Die Option -e des Kommandos verbindet Mailadressen mit den Nutzern. In der kommerziellen Version stellt Benno sicher, dass jeder Anwender nur seine eigenen E-Mails sieht. Diese Einschränkung gibt es bei der Community-Edition nicht – hier kann jeder alle Nachrichten sehen.
Ob diese Einschränkung für den Familieneinsatz ein Ausschlusskriterium darstellt, muss jeder selbst entscheiden. Da es aber in Familien meist sowieso einen IT-affinen “Administrator” mit vollen Zugangsrechten gibt, sollte dieses Detail nicht allzu sehr einschränken. Im Zweifelsfall müssten Sie Benno einfach auf mehreren Kleinrechnern installieren.
Suche via Webfrontend
Die aufgeräumte Oberfläche von Benno-Web erlaubt es dem Anwender, zwischen einem einfachen Suchfeld (Abbildung 1) oder einer komplexen Suchmaske (Abbildung 2) umzuschalten. Die Suche selbst gestaltet sich rasend schnell. Die Treffer landen in der mittleren Spalte, eine Vorschau der Mails zeigt der rechte Teil der Webseite.
Darüber hinaus lassen sich komplexe Suchläufe speichern und fungieren dann quasi als virtuelle Ordner mit den Treffern. Die Nachrichten lassen sich wahlweise im Originalformat herunterladen oder auch einfach an eine E-Mail-Adresse senden.
Die Weboberfläche arbeitet responsiv, sie passt sich also dynamisch dem verfügbaren Platz auf dem Display an. Bei einem kleineren Browserfenster ändert sich das dreispaltige Layout zu einem zweispaltigen. Die Treffer erscheinen dann oben, die Vorschau der E-Mail unten. Auf Mobilgeräten mit noch weniger Bildschirmplatz bekommen die Suche, die Trefferliste und die Nachrichtenansicht jeweils ein eigenes Fenster. Dadurch lässt sich das System jederzeit optimal bedienen.
Das Archiv füllen
Zunächst gilt es aber, die Nachrichten aus dem Mailprogramm zu exportieren und in Benno zu importieren. Wie Ersteres funktioniert, hängt vom verwendeten Mailclient beziehungsweise vom Format ab, in dem dieser die Mails speichert. Den einfachen Import beleuchten wir aber zuerst.
Der Archiv-Daemon benno-archive überwacht das Verzeichnis /srv/benno/inbox/ auf neue Dateien mit der Endung .eml. Jede davon enthält eine Nachricht im normalen E-Mail-Transportformat, wie es jeder Mailer über die Leitung schickt. Neue Dateien im Verzeichnis indexiert der Daemon und verschiebt sie dann in komprimierter Form in ein Unterverzeichnis von /srv/benno/archive/repo/.
Damit die Software die Mails nicht schon liest und indiziert, bevor sie komplett in der Inbox vorliegen, empfiehlt Benno das in Listing 2 gezeigte Vorgehen. Dieser Ablauf kopiert die Mail zuerst mit einer anderen Endung in das Verzeichnis (erste Zeile). Der zweite Befehl erstellt einen Hardlink mit der korrekten Endung in dem Verzeichnis, das der Benno-Daemon überwacht. Der atomare Befehl kopiert keine Daten, Benno sieht also die komplette Datei auf einen Schlag. Der dritte Befehl löscht dann den ersten, temporären Namen der Datei.
Listing 2
$ cp mail.eml /srv/benno/inbox/mail.tmp $ ln /srv/benno/inbox/mail.tmp /srv/benno/inbox/mail.eml $ rm /srv/benno/inbox/mail.tmp
Die Performance auf dem RasPi 3 genügt in der Regel problemlos den Anforderungen des normalen E-Mail-Alltags. Die über 10 000 alten Mails des Autors mit einem Volumen von etwa 1,3 GByte archivierte das System in 105 Minuten – das entspricht knapp 100 Mails pro Minute. Auf dem System lag dabei die CPU-Auslastung nur bei 1,25. Im Alltag mit seinen deutlich geringeren Anforderungen lässt sich die entstehende Last vernachlässigen. Der Index umfasste nach der Archivierung 56 MByte, das Archiv der Mails selbst belegte 965 MByte.
Nach dem Archivieren fehlten ungefähr 50 Mails im Archiv: Es handelte sich um solche, die Benno während der Archivierung als Dubletten erkannte. Eine Mehrfachablage von Mails in mehreren Ordnern ist in einem Volltextarchiv nicht nötig. Benno dokumentiert identische Kopien während der Archivierung in seinem Logfile /var/log/benno/archive.log.
Vom Mailer zum Archiv
Für den Weg vom Mailprogramm zum Archiv kommt zum einen die Komplettarchivierung alter Mails infrage, die schon getrennt von den täglichen Mails vorliegen. Zum anderen bevorzugen einige Nutzer sicherlich das laufende Archivieren eingehender Mails.
An erster Stelle steht immer der Export der Mails in das von Benno benötigte Format. Mailer, die auf dem sogenannten Maildir-Format aufsetzen, bereiten die wenigsten Probleme. Hierzu zählen zum Beispiel KMail oder der Mailserver Dovecot. Dasselbe gilt für das MH-Format des schlanken Linux-Mailers Claws-Mail, den auch Raspbian in der Pixel-Installation schon mitbringt.







