Aus Raspberry Pi Geek 10/2022

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Hl 0.11.2 bereitet JSON-Logs auf, Cloud-Synchronisierer Rclone 1.58.1, SSH-Honeypot Sshesame 0.0.25, kompakter Konsolen-Dateimanager Nnn 4.5.

Lesehilfe

Mit Hl 0.11.2 bereiten Sie JSON-Protokolldateien lesbar auf.

Viele neuere Tools verwenden JSON als Ausgabeformat für die Protokollierung. Das erleichtert zwar das Weiterverarbeiten der Log-Daten, die Dateien lassen sich jedoch für Menschen nicht gut lesen. Hier springt das Rust-basierte Tool Hl in die Bresche und wandelt JSON in ein für Anwender lesbares Format um. Pi OS führt Hl noch nicht in den Paketquellen, im Github-Repo des Projekts finden Sie aber fertige Binärpakete. Möchten Sie das Tool selbst kompilieren, benötigen Sie eine aktuelle Rust-Version, die Pi OS aber nicht anbietet. Das Quellarchiv enthält eine Beispielkonfiguration im YAML-Format und einige Themes, die Sie nach Belieben anpassen. Die Dokumentation liegt in Form einer Readme-Datei vor, die den Inhalt der Github-Seite enthält. Mit --help steht außerdem eine Online-Hilfe zur Verfügung.

Um eine JSON-basiertes Log-Datei in ein lesbares Format umzuwandeln, übergeben Sie Hl deren Namen beim Aufruf als Parameter. Hl gibt den Inhalt seitenweise aus und hebt bekannte Strukturen farblich hervor. Bei Bedarf deaktivieren Sie die seitenweise Ausgabe mit dem Parameter --paging never. Die farbliche Aufbereitung steuern Sie mit --color. Mit --filter beschränken Sie die Ausgabe auf einen bestimmten Schlüsselwert, alternativ erlaubt --level das Filtern anhand der Log-Level. Mit --time-format beeinflussen Sie die Anzeige des Zeitstempels jedes Eintrags, eine Zeitzone geben Sie mit --time-zone vor. Für eine flüssige Anzeige puffert Hl die Ausgabe in einem 2 MByte großen Cache, dessen Größe Sie mit --buffer-size ändern. Zum Beschleunigen der Verarbeitung aktivieren Sie mit --concurrency eine parallele Verarbeitung. Hl kommt selbst mit komprimierten JSON-Dateien zurecht und gibt auch reine Text-Logs formatiert aus.

Hl 0.11.2

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/pamburus/hl

Gleichmacher

Der Synchronisierer Rclone 1.58.1 gleicht Daten mit beliebigen Cloud-Diensten ab.

Für den Datenabgleich zwischen Systemen greifen viele Anwender zu Rsync, das jedoch nicht mit Cloud-Dienste zurechtkommt. Hier springt Rclone ein. Es unterstützt neben kommerziellen Clouds wie Amazon, Backblaze, Cloudflare, Dropbox, Google und Microsoft Azure auch selbst gehostete Lösungen wie Own- und Nextcloud oder Seafile, Storage-Lösungen wie Ceph und Minio sowie bewährte Protokolle wie HTTP, FTP, SFTP und WebDAV. Das aktuelle Rclone-Release finden Sie im Github-Repository des Projekts als Binärpaket.

Vor dem Einsatz richten Sie Rclone mit dem Unterbefehl config für den gewünschten Zielspeicher ein. Ein einfaches Assistenzsystem führt Sie durch die Grundkonfiguration. Anschließend übertragen Sie mit copy die gewünschten Daten. Rclone ignoriert bereits vorhandene Dateien, sofern Größe und Zeitstempel mit der Quelle übereinstimmen. Mit -I weisen Sie die Software an, alles zu übertragen, der Unterbefehl sync hält den Cloud-Speicher im Anschluss aktuell. Für einen Überblick aller Daten im Cloud-Speicher rufen Sie Rclone mit dem Unterbefehl ls auf, für eine Ausgabe im JSON-Format verwenden Sie den Unterbefehl lsjson.

Die Unterbefehle delete und rmdir entfernen Dateien und Verzeichnisse. Mit dedupe bietet Rclone eine interaktive Deduplizierung, die Konsistenz des Datenabgleich prüft check. Mit Ncdu steht außerdem ein rudimentärer, konsolenbasierter Dateimanager zur Verfügung. Auch eine verschlüsselte Ablage von Daten erlaubt Rclone. Eine entsprechende Anleitung finden Sie in der ausführlichen Dokumentation auf der Projektseite. Auf dem System selbst stellt das Tool eine Manpage und eine Online-Hilfe via help bereit.

Rclone 1.58.1

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/rclone/rclone

Honigtopf

Mit dem SSH-Honeypot Sshesame 0.0.25 blicken Sie Angreifern über die Schulter.

