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Aus Raspberry Pi Geek 10/2017

WLAN-AP auf dem RasPi mit Nextcloud-Anbindung (Seite 2)

Nachdem die Software das Konto überprüft hat, erhalten Sie eine SSH-Adresse, um sich mit Ubuntu Core zu verbinden. Ab diesem Zeitpunkt können Sie auf Bildschirm und Tastatur am RasPi verzichten, Sie melden sich von einem PC aus mit der vorgegebenen SSH-Adresse an (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der SSH-Zugang gelingt nur mit vorher hinterlegtem SSH-Key.

Abbildung 1: Der SSH-Zugang gelingt nur mit vorher hinterlegtem SSH-Key.

Aufgeschnappt

Für die weitere Administration kommt Snap zum Einsatz. Bei den ersten Schritten hilft der Befehl snap --help (Abbildung 2) weiter.

Abbildung 2: Mit Ubuntus neuem Paketsystem Snap machen Sie sich in der Regel schnell vertraut, indem Sie in der Shell die integrierte Hilfe des Programms aufrufen.

Abbildung 2: Mit Ubuntus neuem Paketsystem Snap machen Sie sich in der Regel schnell vertraut, indem Sie in der Shell die integrierte Hilfe des Programms aufrufen.

Bevor Sie aber Snaps installieren, um den Access Point zu komplettieren, vergeben Sie einen neuen Hostnamen – in unserem Beispiel pi3 – und stellen die Zeitzone korrekt ein (Listing 2, Zeile 1 und 2). Danach starten Sie das System neu. Nach dem erneuten Anmelden per SSH installieren Sie den Snap Wifi-Access-Point (Zeile 4) und rufen dann das Skript für die interaktive Konfiguration auf (Zeile 5), das Ihnen an einigen Stellen viel Handarbeit abnimmt.

Listing 2

 

$ sudo hostnamectl set-hostname pi3
$ sudo timedatectl set-timezone Europe/Berlin
[... Reboot ...]
$ snap install wifi-ap
$ sudo wifi-ap.setup-wizard

Im Wizard vergeben Sie zunächst eine SSID und im vorliegenden Fall ein Passwort. Falls Sie einen frei zugänglichen Hotspot aufsetzen möchten, verneinen Sie die Frage, ob Sie ein Passwort wünschen. Bei der Frage nach der IP-Adresse geben Sie 192.168.1.1 oder eine dem Netzwerk angepasste Adresse ein. Nach einigen weiteren Fragen, die Sie verneinen dürfen, wenn sich der Sinn nicht erschließt, aktivieren Sie in der letzten Antwort den Access Point. Damit ist das Aufsetzen bereits erledigt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der automatisierte Ablauf nimmt Ihnen die gesamte Konfiguration an verschiedenen Stellen ab.

Abbildung 3: Der automatisierte Ablauf nimmt Ihnen die gesamte Konfiguration an verschiedenen Stellen ab.

USB-Disk einbinden

Nun bereiten Sie das System für den Einsatz mit Nextcloud vor. Dazu schließen Sie via USB einen Speicherstick oder eine externe Festplatte an den Access Point an. Dessen Gerätenamen bringen Sie via lsblk -l anhand der Größe der Platte in Erfahrung. Alternativ rufen Sie direkt nach dem Anstecken sudo dmesg | tail auf und fischen die Informationen aus dessen Ausgabe.

Sobald Sie den Bezeichner für den Massenspeicher kennen, legen Sie für Systemd im Verzeichnis /etc/systemd/system/ eine USB-Mount-Unit namens media-usbdisk.mount an. In diese Datei fügen Sie den Inhalt von Listing 3 ein, wobei Sie den Namen der Gerätedatei entsprechend anpassen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Als Editor steht nur Vi bereit, um für Systemd eine USB-Mount-Unit zu erstellen.

Abbildung 4: Als Editor steht nur Vi bereit, um für Systemd eine USB-Mount-Unit zu erstellen.

