Aus Raspberry Pi Geek 02/2022

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Musik-Server im eigenen Netz mit Navidome 0.46.0, Netzwerkverkehr auswerten mit Termshark 2.3.0, Schneller suchen mit Ugrep 3.3.8, Uptime überwachen mit Uptime-Kuma 1.10.2.

Musikbox

Mit Navidome 0.46.0 setzen Sie im Handumdrehen einen Musik-Server auf.

Die kompakten Abmessungen und der geringe Stromverbrauch machen den RasPi zur ersten Wahl, um Dienste wie einen lokalen Musik-Streaming-Server permanent im LAN bereitzustellen. Mit dem Go-basierten Navidome, das auch eine Web-Engine mitbringt, haben Sie dabei die grundlegenden Schritte schnell erledigt. Im Raspbian-Repository fehlt das Programm, bei Bedarf greifen Sie auf die Binärpakete im Github-Repository zurück.

Nach dem Entpacken konfigurieren Sie das sofort einsatzbereite Tool wahlweise über Parameter auf der Kommandozeile. Ohne Optionen wartet Navidome auf allen Schnittstellen an Port 4533 auf eingehende Verbindungen. Die Musiksammlung sucht es im Ordner music/ im aktuellen Verzeichnis. Mit --musicfolder geben Sie beim Aufruf ein anderes Verzeichnis vor. Über --datafolder legen Sie den Speicherplatz für die Datenbank (Sqlite3) und den Cache fest. Soll Navidome nur auf einer Schnittstelle an einem bestimmten Port horchen, geben Sie ihm beim Aufruf die Parameter --address und --port mit. Weitere Einstellungen nehmen Sie über die Konfigurationsdatei vor. Eine Dokumentation liegt dem Binärpaket nicht bei, auf der Github-Seite findet sich aber eine umfangreiche Hilfe.

Beim ersten Anmelden legen Sie die Zugangsdaten des Administratorkontos fest. Als solcher fügen Sie dann weitere Benutzerkonten hinzu. Jeder Benutzer darf die Weboberfläche nach Gusto anpassen. Ist auf dem System Ffmpeg eingerichtet, erlaubt Navidome auch ein Transcoding. Alles in allem ist die Software eine interessante Alternative, wenn Sie im LAN schnell einen Musikdienst bereitstellen möchten. Da die integrierte Web-Engine keine verschlüsselte Übertragung unterstützt, sollte Navidome aber nur in geschlossenen Netzen zum Einsatz kommen.

Navidome 0.46.0

 

Lizenz: GPLv3

Quelle: https://github.com/navidrome/navidrome

Netzanalyst

Die Wireshark-Alternative Termshark 2.3.0 erlaubt das Mitschneiden und Auswerten des Netzwerkverkehrs.

Zur Analyse des Datenverkehrs auf einer Netzwerkschnittstelle greifen viele Anwender auf Tcpdump zurück und werten die erzeugten PCAP-Dateien anschließend in einem grafischen Tool wie Wireshark aus. Ist der Start einer GUI-Applikation nicht möglich oder können Sie die PCAP-Dateien nicht transferieren, steht mit dem Go-basierten Tool Termshark eine Alternative fürs Terminal bereit. In älteren Raspbian-Repos fehlt das Programm, und selbst das neue “Bullseye” offeriert nur eine ältere Version. Aktuelle Binärpakete finden sich aber im Github-Repository.

Die Aufteilung der Fensterbereiche haben die Entwickler von Wireshark übernommen. Außerdem bietet Termshark die von Wireshark bekannten Anzeigefilter, erfahrene Anwender finden sich daher sofort zurecht. Um den Datenverkehr auf einem Interface zu betrachten, geben Sie es beim Aufruf über -i an. Das Tool zeigt die Datenpakete fortlaufend an und speichert deren Metadaten in einer Cache-Datei. Beim Beenden des Programms können Sie die Datei löschen oder permanent speichern.

