Vollständig
Ein Blick in die Menüs des XFCE-Desktops fördert eine umfangreiche Ausstattung mit Anwendungen zutage: Sie finden darin bekannte Programme wie LibreOffice, Gimp, VLC und Firefox, aber auch reichlich Software aus dem XFCE- und dem Gnome-Fundus. Bei den Büro- und Internet-Applikationen für die wichtigsten Aufgaben beschränkt sich Peach Pi jeweils auf ein einziges Programm. Der Schwerpunkt der Distribution liegt auf den Bereichen Grafik und Multimedia.
Im Untermenü Multimedia liefert Peach Pi neben VLC auch den von Gnome stammenden Totem-Player, einen einfachen CD-Spieler, sowie die Abspielprogramme Parole und Banshee für verschiedenste Medien. Brasero und Xfburn dienen als Brennprogramme für optische Medien. Außerdem findet sich die Audio-Workstation Ardour 4 im Lieferumfang. Einige Anwendungstypen fehlen jedoch in der Sammlung, wie etwa ein Audiokonverter.
Im Untermenü Grafik finden Sie vor allem aus dem KDE-Fundus entlehnte Software wie Digikam, den Bildkonverter DNG, einen Fotolayout-Editor, die Belichtungsvermischung sowie Showfoto und das Werkzeug Panorama zum Zusammenfügen mehrerer Bilder zu einer Rundumansicht. Zusätzlich enthält Peach Pi das Programm Entangle zum Fotografieren mit Computersteuerung, den Ristretto-Bildbetrachter und zwei Scanprogramme.
Zur Installation weiterer Applikationen verfügt die Distribution über gleich drei Verwaltungsprogramme: Neben dem Standard-Frontend Synaptic und dem Ubuntu-Software-Center findet sich im Lieferumfang auch das von Gnome bekannte Software-Frontend. Synaptic listet dabei insgesamt über 53 000 Pakete auf, sodass sich für jeden Bedarf ein passendes Programm finden lassen sollte (Abbildung 4).

Abbildung 4: Peach Pi bringt nicht weniger als drei Frontends für die Paketverwaltung mit. Weniger wäre an dieser Stelle mehr gewesen.
Optisches
Das am unteren Bildschirmrand angesiedelte Dock bietet Starter für häufig genutzte Programme, was den Umweg über das Menü Applications erspart. Im rechten Bereich der recht groß ausgeführten Dock-Bar finden Sie ein Segment, das verschiedene Einstelloptionen durch besonders kleine Icons in zwei Reihen übereinander anordnet.
Hier nehmen Sie neben der Drucker- und Bildschirmanpassung auch das Kalibrieren eines Touchscreens vor oder rufen das XFCE-Einstellungsmenü auf. Letzteres haben die Peach-Pi-Entwickler durch verschiedene Programme ergänzt, sodass inzwischen ähnlich detaillierte Konfigurationsdialoge zur Verfügung stehen wie beim KDE-Desktop Plasma (Abbildung 5).
Sowohl beim Dock als auch bei der Panelleiste verzichteten die Peach-Pi-Entwickler zugunsten der Performance auf spektakuläre optische Effekte, wie man sie von den meisten Distributionen auf Intel-Hardware kennt. Die beiden halbtransparent gestalteten Elemente lassen den Bildschirmhintergrund durchscheinen, der alle paar Minuten wechselt. Als Wallpaper stellen die Programmierer eine Auswahl an besonders gelungenen Landschaftsaufnahmen bereit.
Auch die Applikationsfenster erscheinen ohne aufwendige 3D-Effekte auf dem Bildschirm, wobei helle Hintergründe mit schwarzer Schrift dominieren und somit ein ergonomisches Gesamtbild ergeben.
Auslastung
Obwohl die Entwickler explizit darauf hinweisen, dass man wegen der Beschränkung des Arbeitsspeichers auf 1 GByte nicht mehr als zwei Anwendungen gleichzeitig auf dem RasPi laufen lassen sollte, konnten wir im Test den Kleincomputer auch problemlos mit vier aktiven Applikationen nutzen.
Dabei ließ sich sogar das schwergewichtige Bildbearbeitungsprogramm Gimp mit einem geladenen Foto noch zügig bedienen, wobei die Systemauslastung der CPU relativ gering ausfiel. Als Flaschenhals erwies sich aber tatsächlich der relativ kleine Arbeitsspeicher, der bei dem geschilderten Szenario zu etwa 65 Prozent belegt war (Abbildung 6).

Abbildung 6: Während Peach Pi auf dem RasPi 3 (links) gut mit der verfügbaren Leistung zurechtkommt, stößt es auf dem RasPi 2 (rechts) zuweilen an dessen Grenzen.
Insgesamt arbeitet Peach Pi auf dem RasPi 3 mit einer 32 GByte großen Class-10-Micro-SD-Speicherkarte in etwa so schnell wie auf einem herkömmlichen Computer mit einer Zweikern-CPU und einer Festplatte als Massenspeicher.
Gelegentlich traten bei Spitzen in der CPU-Auslastung leichte Latenzen auf, die jedoch keine Unterbrechung des Arbeitsflusses verursachten. Die aufgrund der übertakteten CPU zu erwartende, verstärkte Wärmeentwicklung fiel im Test auch nach stundenlangem Dauereinsatz praktisch nicht ins Gewicht; zusätzliche Kühlmaßnahmen waren nicht erforderlich.
RasPi 2
Auf dem älteren RasPi 2 lässt sich Peach Pi ebenfalls relativ problemlos nutzen. Die Entwickler weisen jedoch darauf hin, dass man aufgrund der schwächeren CPU nicht die gleiche Arbeitsgeschwindigkeit erwarten darf. Darüber hinaus fehlt dem RasPi 2 im Vergleich zu seinem jüngeren Bruder der integrierte WLAN-Adapter. Besteht keine Möglichkeit, den Mini-Rechner kabelgebunden ins Netz zu integrieren, benötigen Sie entsprechend einen USB-WLAN-Adapter.







