Aus Raspberry Pi Geek 10/2020

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Videos einfach herunterladen mit Annie 0.10.2, Dienste mit HTTPS nachrüsten via Hitch 1.6.0, Logdateien optisch aufbereiten mit Salomon 1.16.2, Dashboard für die Konsole mit Wtf 0.30.0.

Videoarchivar

Mit Annie 0.10.2 laden Sie Videos von verschiedensten Plattformen herunter.

Multimedia-Plattformen wie Youtube stellen die Beiträge als Stream bereit. Wer sie offline schauen möchte, lädt sie herunter. Hier kommt das in Go geschriebene Annie ins Spiel, das den Download von diversen Plattformen ermöglicht. Da die Software im Raspbian-Repository fehlt, greifen Sie auf das ARMv6-Binärpaket im Github-Repository zurück. Außer zu Ffmpeg besitzt das Programm keinerlei Abhängigkeiten zu anderen Tools. Annie legt die Streams für Video und Audio zunächst in getrennten Dateien ab und fügt sie erst nach dem erfolgreichen Download mittels Ffmpeg zu einem Video zusammen. Da Plattformen unterschiedliche Techniken verwenden, um die Video-Links zu integrieren, kommt Annie nicht mit jedem Portal zurecht. Eine Übersicht aller unterstützten Plattformen finden Sie im Github-Repository. Mit dem Parameter -h aufgerufen, zeigt Annie eine rudimentäre Online-Hilfe an. Weitere Informationen und Beispiele finden Sie ebenfalls auf Github.

Um schnell ein Video herunterzuladen, übergeben Sie Annie beim Aufruf dessen URL. Es erscheint eine übersichtliche Ausgabe, die URL, Titel und Typ des Mediums, dessen Größe sowie die Qualität enthält. Ein simpler Fortschrittsbalken zeigt den Verlauf der Übertragung an. Standardmäßig legt das Programm die Datei unter ihrem Online-Namen ab, mit -O geben Sie einen anderen Namen vor. Bei Bedarf geben Sie mehrere URLs auf einmal an, die Annie in bis zu zehn parallelen Threads herunterlädt. Mit -n passen Sie diesen Wert an, mit -F übergeben Sie eine Datei mit der Liste der URLs. Bricht die Übertragung ab, versucht das Tool zehnmal einen Neustart. Auf Wunsch lagert es den Download auf einen Aria2-Server aus. In diesem Fall liegt es an Ihnen, die Video- und Audiodateien selbst zusammenzufügen.

Annie 0.10.2

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/iawia002/annie

Vermittlungsstelle

Der TLS-Proxy Hitch 1.6.0 vermittelt Verbindungen über HTTPS.

HTTPS dient heute als Standardprotokoll, um verschlüsselt auf Webseiten oder andere Dienste zuzugreifen. Während aktuelle Webbrowser damit kein Problem haben, unterstützen viele ältere Programme oder kleine Basteleien HTTPS beziehungsweise TLS noch nicht. Hier schafft Hitch Abhilfe. Der TLS-Proxy wurde ursprünglich für den HTTP-Beschleuniger Varnish entwickelt, eignet sich aber auch für andere Programme. Eine ältere Version der Software ist bereits im Raspbian-Repository enthalten. Wer jedoch aktuelle Algorithmen benötigt, muss die Version aus den Quellen kompilieren. Sie konfigurieren die Software beim Aufruf über Parameter oder verwenden eine Konfigurationsdatei, die Sie beim Aufruf angeben. Ein entsprechendes Beispiel findet sich im Quellarchiv.

In der Konfiguration legen Sie über frontend fest, auf welcher Schnittstelle und welchem Port das Tool eingehende Verbindungen annimmt. An welche IP-Adresse und welchen Port das Tool die eingehenden Verbindungen weiterleitet, hinterlegen Sie in backend. Mit workers geben Sie die Anzahl der genutzten Prozessorkerne vor. Setzen Sie den Parameter daemon, arbeitet Hitch permanent als Dienst. Zertifikat und privaten Schlüssel geben Sie über pem-file und private-key an. In der aktuellen Version unterstützt die Software ohne Zutun nur die neuen TLS-Standards 1.2 und 1.3. Um ältere Standards zu verwenden, geben Sie diese explizit mit dem Parameter tls-proto an. Das geht aber zulasten der Sicherheit. Damit Verbindungen selbst bei längerer Inaktivität zwischen Client und Server bestehen bleiben, unterstützt das Tool den regelmäßigen Versand von Keepalive-Paketen. Die entsprechenden Zeitintervalle setzen Sie mit dem gleichnamigen Parameter in der Konfiguration.

