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Aus Raspberry Pi Geek 04/2017

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Dynamischer Scheduler Fcron 3.2.1, kompakter IRC-Server Ngircd 23, flexibler Port-Forwarder Tgcd 1.1.1, Verschlüsselungsassistent Tomb 2.3.

Zeitschaltuhr

Die Cron-Alternative Fcron 3.2.1 lehnt sich in Bezug auf Bedienung und Konfiguration an das Original an.

Auf Linux-Systemen koordiniert der Scheduler Cron wiederkehrende Aufgaben. Dabei berücksichtigt er aber nicht, dass manche Systeme nicht kontinuierlich laufen. Viele Distributionen kombinieren deshalb Cron mit dem Tool Anacron. Hier setzt Fcron an und empfiehlt sich als Ersatz auf Notebooks und Desktop-Rechnern. Um den Einstieg zu erleichtern, lehnt sich der Aufbau der Datei fcrontab an die klassische Struktur an, Sie tragen Jobs also in gewohnter Weise ein.

Im Raspbian-Repository findet sich Fcron allerdings nicht, Sie müssen es aus den Quellen kompilieren. Erfreulicherweise hat die Software keine Abhängigkeiten. Für seine Aufgaben benötigt das Tool jedoch einen aktiven Log-Dienst wie Syslog oder Rsyslog sowie einen Mailserver. Einmal gestartet, agiert das Programm als Dienst im Hintergrund. Im Verzeichnis scripts/ des Quellarchivs finden Sie Skripte für die Integration in SysV-Init und Systemd.

Im Gegensatz zu Cron versucht Fcron den Bedarf an Systemressourcen beim Booten zu senken, indem es mit dem Abarbeiten der Scheduler-Tabelle nach dem Start noch 20 Sekunden wartet. Diese Zeitspanne passen Sie bei Bedarf über den Parameter --firstsleep an. Mit weiteren Parametern legen Sie das Verzeichnis für die Job-Warteschlange fest oder deaktivieren die Protokollierung durch Syslog. Suchen Sie nach Fehlern im Ablauf, starten Sie Fcron mittels -f im Vordergrund und leiten mit -d die Ausgabe von Fehlern nach STDERR um.

Mit dem Zusatz-Tool Fcrondyn, das Sie bei der Installation ebenfalls erzeugen, steuern Sie den Daemon zur Laufzeit. Das Tool ermöglicht das Ändern der Nice-Werte für einzelne Jobs und beeinflusst so deren Verbrauch an Ressourcen. Außerdem besteht die Möglichkeit, den Start eines Jobs vorzuziehen oder einen laufenden Job zu beenden. Fcrondyn zeigt auf Wunsch eine Übersicht aller Jobs des jeweiligen Nutzers sowie detaillierte Informationen zu jedem Job.

Neue Aufgaben tragen Sie mit dem Befehl fcrontab -e in gewohnter Syntax in die Konfiguration ein. Das Tool öffnet dazu einen Editor. Den Start eines Jobs lässt sich über Datum und Zeit, Zeitintervalle sowie abhängig von der Laufzeit des Systems festlegen. Sie dürfen außerdem die Jobs mit einem individuellen Nice-Wert versehen, um die Last auf schwachbrüstigen Systemen besser zu steuern. Daneben bietet Fcron die Möglichkeit, Kürzel und Schlüsselworte für verschiedene Konfigurationen zu hinterlegen, was die Konfiguration erleichtert.

Fcron 3.2.1

★★★★

Lizenz: GPLv3

Quelle: http://fcron.free.fr

Smalltalk

Mit dem kompakten Ngircd 23 setzen Sie in wenigen Minuten einen kompakten, maßgeschneiderten IRC-Server auf.

Im Gegensatz zu vielen anderen Entwicklungen handelt es sich beim Next Generation IRC Server, kurz Ngircd, nicht um einen Fork einer bestehenden Software, sondern um ein von Grund auf neu geschriebenes Programm. Das portable Tool für kleine bis mittelgroße Netzwerke soll nicht zuletzt Ressourcen schonen und unterstützt daher nicht alle bekannten IRC-Befehle, sondern nur die wesentlichen. Dafür entschädigt es mit einer übersichtlichen, gut kommentierten Konfigurationsdatei, die das schnelle Einrichten erlaubt.

