pi demonstriert eindrucksvoll, dass der Raspberry Pi in der dritten Generation inzwischen in Bereiche vorstößt, die bisher klassischen Desktop-Computern vorbehalten waren. Dabei ermöglicht das Betriebssystem durch seine vielfältigen Anpassungen und die gelungene Software-Auswahl einen weitgehend reibungslosen Einsatz des Raspberry Pi 3 als Desktop-Rechner. 

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