Professionelle Groupware-Lösungen benötigten bislang meist einen herkömmlichen Server. Doch der RasPi punktet auch in diesem Szenario, beachtet man einige Voraussetzungen.
Der RasPi erobert durch seine von Generation zu Generation wachsende Leistungsfähigkeit immer mehr Anwendungsbereiche, die bislang als Domäne ausgewachsener PCs und Server galten. Da der Mini-Computer in der vierten Generation endlich über mehr Arbeitsspeicher und ungebremstes Gigabit-Ethernet verfügt, eignet er sich allmählich auch als Server für schwergewichtigere webbasierte Dienste.
Mit NextcloudPi [1] und der Collabora Appliance auf dem RasPi 4 erhalten Sie eine komplette Lösung für das kollaborative Arbeiten in kleinen Abteilungen oder im Homeoffice mit mehreren Arbeitsplätzen. Das System bietet einen zentralen Datenspeicher, der sich einfach verwalten lässt, sowie die Möglichkeit, gemeinsam an Dokumenten und anderen Inhalten zu arbeiten.
Installation
Die auf Debian basierende Distribution NextcloudPi bringt eine integrierte Nextcloud-Umgebung mit. Sie laden das rund 890 MByte große TAR.BZ2-Archiv von der Projektseite herunter und entpacken es. Dabei entsteht eine etwa 3 GByte große IMG-Abbilddatei, die Sie mit Tools wie dem Raspberry Pi Imager oder dem Dd-Kommando auf eine Speicherkarte mit idealerweise mindestens 8 GByte Kapazität übertragen. Anschließend starten Sie Ihren Raspberry Pi von dieser Karte.
Nach einer kurzen Einrichtungsphase gelangen Sie an einen Prompt, an dem Sie sich mit dem Nutzernamen pi und dem Passwort raspberry anmelden. Da das System zu diesem Zeitpunkt noch das US-Tastaturlayout nutzt, müssen Sie beim Login für den Buchstaben “y” die Taste [Z] drücken.
Nun öffnen Sie den Konfigurationsassistenten, indem Sie am Prompt den Befehl sudo raspi-config eingeben. Im Assistenten stellen Sie die Lokalisierung zunächst über die Option Localisation Options des Auswahlmenüs auf Deutsch um. Anschließend richten Sie über die Option Network Options den WLAN-Zugang ein. Im Falle einer LAN-Anbindung bezieht das System in der Regel über den in den Router integrierten DHCP-Server eine IP-Adresse.
Nach der Konfiguration des Netzwerkzugangs empfiehlt es sich, im Hauptmenü über den Eintrag Change User Password das Nutzerpasswort zu ändern. Danach beenden Sie den Assistenten durch Auswahl der Option Finish und geben am Prompt den Befehl reboot ein. Der Raspberry Pi startet dadurch neu, und das System aktiviert automatisch den Netzwerkzugang.
Im letzten Schritt der Erstkonfiguration bringen Sie die komplette NextcloudPi-Installation auf den aktuellen Stand. Dazu geben Sie am Prompt das Kommando sudo ncp-update ein. Die Routine lädt die neuesten Updates herunter und installiert sie ohne weitere Interaktion. Dieser Vorgang nimmt meist eine längere Zeit in Anspruch.
Microsoft aussperren
Im Februar 2021 wurde bekannt, dass die Entwickler von Raspberry Pi OS ohne Wissen der Anwender ein Microsoft-Repository in das offizielle Betriebssystem für den Raspberry Pi integriert haben [4]. Das führt nicht nur dazu, dass Microsoft bei jedem apt update Daten über das System erhält, sondern erlaubt dem Software-Riesen auch, über Aktualisierungen beliebige Software auf dem RasPi zu installieren. Dieses wenig vertrauenerweckende Verhalten rief schnell argwöhnische Stimmen auf den Plan. Die Raspberry Pi Foundation hinderte im offiziellen Raspberry-Pi-Forum jedoch durch Sperren der aufkommenden Diskussion kritische Benutzer an der Artikulation ihrer Bedenken.
Auch die Paketquellen von NextcloudPi enthalten das fragliche Repository. Benötigen Sie keine Software von Microsoft auf Ihrem Raspberry Pi und wünschen Sie keine Integration des Repositorys oder anderer Programme des Anbieters aus Redmond, öffnen Sie zunächst mit einem Editor auf dem NextcloudPi-System die Datei /etc/hosts und tragen dort die Zeile 0.0.0.0 packages.microsoft.com ein.
Da das VSCode-Repository von Microsoft mithilfe des Pakets raspberrypi-sys-mods installiert wurde, sorgen Sie anschließend mit dem Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 dafür, dass keine weiteren Updates über dieses Paket in Ihr System einfließen. Außerdem löschen Sie den Microsoft-GPG-Schlüssel (Zeile 2). Um die Nachinstallation eines neuen Schlüssels zu verhindern, erzeugen Sie eine Dummy-Schlüsseldatei (Zeile 3) und versehen sie mit einem Schreibschutz (Zeile 4), den Sie noch prüfen (Zeile 5). Danach lassen sich weder Updates für das Microsoft-Repository noch weitere Applikationen von Microsoft mehr in das System integrieren.
Listing 1
Microsoft aussperren
$ sudo apt-mark hold raspberrypi-sys-mods $ sudo rm -vf /etc/apt/trusted.gpg.d/microsoft.gpg $ sudo touch /etc/apt/trusted.gpg.d/microsoft.gpg $ sudo chattr +i /etc/apt/trusted.gpg.d/microsoft.gpg $ lsattr /etc/apt/trusted.gpg.d/microsoft.gpg
Erster Start
Nach der Aktualisierung von NextcloudPi rufen Sie dessen Seite für die Systemkonfiguration von einem anderen Computer im LAN auf, indem Sie im Webbrowser die URL https://nextcloudpi.local:4443 eingeben. Daraufhin öffnet sich der Aktivierungsbildschirm, in dem Sie sich als Nutzer ncp mit dem vorgegebenen Passwort einloggen.
Als Erstes sollten Sie diese lokale Webseite jedoch durch einen Klick auf den Button Print unten in Fenstermitte als PDF-Datei sichern, da Sie die angegebenen Zufallspasswörter im späteren Verlauf noch benötigen. Anschließend klicken Sie auf Activate. Nun loggen Sie sich erneut als ncp ein und verwenden dazu das erste Zufallspasswort. NextcloudPi öffnet anschließend den Ersteinrichtungsassistenten (Abbildung 1).
Ein Klick auf Ausführen leitet Sie in zwei kurzen Dialogen durch die Konfiguration einer Zugriffsmöglichkeit auf den NextcloudPi-Server aus dem Internet heraus und zur Einbindung von USB-Wechselmedien zum Speichern von Nutzerdaten. Möchten Sie diese Konfiguration nicht vornehmen oder benötigen Sie keinen Zugriff auf den Server aus dem Internet, klicken Sie auf Überspringen. Danach öffnet sich die für die Systemkonfiguration gedachte Verwaltungsoberfläche von Nextcloud.
Das Webfrontend organisiert in einer vertikalen Leiste verschiedene Konfigurationsgruppen, deren einzelne Einstellungsoptionen rechts im Fenster erscheinen. In diesen Dialogen konfigurieren Sie Optionen zur Speicherverwaltung, zu den aktivierten Diensten wie NFS, Samba und SSH sowie zur genutzten Netzanbindung.







