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Aus Raspberry Pi Geek 06/2019

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Transparent auf Archive zugreifen mit Avfs 1.0.6, SSH-Angriffe abwehren mit Denyhosts 3.1 ,statische Bildgalerien erzeugen mit Fgallery 1.8.2, Prozesse auf mehrere CPU-Cores verteilen mit Splitjob 2.2.

Archivar

Über Avfs 1.0.6 greifen Sie transparent auf die Inhalte von Archivdateien zu.

Komprimierte Archive sparen zwar Speicherplatz, doch der Zugriff auf den Inhalt von ZIP- oder Tar-Dateien gelingt nur mit den jeweiligen Tools und nicht transparent. Hier schafft “A Virtual File System” oder kurz Avfs Abhilfe. Das Programm ermöglicht den transparenten Zugriff auf Inhalte mit beliebigen Applikationen. Dazu unterstützt die Software verschiedene Möglichkeiten. Die einfachste davon liegt in der Kombination von Avfs mit FUSE. Letzteres integriert Dateisysteme im Userspace und stellt dazu die entsprechenden Schnittstelle bereit. Das Repository von Raspbian enthält eine stabile FUSE-Version, die Sie mit wenigen Handgriffen installieren. Die im Repository enthaltene Avfs-Version ist dagegen etwas älter; hier empfiehlt sich der Einsatz der aktuellen, korrigierten Version. Bei Bedarf kompilieren Sie das Tool schnell aus den Quellen und erhalten so die Programme Avfsd, Mountavfs und Unmountavfs. Mit Mountavfs binden Sie einen Verzeichnisbaum des lokalen Systems unter $HOME/.avfs ein. Im Hintergrund startet Mountavfs den Dienst Avfsd, der den virtuellen Verzeichnisbaum verwaltet. Darin navigieren Sie wie gewohnt und greifen mit beliebigen Tools auf die enthaltenen Dateien zu. Mit dem Befehl cd Archiv#/ wechseln Sie in eine komprimierte Datei und bewegen sich darin wie in einem Verzeichnis. Die Inhalte des Archiv kopieren Sie mit Bordmittel. Neben dem Einbinden von Archiven bietet Avfs die Möglichkeit, entfernte Verzeichnisse via HTTP, FTP oder SSH einzubinden. Einige einfache Beispiele finden Sie in der Datei README des Quellarchivs. Für das Einbinden von Verzeichnissen via SSH benötigen Sie außerdem einen Schlüssel ohne Passwort. Alles in allem fällt die mit Avfs gelieferte Dokumentation etwas dürftig aus, Sie sollten Experimentierfreude mitbringen.

Avfs 1.0.6

 

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://avf.sourceforge.net

Schutzwall

Mithilfe von Denyhosts 3.1 identifizieren Sie Attacken und sperren den Angreifer aus.

Mit seinem minimalen Ressourcenbedarfs eignet sich der RasPi ideal als Heim-Server, der sich auch aus dem Internet erreichen lässt. Dabei schützt ein Tools wie Denyhosts vor Angriffen: Das Python-Programm überwacht die Log-Dateien und sperrt potenzielle Angreifer aus. Es wurde ursprünglich zum Schutz von SSH-Zugängen entwickelt, eignet sich aber auch, um andere Dienste zu schützen. Eine ältere Version findet sich im Raspbian-Repository, das aktuelle Release mit vielen neuen Funktionen gibt es nur auf der Projektseite. In der mitgelieferten Konfigurationsdatei, die Sie als Grundlage nutzen können, legen Sie fest, welche Log-Dateien das Tool auf ungültige Anmeldeversuche überwacht und nach wie vielen Fehlanmeldungen das Programm ein entferntes System blockiert. Standardmäßig liegt der Wert bei 10, bei Anmeldeversuchen an einem nicht existenten Benutzerkonto sperrt das Tool den Eindringling schon nach fünf Versuchen aus. Verbindungen zum Root-Account blockiert es bereits nach dem ersten Fehlschlag. Alle Grenzwerte dürfen Sie in der Konfiguration nach Belieben anpassen. Die IP-Adressen potenzieller Eindringlinge hinterlegt Denyhosts in der Datei /etc/hosts.deny. Standardmäßig sperrt es nur den Zugriff auf den SSH-Port; alternativ blockieren Sie alle Verbindungen von diesen Remote-System oder setzen eine entsprechende Firewall-Regel. Die Sperre behält Denyhosts mehrere Tage bei, sofern Sie in der Konfiguration nichts anderes angeben. Sie können darüber hinaus den Administrator des gesperrten Systems automatisiert via E-Mail von der Sperrung informieren. Wollen Sie sich lediglich einen Überblick über vermeintliche Angriffe verschaffen, starten Sie Denyhosts als Dienst, der stündlich eine Übersicht aller Angreifer erzeugt. Daraus wählen Sie bei Bedarf Remote-Systeme aus, die Sie sperren möchten.