Die Konfiguration teilt sich in sechs Bereiche: In [Global] stehen allgemeine Einstellungen, wie Server-Namen und die Schnittstellen, auf denen die Software eingehende Verbindungen erwartet. Zudem legen tragen Sie hier die Benutzerrechte ein, mit denen die Ngircd nach dem Start arbeitet, sowie die Mail-Adresse des Admins. Im Bereich [Limits] passen Sie den Ressourcenbedarf sowie die Reaktionen des Servers an. Neben Timeouts für Ping- und Pong-Pakete setzen Sie hier eine Obergrenze für die Anzahl der Verbindungen sowie die Zahl der Connections, die Nutzer parallel öffnen dürfen. Zudem begrenzen Sie an dieser Stelle die Länge des Nicknamens und die Anzahl der gleichzeitig geöffneten Channels pro Nutzer.

Die Einstellungen im Bereich [Options] beeinflussen hingegen die Arbeit des Servers. Neben IPv4- und IPv6-Nutzung legen Sie hier die Chroot-Einstellungen fest, aktivieren DNS- oder Ident-Lookup und richten die Authentifizierung via PAM ein. Für die sichere Kommunikation zeichnet der Bereich [SSL] zuständig: Neben Zertifikat- und Schlüsseldateien geben Sie hier die zu verwendenden Algorithmen an.

Die Bereiche [Operator], [Server] und [Channel] dürfen mehrfach vorkommen. Unter [Operator] legen Sie die Zugänge für die Channel-Verwalter an und hinterlegen Passwörter im Klartext. Die [Server]-Bereiche enthalten die Parameter für den Austausch mit anderen IRC-Servern. Neben dem Full Qualified Domain Name des Remote-Server hinterlegen Sie hier das Passwort für die Verbindung, wieder als Klartext. Zu guter Letzt geben Sie in [Channel] an, welche Chat-Räume nach dem Start bereitstehen. Dabei dürfen Sie den Zugang mit einem Passwort versehen und die Anzahl der Teilnehmer pro Channel begrenzen. Haben Sie die Konfiguration abgeschlossen, prüfen Sie diese mit dem Parameter -t auf Syntaxfehler.

Ngircd 23

★★★

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://ngircd.barton.de

Tunnelbauer

Mit Tgcd 1.1.1 schaffen Sie einen zentralen Zugangspunkt von außen auf das eigene Netz oder verbinden die Dienste zweier LANs.

Möchten Sie von außen auf einen lokalen Dienst zugreifen, blockiert in der Regel eine Firewall den Zugang. Dürfen Sie diese nicht verändern, bleibt nur das Umleiten der Pakete über einen Port, den diese durchlässt. Hier hilft der TCP Gender Changer Daemon, kurz Tgcd. Das Tool stellt drei unterschiedliche Betriebsarten bereit, um Verbindungen umzubiegen: Es unterscheidet zwischen einer schlichten Port-Weiterleitung und, je nach Flussrichtung der Daten, den Modi ListenListen oder ConnectConnect.

Zum Einrichten einer Port-Weiterleitung rufen Sie das Programm auf der Zielseite mit dem Parameter -F auf. Mit -p und -s geben Sie dabei den Port an, auf dem Tgcd eingehende Verbindungen erwartet, und den Server, an den dieser die Daten weiterreicht. Dabei definieren Sie den Server mit IP-Adresse und Port.