Zum Öffnen einer sicheren Remote-Konsole gilt SSH als Standard. Mit einem gestarteten SSH-Server gerät der RasPi jedoch in den Fokus von Angreifern. Wollen Sie potenziellen Eindringlingen auf die Finger sehen, ohne dabei das System zu entblößen, setzen Sie Sshesame ein. Das Go-basierte Tool arbeitet als sogenannter Honeypot, der auf einem Port einen SSH-Zugang vortäuscht. Es akzeptiert jede Anmeldung und stellt eine abgekapselte Pseudo-Konsole bereit. Darin dürfen Angreifer beliebige Befehle eingeben, ohne dabei das eigentliche System zu beeinflussen. So können Sie ihnen über die Schulter sehen und alle ihre Schritte beobachten. Auf Github finden Sie fertige Binärpakete sowie eine Beispielkonfiguration im YAML-Format. Die Projektseite bietet außerdem Hilfe bei der Integration in Systemd oder dem Bau eines Docker-Containers.

Ohne Parameter aufgerufen startet Sshesame mit einer minimalen Konfiguration und wartet an der lokalen Schnittstelle am Port 2022 auf Verbindungen. Um das Tool als echten Honeypot einzusetzen, orientiert Sie sich bei der Konfiguration am besten am Beispiel auf der Github-Seite. Im Server-Bereich geben Sie unter listen_address ein Interface samt Port an, auf dem Sshesame Verbindungen erwartet. Der Logging-Bereich umfasst Einstellungen zum Mitschnitt wie Protokolldatei, Zeitstempel und Log-Format. Für Letzteres stehen Plaintext und JSON zur Wahl. Im Bereich auth legen Sie fest, wie Sshesame auf Anmeldeversuche reagiert. Login-Banner und unterstützte SSH-Version geben Sie unter ssh_proto vor. Die gewünschte Konfigurationsdatei geben Sie beim Programmaufruf hinter --config an.

Dann heißt es warten. Verbinden sich Angreifer mit dem Honeypot, bemerken sie schnell, dass sie sich nicht auf einem echten System befinden, da das Programm selbst banale Befehle wie ps oder ls mit einer Fehlermeldung quittiert. Sshesame eignet sich somit in der aktuellen Version lediglich zum Beobachten von automatisierten Angriffen oder Bots.

Sshesame 0.0.25

 

Lizenz: Apache 2.0

Quelle: https://github.com/jaksi/sshesame

Minimalist

Der kompakte CLI-Dateimanager Nnn 4.5 kommt mit minimalen Ressourcen aus

An Dateimanagern mangelt es unter Linux nicht. Oft eignet sich deren grafische Oberfläche aber nicht für den Remote-Einsatz oder auf Servern ohne GUI. In solchen Fällen hilft der konsolenbasierte Dateimanager Nnn weiter, der kaum Systemressourcen benötigt. Ältere Versionen finden Sie im Pi-OS-Repository, das aktuelle Release müssen Sie selbst aus den Quellen kompilieren. Binärpakete gibt es nur für x86-basierte Linux-Systeme.

Rufen Sie Nnn ohne Parameter auf, zeigt es den Inhalt des aktuellen Verzeichnisses an. Alternativ geben Sie ihm beim Aufruf einen Ordnernamen als Parameter mit. Mit den Pfeiltasten navigieren Sie durch die Verzeichnisstrukturen, den aktuellen Pfad zeigt Nnn in der Kopfzeile an. Das Tool stellt vier Panels zum parallelen Verwalten von Verzeichnissen bereit, von denen es jedes mit einer Ziffern in der Kopfzeile kennzeichnet. Durch Eingabe der jeweiligen Nummer wechseln Sie zwischen den Panels. Die Standardansicht listet nur die Namen der einzelnen Verzeichniseinträge auf und setzt sie dabei farblich ab. Zeitstempel und Zugriffsrechte der aktuell markierten Datei entnehmen Sie der Fußzeile. Eine detailliertere Ansicht erhalten Sie mit dem Aufrufparameter -d.

Über -g definieren Sie Filter und begrenzen so die Ansicht auf bestimmte Einträge. Dafür lassen sich auch reguläre Ausdrücke verwenden. Alternativ suchen Sie mit [Umschalt]+[ 7] nach bestimmten Einträgen. Das Programm aktualisiert die Ansicht bereits während der Eingabe. Die Entwickler von Nnn übernahmen viele etablierte Tastenkürzel, was das Einarbeiten erleichtert. So öffnen Sie etwa mit [E] eine Datei im Standardeditor. (Uwe Vollbracht/tle)

Nnn 4.5

 

Lizenz: BSD

Quelle: https://github.com/jarun/nnn

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