Aus Raspberry Pi Geek 04/2015

Neue Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Log Navigation 0.7.3 erleichtert durch Farben die Orientierung in Log-Files, Netrw 1.3.2 schubst serverlos Daten übers Netz, Tinyproxy 1.8.3 bietet eine schlanke Proxy-Alternative, Vnstat 1.14 erfasst den Datendurchsatz im Netzwerk.

Protokollführer

Log Navigation 0.7.3 bringt Farbe in Protokolldateien und hebt so die essenziellen Informationen hervor.

Viele Programme übergeben Informationen zum Status sowie Fehlermeldungen an den Syslog-Dienst. Dieser verwaltet die Meldungen und bietet eine zentrale Anlaufstelle für die Analyse. Bei der Suche nach einem Fehler geht auf intensiv genutzten Systemen leicht der Überblick verloren. Das Tool Log Navigation, kurz Lnav, geht Ihnen hier zur Hand: Es bereitet die Anzeige optisch auf und erleichtert so die Orientierung. Dazu setzt Lnav besonders relevante Einträge wie Fehlermeldungen oder Warnung farblich ab, sodass diese sofort ins Auge fallen.

Während Warnungen in gelber Schrift erscheinen, leuchten Fehlermeldungen in einem kräftigen Rot. Bei rein informativen Einträgen markiert die Software nur die relevanten Eckdaten, wie etwa Hostname, Dienst und IP-Adresse. Mit dem Befehl highlight geben Sie bei Bedarf Muster vor, um andere Zeichenketten farblich abzusetzen. Die Farben gibt Lnav im ersten Anlauf vor, wobei es bis zu 256 Farben unterstützt. Möchten Sie nur bestimmte Einträge sehen, reduzieren Sie die angezeigten Zeilen mit den Befehlen filter-in und filter-out. Das Tool bietet einen SQL-Modus, den Sie über [Umschalt]+[.] erreichen. Hier haben Sie die Möglichkeit, die Ausgabe mit SQL-Statements zu filtern. Im Hintergrund nutzt die Software dabei die Virtual-Table-Funktion von Sqlite3, um aus der jeweiligen Protokolldatei einfache Tabellen zu erzeugen. Weitere Befehle ermöglichen das Umleiten der Ausgabe via Pipe in ein anderes Programm oder das Speichern als CSV-Datei. Neuere Versionen legen die Daten im JSON-Format ab.

Eine Übersicht aller Befehle und Funktionen inklusive einiger Beispiele steht über die Hilfe bereit, die Sie über [Umschalt]+[ß] aufrufen. Die Tastenkürzel des Tools orientieren sich an bewährten Standards: So leiten Sie mit / eine Mustersuche ein, während : in den Befehlsmodus führt. Das Programm findet sich nicht im Raspbian-Repository, Sie müssen es aus den Quellen selbst bauen.

Log Navigation 0.7.3

★★★

Lizenz: BSD

Quelle: https://github.com/tstack/lnav

Datenschubser

Netrw 1.3.2 bietet alle wesentlichen Funktionen für das spontane Übertragen von Daten in Ad-hoc-Netzen.

Der Austausch von Dateien zwischen zwei Rechnern setzt in der Regel voraus, dass auf einem der Systeme ein Server-Dienst wie Samba, FTP oder wenigstens SSH läuft. Möchten Sie ohne Aufwand nur mal eben eine Datei übertragen, ist das Tool Netrw das Richtige für Sie. Das Paket umfasst die beiden Binaries netread und netwrite, die sich dank Konfiguration mittels Parameterübergabe beim Aufruf einfach handhaben lassen. Eine grundlegende Konfiguration ist nicht notwendig, Sie dürfen sofort loslegen. Standardmäßig verwenden die Tools das TCP-Protokoll zum Übertragen der Daten; durch Angabe des Parameters udp wechseln Sie das Protokoll.

Auf der Empfängerseite starten Sie Netread, dem Sie beim Aufruf den Port übergeben, an dem es auf eingehende Verbindungen warten soll. Mit dem Parameter -o legen Sie fest, in welche Datei das Tool die eingehenden Daten schreibt. Um zu prüfen, ob die empfangenen Daten korrekt sind, ermittelt Netread deren Prüfsumme. Mit dem Parameter -C legen Sie den entsprechenden Algorithmus fest – standardmäßig kommt SHA1 zum Einsatz – oder deaktivieren das Prüfen vollständig.

 

Ist der Empfänger bereit, starten Sie auf der Senderseite den Transfer mit Netwrite, dem Sie beim Aufruf neben der zu übertragenden Datei noch die IP-Adresse des Ziels mitgeben. Die Aktion setzt voraus, dass beide Seiten dasselbe Übertragungsprotokoll und dasselbe Verfahren für die Prüfsummen nutzen. Möchten Sie den Verlauf der Übertragung genau im Auge behalten, dann aktivieren Sie mit den Parametern -h oder -H die Fortschrittsanzeige in Kilo- oder Megabyte-Schritten. Netrw liegt als gleichnamiges Paket im Raspbian-Repository zur Installation bereit.

Netrw 1.3.2

★★★

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://mamuti.net/netrw/index.en.html

Zwischenspeicher

Für kleine und mittlere Netzwerke eignet sich das schlanke Tinyproxy 1.8.3 hervorragend als Proxy-Alternative.