Die fertige Konfigurationsdatei testen Sie vor dem eigentlichen Einsatz mit dem Schalter -t auf syntaktische Fehler. Bei Bedarf überschreiben Sie Einstellungen durch Optionen beim Aufruf. Eine Beschreibung aller Parameter finden Sie in der Manpage. Das Github-Repository stellt außerdem ein Wiki bereit.

Hitch 1.6.0

 

Lizenz: BSD License

Quelle: https://hitch-tls.org

Analytiker

Mit Salomon 1.16.2 werten Sie Protokolldateien stressfrei aus.

Bei Problemen mit einem Programm dienen die zugehörige Logdatei oder das systemweite Logging als erste Anlaufstelle. Die Unübersichtlichkeit der meisten Formate macht die Aufgabe aber nicht einfach. Hier hilft Salomon, das den Inhalt textbasierter Protokolldateien analysiert und für die Ausgabe aufbereitet. Es fehlt zwar im Raspbian-Repository, doch die Installation des Shell-Tools via Github geht schnell von der Hand. Dort finden Sie eine einfache Dokumentation und ein Wiki, die bei der Konfiguration helfen.

Die Konfiguration erledigen Sie entweder über Aufrufparameter oder setzen mit dem Schalter --dialog die Parameter interaktiv in einer Ncurses-Oberfläche. Um die Optik zu verändern, definieren Sie in einer Datei ein Farbschema, das Quellarchiv enthält ein Beispiel dazu. Mit --filter und --exclude reduzieren Sie die Ausgabe auf die relevanten Daten. Um beim Filtern die Schreibweise zu ignorieren, geben Sie dem Tool den Schalter --ignore-case mit. Mit --tail beschränken Sie die Auswertung auf eine bestimmte Anzahl Zeilen am Ende einer Logdatei. Das oder die auszuwertenden Logs geben Sie beim Aufruf mit dem Parameter --input an. Auf Wunsch fasst Salomon die Ausgabe mit --merge zusammen.

Mit dem Parameter -a unterstützt das Tool zwei Verarbeitungsmodi: Im Analyze-Modus wertet es alle Daten einer Datei aus, gibt diese aus und beendet sich anschließend. Der Monitor-Modus für die fortlaufende Analyse unterstützt dieselben Parameter wie der Analyze-Modus, beendet sich jedoch nach der Ausgabe nicht, sondern wertet neue Einträge sofort aus.

Salomon 1.16.2

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/urbanware-org/salomon

Armaturenbrett

Mit Wtf 0.30.0 stellen Sie ein Dashboard für die Konsole zusammen.

Webbasierte Dashboards kommen oft zum Einsatz, um Informationen über ein oder mehrere Systeme übersichtlich anzuzeigen. Mit Wtf gibt es eine Software für den Einsatz in der Konsole, für die Sie weder Webserver noch Datenbank benötigen. Dank des geringen Ressourcenbedarfs eignet sich das Tool auch für den Einsatz via SSH. Da Wtf nicht im Raspbian-Repository enthalten ist, greifen Sie auf das Binärpaket für ARMv6-Prozessoren im Github-Repository zurück. Dort finden Sie unter anderem Links zur Installation sowie eine einfache Dokumentation. Das Paket enthält lediglich die ausführbare Datei wtfutil und ein kurzes README.

Beim ersten Aufruf legt Wtf seine Konfiguration unter ~/.config/wtf/ ab. Alternative Konfigurationsdateien geben Sie mit -c beim Aufruf an. Die Konfiguration im YAML-Format gliedert sich in drei Bereiche: Unter Farben geben Sie die Farben für die Anzeige vor, der Netz-Bereich bestimmt die Aufteilung der Anzeige. Es folgt der Modul-Bereich, in dem Sie festlegen, welche Informationen das Dashboard zeigt.

Die Standardkonfiguration enthält Module wie Uhrzeit, IP-Info, die Ausgabe der Konfiguration sowie die Laufzeit des Systems. Die Wtf-Dokumentation liefert Beispiele für über 50 weitere Module. Das Sortiment umfasst sowohl spezielle Exemplare für Docker, Git, Github und Gitlab, Jira, Pi-hole, Spotify oder Twitter als auch generische Module wie Textfile oder Cmdrunner, mit denen Sie Dateien im Dashboard ausgeben oder die Ausgabe von Befehlen einbinden. (agr/jlu)

Wtf 0.30.0

 

Lizenz: Mozilla Public License

Quelle: https://github.com/senorprogrammer/wtf

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