Denyhosts 3.1

 

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://sourceforge.net/projects/denyhost/

Bilderbuch

Mit Fgallery 1.8.2 erzeugen Sie ressourcenschonende statische Bildergalerien.

Möchten Sie online Bilder präsentieren, dazu aber keine komplexe Installation pflegen, finden Sie in Fgallery das passende Werkzeug. Es erzeugt einfache, statische Web-Galerien; auf eine Datenbank als Backend-Speicher können Sie verzichten. Der statische Ansatz sorgt für einen minimalen Ressourcenbedarf – ideal für den Einsatz auf dem RasPi. Zur Navigation integriert die Software beim Erstellen auf Javascript basierende Steuerelemente in die Galerie, mit denen Sie durch die Seiten der Alben blättern. Um eine neue Galerie zu erzeugen, geben Sie beim Programmaufruf das Quellverzeichnis mit den Bildern sowie ein Zielverzeichnis und einen Namen für die fertige Galerie an. Beim Anlegen des Zielverzeichnisses richtet das Programm die Bilder automatisch einheitlich aus und sortiert sie basierend auf dem Zeitstempel. Dabei skaliert es die Vorschaubilder automatisch passend. Das Zielverzeichnis verschieben Sie ins Dokumentenverzeichnis eines Webservers. Bei Design und Layout greift Fgallery auf ein eigenes Standarddesign zurück, das im Unterverzeichnis views/ liegt. Dort finden sich auch die notwendigen CSS-Dateien sowie der Javascript-Code und die Symbole für die Navigationselemente. Das Standarddesign eignet sich als Vorlage für eigene Entwürfe. Im Standardlayout zeigt das Programm das aktuelle Bild in der Fenstermitte an, am Rand platziert es eine Leiste mit den Thumbnails der folgenden Bilder. Mit dem Parameter -f optimieren Sie den Zuschnitt der Thumbnails bei Portraits auf das Gesichtsfeld, mit -j teilen Sie das Erzeugen der Galerie auf mehrere Prozessorkerne auf.

Fgallery 1.8.2

 

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://www.thregr.org/~wavexx/software/fgallery/

CLI-Turbo

Das pfiffige Splitjob 2.2 verteilt Aufgaben auf verschiedene Prozessorkerne.

Der RasPi 3 verfügt über vier jeweils mit 1,4 GHz getaktete Prozessorkerne – da liegt es nahe, die Arbeitslast bei der Datenverarbeitung entsprechend zu verteilen. Allerdings unterstützen viele Tools von Haus aus keine Parallelisierung. Hier hilft Splitjob weiter: Es verteilt die zu verarbeitenden Daten auf mehrere Prozesse und fügt anschließend das Ergebnis wieder zusammen. Dazu erzeugt es mehrere Queues, auf die es die eingehenden Daten verteilt und über die Standardeingabe an die laufenden Prozesse weiterleitet. Da es diese selbst startet, behält Splitjob dabei stets den Überblick. Eine Konfigurationsdatei benötigt es nicht, sämtliche Einstellungen erfolgen über Kommandozeilenparameter beim Aufruf. So legt der Parameter -j fest, wie viele parallele Prozesse das Tool erzeugt. Geben Sie nichts vor, startet das Programm nur einen einzigen Prozess und arbeitet die Daten als Single-Thread ab. Für das parallele Verarbeiten unterteilt Splitjob die eingehenden Daten in 1 MByte große Blöcke, die es weiterleitet; mit -b variieren Sie die Blockgröße. Schlägt das Verarbeiten eines Blocks fehl, startet Splitjob drei weitere Versuche. Bleiben diese ebenfalls erfolglos, fährt es mit dem nächsten Block fort. Die Anzahl der erneuten Versuche passen Sie mit dem Parameter -r an. Als letzten Parameter übergeben Sie das auszuführende Programm. Das Tool unterstützt dabei nur einfache Konsolenprogramme, die keine weiteren Parameter oder Eingaben benötigen. Mit Programmen, die eine grafische Oberfläche haben, funktioniert das Ganze nicht. Die Webseite des Entwicklers zeigt einige Beispiele. (agr)

Splitjob 2.2

 

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://splitjob.sourceforge.net/

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