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Aus Raspberry Pi Geek 12/2018

Ein RasPi mit Musikcube als Alternative zu Spotify

© Karandaev, 123RF

Musikwürfel

Christoph Langner

Mit Musikcube machen Sie Ihre eigene Sammlung fit fürs Streamen. Der terminalbasierte Audioplayer lässt sich Fernsteuern und bietet eine App für Android-Smartphones.

Apple Music, Amazon Music, Tidal und Spotify: Musik streamen ist “in”, Musik kaufen out – nur die gute alte Vinyl-LP erlebt seit Jahren ein (wenn gleich bescheidenes) Comeback bei Liebhabern. Die permanente Verfügbarkeit von Millionen von Songs und Alben von Künstlern aus aller Herren Länder lockt die Nutzer, ein Abo bei einem Streaming-Anbieter abzuschließen.

Nun gibt es jedoch auch zahlreiche Nutzer, die eben jene Fülle gar nicht benötigen. Wer seit Jahrzehnten seine Sammlung in Form eines digitalen Archivs aus MP3- oder FLAC-Dateien hegt und pflegt, braucht keinen kostenpflichtigen Streaming-Dienst. Einziger Nachteil einer großen Sammlung: Niemand schleppt gerne eine externe Festplatte mit allen archivierten Liedern mit sich herum.

Musikstreaming im Eigenbau

Für ein selbst gehostetes Spotify-Pendant bieten sich Lösungen wie das Open-Source-Programm Ampache [1] an. Auf einem Server installiert, lässt sich die von Ampache indexierte Musik über eigene Apps und Programme auf Smartphones, Tablets oder Rechner streamen. Mit der entsprechenden Konfiguration klappt das selbst via Internet, ganz so, wie Sie es von Spotify kennen. Die PHP-Anwendung benötigt allerdings einen Webserver mit Datenbankanbindung, was die Installation und Wartung nicht gerade vereinfacht.

Wesentlich weniger Aufwand verursacht Musikcube [2]. Der für Linux, MacOS X und Windows verfügbare Musikplayer erlaubt sowohl das Streamen von Musik wie das Steuern der Wiedergabe über das Netzwerk. Die Oberfläche der Anwendung verzichtet dabei auf Schnickschnack und optische Effekte. Stattdessen gibt es textbasierte Dialoge, die Sie selbst über SSH bedienen. Ideale Voraussetzungen also, um etwa einen Raspberry Pi als Streaming-Server zu betreiben.

Da war doch mal was?

Wer die Open-Source-Szene seit Jahren oder gar Jahrzehnten verfolgt, dem dürfte der Name Musikcube bekannt vorkommen: So nannte sich früher ein beliebter Audio-Player für Windows, dessen Entwicklung allerdings vor Jahren einschlief [11]. Hinter dem “neuen” Musikcube steckt mit Casey Langen nun derselbe Entwickler, der Nachfolger setzt sogar zum Teil auf den bestehenden Code auf. Diesmal läuft Musikcube allerdings auf allen gängigen Betriebssystemen (Linux, MacOS X, Windows) und bietet mit seiner Client/Server-Architektur eine neue Funktion.

RasPi vorbereiten

Aufgrund des geringen Stromverbrauchs und des günstigen Preises bietet sich ein Raspberry Pi als Mini-Server an. Den Quellcode zu dem unter der BSD-Lizenz veröffentlichten Projekt verwalten die Entwickler auf Github [3]. Dort finden Sie auch DEB- und RPM-Pakete für die Installation auf verschiedenen Distributionen [4]. In den regulären Paketquellen fehlt das Programm in aller Regel, einzig Arch Linux hat Musikcube im AUR.

Zuerst gilt es, das Szenario zu klären. Die Idee: Eine mehrere Gigabyte schwere Musiksammlung soll mobilen Geräten im Netzwerk als Stream bereit stehen. Das Programm erlaubt zudem das Abspielen von Musik über die Soundkarte (am besten über einen am Audio-Ausgang angeschlossenen HiFi-Verstärker). Musikcube übernimmt dabei das Verwalten der auf dem Gerät (oder einer externen USB-Festplatte) gespeicherten Musik; per Samba-Freigabe befüllen Sie das System dann bequem mit Musik.

Im Folgenden beschreiben wir den Einsatz eines Raspberry Pi mit Raspbian als Betriebssystem. Mit den entsprechenden Anpassungen lässt sich aber jeder Linux-Computer als Musikcube-Server einsetzen.

Das Basis-System

Musikcube gibt es für den Raspberry Pi nur in einer Version für Raspbian “Stretch”. Achten Sie daher darauf, ein entsprechend aktuelles System zu nutzen und im Vorfeld alle anstehenden Updates einzuspielen. Um sich nun das manuelle Einbinden von externen Datenträgern via USB zu sparen, installieren Sie das Paket usbmount (Listing 1).

Listing 1

 

$ sudo apt install usbmount
$ lsblk
NAME        MAJ:MIN RM  SIZE RO TYPE MOUNTPOINT
sda           8:0    1  7,5G  0 disk
|-sda1        8:1    1  7,5G  0 part /media/pi/D22D-0251
mmcblk0     179:0    0  7,4G  0 disk
|-mmcblk0p1 179:1    0 43,2M  0 part /boot
|-mmcblk0p2 179:2    0  7,4G  0 part /

Stecken Sie danach einen USB-Datenträger an den RasPi an, erscheinen dessen Daten automatisch unter /media/pi/Label (siehe Ausgabe von Lsblk). Allerdings gehören die Daten bei mit VFAT-formatierten Datenträgern dem Root-User, ein Standardbenutzer bekommt keinen Zugriff. Ergänzen Sie daher die Zeile FS_MOUNTOPTIONS="" in der Konfigurationsdatei /etc/usbmount/usbmount.conf des Dienstes um die Optionen aus Listing 2.

Listing 2

 

# Filesystem type specific mount options: This variable contains a space
# separated list of strings, each which the form "-fstype=TYPE,OPTIONS".
[...]
FS_MOUNTOPTIONS="-fstype=vfat,gid=users,dmask=0002,fmask=0113"

Danach installieren Sie den für die Freigaben verantwortlichen Samba-Dienst über die Paketverwaltung (Listing 3). Dabei sorgt oft der Punkt für Verwirrung, dass Samba über eine eigene Benutzerdatenbank verfügt, wobei ein Samba-User immer als lokaler Benutzer vorhanden sein muss.

Listing 3

 

$ sudo apt install samba
$ sudo smbpasswd -a pi
New SMB password:
Retype new SMB password:
Added user pi.
$ sudo net usershare add Musik /media/pi/D22D-0251/Musik "Musiksammlung" everyone:F guest_ok=n
$ sudo net usershare info --long
[Musik]
path=/media/pi/D22D-0251/Musik
comment=Musiksammlung
usershare_acl=Everyone:F,
guest_ok=n

Auf dem Raspberry Pi nutzen Sie daher besser gleich den Standardbenutzer pi und erstellen per Smbpasswd einen entsprechenden Samba-User. Beim Eingeben des Passworts erscheint Linux-typisch nichts auf dem Schirm – lassen Sie sich durch diesen Umstand nicht irritieren.

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