Aus Raspberry Pi Geek 04/2017

(Open)Suse auf dem RasPi 3 (Seite 2)

Listing 2

 

# mount |grep mmc
/dev/mmcblk0p3 on / type btrfs (rw,noatime,compress=lzo,ssd,space_cache,subvolid=257,subvol=/@)
/dev/mmcblk0p2 on /boot type ext3 (rw,relatime,data=ordered)
/dev/mmcblk0p1 on /boot/efi type vfat (rw,relatime,fmask=0022,dmask=0022,codepage=437,iocharset=iso8859-1,shortname=mixed,errors=remount-ro)

OpenSuse auf dem RasPi 3

Obwohl SLES und OpenSuse Leap auf dem gleichen Quelltext basieren, gibt es doch einige Unterschiede, was sich nicht nur in den verschiedenen vorkonfektionierten Abbildern manifestiert. Für einen korrekten Vergleich müsste es eine Leap-Variation mit IceWM geben, der voreingestellten Variante für das Enterprise-ARM-Linux aus Nürnberg.

Auch auf der Kernel-Ebene finden sich kleine, aber feine Unterschiede. SLES verwendet seit Anfang 2017 Kernel 4.4.21-90, Leap dagegen die Version 4.4.36-8. Weitere Unterschiede zeigen sich auch beim Root-Dateisystem: Hier setzt der Community-Ableger interessanterweise auf Ext4. Alle Funktionen, die auf der Snapshot-Funktion von Btrfs beruhen, fallen damit mehr oder weniger weg. Das verwundert nicht zuletzt deswegen, weil Ext2/3/4 im Suse-Lager nie viele Freunde fand. Selbst Red Hat, ein langjähriger Befürworter und Förderer der Ext-Dateisystemfamilie, bevorzugt inzwischen XFS.

Der Installationsprozess gestaltet sich bei Leap etwas anders und wesentlich unspektakulärer als bei SLES. Schon das Beziehen der Software gelingt deutlich einfacher als bei SLES, es entfallen sowohl das Anmelden beim SCC als auch die Eingabe eines Aktivierungscodes für den späteren Zugriff auf Updates. OpenSuse kategorisiert die Distribution als Appliance. Das Bestücken der Micro-SD-Karte erfolgt analog zu SLES über das Kommando aus Listing 3.

Listing 3

 

# dd if=Image of=/dev/SD-Card bs=4M iflag=fullblock oflag=direct

Beim ersten Hochfahren nimmt das System ein paar kleine Änderungen vor, wie beispielsweise das Anpassen der Partitionstabelle und das Aktualisieren des Linker-Caches. Ohne jegliche Benutzereingaben steht das System kurze Zeit später zum Gebrauch bereit. Für den Benutzer root lautet das voreingestellte Passwort linux.

Generell fühlt sich Leap im Betrieb etwas flüssiger an als SLES. Ein fairer und objektiver Vergleich fällt aber schwer: Dafür müsste man Kernel, Software-Paketumfang und auch die Fundamente beider Linux-Varianten entsprechend anpassen.

Fazit

Es fällt nicht leicht, an dieser Stelle eine Empfehlung auszusprechen. Mit beiden Systemen lässt sich gut auf dem Raspberry Pi 3 arbeiten. Mit SLES holt man sich allerdings einen Hauch Enterprise auf den ARM-Zwerg. Das geht zwar auch in der x86-Welt, aber nur 60 Tage lang, bevor der Support erlischt. Die RasPi-Variante erlaubt da schon echte Langzeit-Tests.

Die Inbetriebnahme gestaltet sich bei Leap allerdings etwas schneller und einfacher, sowohl im Hinblick auf die Beschaffung der Software als auch auf deren Installation. Zudem ist die Zukunft von SLES auf dem Raspberry Pi momentan noch ungewiss. Doch noch sind die letzten Würfel nicht gefallen, und Suse bleibt reichlich Zeit, für weitere Überraschungen auf dem ARM-Winzling zu sorgen. 

Der Autor

Dr. Udo Seidel ist eigentlich Mathe/Physik-Lehrer und arbeitet seit 1996 mit Linux. Nach seiner Promotion engagierte er sich als Linux/Unix-Trainer, Systemadministrator und Senior Solution Engineer. Heute ist er Architekt und digitaler Evangelist bei der Amadeus Data Processing GmbH in Erding.

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