Listing 3

 

[Unit]
Description=Mount USB Disk
[Mount]
What=Gerätedatei
Where=/media/usbdisk
Options=defaults
[Install]
WantedBy=multi-user.target

Die Unit kümmert sich um das Einbinden der externen Festplatte. Dazu müssen Sie sie dem System aber erst einmal bekannt machen. Dazu geben Sie zunächst die Befehle aus den ersten drei Zeilen von Listing 4 ein. Damit binden Sie den Massenspeicher ein. Mit dem nächsten Befehl (Zeile 4) installieren Sie Nextcloud. Danach erlauben Sie dem Snap, mit der Festplatte zu interagieren (Zeile 5).

Listing 4

 

$ sudo systemctl daemon-reload
$ sudo systemctl enable media-usbdisk.mount
$ sudo systemctl start media-usbdisk.mount
$ snap install nextcloud
$ snap connect nextcloud:removable-media

Jetzt sollten Sie Nextcloud einige Minuten Zeit geben, während im Hintergrund die Konfiguration abläuft. Nach einer Kaffeepause erstellen Sie mit dem Befehl aus der ersten Zeile von Listing 5 ein selbst signiertes Zertifikat – für den Hausgebrauch genügt das völlig. Alternativ erstellen Sie mit dem Befehl aus der zweiten Zeile ein Zertifikat von Let’s Encrypt (Abbildung 5) oder binden ein bereits vorhandenes ein. Das setzt aber voraus, dass Sie zunächst den Webserver Apache vorbereiten – ein Thema für sich.

Listing 5

 

$ sudo nextcloud.enable-https self-signed
$ sudo nextcloud.enable-https lets-encrypt
Abbildung 5: Das Verwenden eines Zertifikats von Let's Encrypt setzt einiges an zusätzlichen Arbeiten voraus.

Abbildung 5: Das Verwenden eines Zertifikats von Let’s Encrypt setzt einiges an zusätzlichen Arbeiten voraus.

Jetzt steht alles bereit, um auf den Access Point zu verbinden und Nextcloud zu starten. Dazu schauen Sie auf einem beliebigen Rechner oder einem anderen WLAN-fähigen Gerät in die Liste der angebotenen Netzwerke und verbinden sich mit dem AP (Abbildung 6).

Abbildung 6: Auf dem Notebook steht die erstellte Verbindung »ubucore« im Network-Manager bereit.

Abbildung 6: Auf dem Notebook steht die erstellte Verbindung »ubucore« im Network-Manager bereit.

Danach rufen Sie im Browser https://Nextcloud-IP auf, also die von Ihnen vergebene Adresse für Nextcloud. Als letzten Schritt, um Daten auf der externen Platte zu speichern, aktivieren Sie in Nextcloud in der GUI die App External Storage und verweisen diese dann im Admin-Backend auf /media/usbdisk/ (Abbildung 7).

Abbildung 7: Die App »External Storage« ermöglicht das Speichern auf der externen Platte, die Sie mit dem RasPi-AP verbunden haben.

Abbildung 7: Die App »External Storage« ermöglicht das Speichern auf der externen Platte, die Sie mit dem RasPi-AP verbunden haben.

Fazit

Selten war es so einfach, einen WLAN-Access-Point aufzusetzen, sogar samt privater Cloud. Der Aufbau des AP selbst steht in rund einer halben Stunde, inklusive Nextcloud-Einrichtung vergeht rund eine Stunde. Das hier beschriebene Vorgehen eignet sich hervorragend für Geräte, die im Alltag unauffällig und außerhalb des Blickfelds ihren Dienst versehen.

Dass der Access Point im vorliegenden Fall trotzdem sicher bleibt, liegt zum einen an der mit dem Konto verbundenen verschlüsselten SSH-Anbindung und zum anderen an Ubuntu Core mit Snap und dessen automatischen Updates – mit der Option, bei Problemen wieder auf den alten Stand zurückzukehren.

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