In kleinen Netzwerken erweisen sich die großen Proxy-Lösungen wie Squid oder Delegate oft als zu komplex in Betrieb und Wartung. Hier genügen schlanke Derivate wie Tinyproxy den Ansprüchen völlig und bieten die wichtigsten Funktionen, ohne die Systemressourcen zu belasten. Die Konfiguration von Tinyproxy erfolgt über eine Datei, die in Aufbau und Struktur der Konfiguration von Apache, Lighttpd oder Squid ähnelt. Das Programmarchiv enthält ein gut kommentiertes Beispiel, das sich ideal als Grundlage für eigene Anpassungen eignet.

In der Standardkonfiguration startet Tinyproxy mit dem unprivilegierten Benutzerkonto nobody und lauscht an Port 8888 auf allen Schnittstellen. Port und Schnittstellen passen Sie nach Ihrem Gusto an. Möchten Sie das Programm als Gateway nutzen, lässt sich der ein- und ausgehende Datenverkehr auf unterschiedliche Schnittstellen verteilen. Standardmäßig trennt der Proxy Verbindungen, die länger als zehn Minuten inaktiv bleiben. Darüber hinaus erlaubt er die Konfiguration eigener Seiten für Statistiken oder die Fehleranzeige. Dabei dürfen Sie für jeden Fehlercode eine eigene Page definieren.

Um den Ressourcenverbrauch einzugrenzen, legen Sie über Parameter wie MaxClients, StartServers, MinSpareServers und MaxSpareServers die Anzahl der zugreifenden Clients sowie der Prozesse fest. Darüber hinaus steuern Sie mit sogenannten Upstream-Regeln den Zugriff auf bestimmte Webseiten oder Netzbereiche. Das erlaubt, den Zugriff auf manche Seite durch den Proxy umzuleiten, während die Clients andere Seiten direkt erreichen. Dabei greift immer die letzte zutreffende Regel.

Weitere Parameter erlauben, bestimmte im HTTP-Header enthaltene Informationen zu unterdrücken. Einen besonderen Komfort bietet der Einsatz als Reverse-Proxy: Dazu geben Sie in der Konfiguration über ReversePath für bestimmte Webseiten vor, dass diese als Unterseite des Servers bereitstehen – ideal, um in kleinen Netzen Seiten mit komplexen URLs einfach bereitzustellen. Die aktuelle Tinyproxy-Version findet sich bereits im Raspian-Repository, sodass die Installation schnell von der Hand geht. Die Konfiguration ist übersichtlich, gut dokumentiert und bietet sinnvolle Standardeinstellungen, die Sie bei Bedarf einfach anpassen.

Tinyproxy 1.8.3

★★★★

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://banu.com/tinyproxy/

Netzstatistiker

Vnstat 1.14 bereitet Kennzahlen zum aktuellen Datendurchsatz im Netzwerk auf und macht so auf Anomalien aufmerksam.

Wandern die Daten nur stockend zum Zielsystem, lohnt es, den genauen Durchsatz zu ermitteln. Dabei greift Vnstat im Gegensatz zu anderen Monitoring-Programmen direkt auf die vom Kernel bereitgestellten Daten zurück, statt den eigentlichen Datenverkehr zu beobachten. Es greift diese in den Unterverzeichnissen des Proc- und Sys-Dateisystems ab und verwaltet sie in einer eigenen Struktur im Ordner /var/lib/vnstat/. Dabei legt es für jede vorhandene Netzwerkschnittstelle eine eigene Datei an. Damit die Datenbank jederzeit aktuell bleibt, sollten Sie Vnstat in regelmäßigen Abständen mit dem Parameter -u und dem Namen einer Schnittstelle aufrufen. Über einen Cronjob lässt sich dieser Vorgang automatisieren. Mit Vnstatd existiert zusätzlich ein Daemon, der – einmal gestartet – permanent im Hintergrund Daten sammelt. Ein entsprechendes Startskript findet sich im Programmpaket.

Die Konfiguration der Software erfolgt über die Datei /etc/vnstat. Als Anwender verwalten Sie bei Bedarf eine individuelle Konfiguration ~/.vnstatrc in Ihrem Benutzerverzeichnis. Die Konfiguration enthält alle relevanten Einstellungen wie die auszuwertenden Schnittstellen oder die Intervalle beim Auswerten. Auf Wunsch stellt Vnstat die ermittelten Daten zu stündlichen, täglichen oder monatlichen Berichten zusammen. Dabei besteht die Möglichkeit, das Layout der Ausgabe über die Konfigurationsdatei anzupassen. Das Hilfsprogramm Vnstati erzeugt den Bericht als Grafik, die Sie via Skript in eine Webseite einbinden können; ein entsprechendes Beispiel findet sich im Programmarchiv.

Alle Einstellungen geben Sie bei Bedarf als Parameter auf der Kommandozeile vor. Um einen schnellen Blick auf den Durchsatz zu werfen, starten Sie Vnstat mit dem Parameter -l im Live-Modus: Es gibt dann die Anzahl der übertragenen Bits als Statuszeile aus. Eine ausführliche Übersicht aller Parameter und Konfigurationsoptionen finden Sie in den Manpages und auf der Webseite des Projekts. Das Tool benötigt zum Ausführen keine Root-Rechte und liegt im Raspbian-Repository zur Installation bereit; lediglich neueste Versionen müssen Sie selbst kompilieren. Diese bieten Funktionen wie eine JSON-Unterstützung und verwenden ein neues Format für die Datenbank. (agr)

Vnstat 1.14

★★★★

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://humdi.net/vnstat/

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