Die Konfiguration der Verbindungsumleitung mit ConnectConnect und ListenListen fällt etwas umfangreicher aus: Im Zielnetzwerk rufen Sie Tgcd im Modus ConnectConnect auf. Für die IP-Adresse und den Port nutzen Sie den Parameter -s. Außerdem übergeben Sie mit -c IP-Adresse und Port des entfernten Systems. Dort starten Sie die Software im Modus ListenListen. Hier benötigt Tgcd beim Aufruf lediglich den Port, auf dem Verbindungen es erreichen. Um den Inhalt vor neugierigen Augen zu schützen, legen Sie mit dem Parameter -k einen Schlüsselwert aus dem Intervall 1 bis 255 für ein rudimentäres Chiffrieren fest. Dabei handelt die Software den Wert zwischen Quelle und Ziel nicht automatisch aus. Das Verfahren setzt voraus, dass Sie den identischen Wert manuell beim Start angeben.

Mit Tgcd verbinden Sie problemlos größere Netze. Möchten Sie mehrere Verbindungen über das Tool abwickeln, geben Sie mit dem Parameter --method vor, wie es diese intern verwaltet. Zur Auswahl stehen die Modi fork und select. Ersterer besticht durch Geschwindigkeit, erkauft diese jedoch mit großem RAM-Bedarf. Der standardmäßig aktive Modus select benötigt relativ wenig Arbeitsspeicher, bringt aber weniger Performance.

In der Regel arbeitet Tgcd als Prozess im Hintergrund. Um die Arbeitsweise des Tools im Auge zu behalten, aktivieren Sie mit den Parametern -l und -g das Logging und passen es entsprechend an.

Tgcd 1.1.1

★★★

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://sourceforge.net/projects/tgcd/

Datengrab

Mit Tomb 2.3 erzeugen Sie in wenigen Schritten verschlüsselte Container. Einige Schritte dabei erfordern jedoch administrative Rechte.

Viele Anwender scheuen das Verschlüsseln aufgrund der vermeintlichen Komplexität. Hier setzt das Konsolenprogramm Tomb an: Es unterstützt Sie beim Anlegen von entsprechenden Containern und vereinfacht deren Einsatz. Als Wrapper-Skript greift die Software dabei auf bewährte Tools zurück und erfindet das Rad nicht neu. Das Anlegen der Containern erfolgt im Hintergrund mit Dd, das Verschlüsseln übernimmt Cryptsetup. Außerdem benötigt Tomb die Z-Shell, andernfalls verweigert es den Dienst.

Sind die Abhängigkeiten erfüllt, gelangen Sie in drei Schritten zum Container: Zunächst erzeugen Sie mit dem Befehl tomb dig eine Container-Datei. Der Parameter -s definiert deren Größe, die mindestens 20 MByte betragen muss. Anschließend generieren Sie mit dem Unterbefehl forge eine Schlüsseldatei, die das Passwort zum Verschlüsseln aufnimmt. Das Erzeugen des Schlüssels dauert unter Umständen einige Minuten. Im letzten Schritt initialisieren Sie den erzeugten Container mittels lock unter Angabe der Dateien für Schlüssel und Container und verschließen diesen mit dem Schlüssel.

Mit dem Befehl open binden Sie den Container ins Dateisystem ein, wobei Sie mit dem Parameter -o Mount-Optionen festlegen. Die geöffneten Container hängt das Programm im Verzeichnis /media unter dem jeweiligen Containernamen ein. Ein Übersicht aller geöffneten Container bietet der Befehl list. Mittels close oder slam schließen Sie geöffnete Container wieder. Während close prüft, ob keine Zugriffe mehr auf die Datei erfolgen, riegelt slam diese einfach ab. Prozesse, die noch auf den Inhalt zugreifen, beendet das Programm dabei mit dem Signal KILL.

Haben Sie viele Container im Einsatz, suchen Sie mit search nach einem bestimmten. Das Tool zeigt alle offenen Container und solche, die Sie vorher mit dem Befehl index erfasst haben. Eine Übersicht aller Optionen sowie einige Beispiele finden Sie in der Manpage. Diese gibt darüber hinaus Tipps, wie Sie nachträglich die Containergröße ändern. (agr)

Tomb 2.3

★★★★

Lizenz: GPLv3

Quelle: https://www.dyne.org/software/Tomb/

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