Während das Mitschneiden des Datenverkehrs administrative Rechte voraussetzt, gelingt das Betrachten eines archivierten PCAP-Files auch als einfacher Anwender. Mit dem Parameter -r übergeben Sie der Software eine solche Datei beim Start. Nach dem Laden zeigt das Programm eine Liste aller aufgebauten Verbindungen. Um die Ausgabe auf ein bestimmtes Protokoll oder eine Adresse zu beschränken, geben Sie in der Kopfzeile im Filterfeld die entsprechenden Parameter an. Nach dem Aktivieren über Apply zeigt die Software nur noch die gesuchten Einträge an.

Mit dem Tabulator wechseln Sie zwischen den Bereichen Verbindungsliste, Header-Informationen und Payload, deren Anordnung sich ändern lässt. Eine Übersicht aller Tastenkürzel erhalten Sie mit [Umschalt]+[ß]. Im Hintergrund greift Termshark für seine Aufgaben auf Tshark zurück, das aber nicht alle Funktionen von Wireshark abbildet. Für PCs ohne grafische Benutzeroberfläche lohnt sich Termshark aber in jedem Fall.

Termshark 2.3.0

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/gcla/termshark

Datenharke

Mit Ugrep 3.3.8 durchsuchen Sie Textdateien schnell und effizient.

Ugrep bietet sich als schnellere Alternative für das klassische Grep an. Das in C++ implementierte Tool legt den Fokus auf Geschwindigkeit, indem es unter der Haube Prozessorfunktionen wie AVX und SSE2 effizienter nutzt. Außerdem teilt es die Suche über mehrere Threads auf, was insbesondere das Durchsuchen komprimierter Dateien beschleunigt. Die aktuelle Version müssen Sie aus den Quellen selbst kompilieren, was das Vorhandensein der PCRE2-Bibliotheken für die Unterstützung regulärer Suchausdrücke auf dem System voraussetzt. Andernfalls greift Ugrep zu Libboost, was auf dem Testsystem zu Fehlern beim Übersetzen führte.

Die Bedienung von Ugrep gleicht in vielen Bereichen Grep. Das erlaubt es, die Software in eigenen Skripten statt in Grep einzusetzen. Ugrep stellt aber auch neue Funktionen bereit, etwa mit dem Parameter -t, mit dem Sie die Suche auf Dateien eines bestimmten Typs beschränken. Mit -M geben Sie stattdessen das Magic Byte für einen Dateityp an. Bei der Belegung von -Z und -z weicht Ugrep von Grep ab. Für eine unscharfe Suche übergeben Sie Ugrep das Suchmuster mit der Option -Z; wollen Sie in komprimierten Dateien suchen, nutzen Sie -z als Parameter. Ugrep entpackt dann die Archive, um sie zu durchforsten. Das Tool bietet über --format außerdem die Möglichkeit, die Ergebnisse in Formaten wie CSV, JSON und XML auszugeben. Ugrep kennt auch einen interaktiven Modus, den Sie über -Q aktivieren. Eine Kombination mit anderen Parametern ist dabei nicht möglich.

Ugrep 3.3.8

 

Lizenz: BSD

Quelle: https://github.com/Genivia/ugrep

LAN-Wachhund

Mit Uptime-Kuma 1.10.2 überwachen Sie den Status des heimischen Netzwerks in einer Weboberfläche.

Durch IoT hat in Privathaushalten die Anzahl der IP-fähigen Geräte rasant zugenommen. Dank seines geringen Ressourcenbedarfs eignet sich der Raspberry Pi hier hervorragend zum Monitoring. Mit dem Javascript-basierten Uptime-Kuma gibt es dazu ein einfaches Tool für den SOHO-Bereich. Da es im Raspbian-Repository fehlt, installieren Sie es entweder mit Npm und Node.js aus den Quellen oder richten es via Docker ein – Letzteres ist vermutlich der einfachere Weg. Entsprechende Anleitungen finden Sie auf der Github-Seite. Das Einrichten eines Docker-Containers dauert auf einem RasPi 3B+ zwar mehrere Minuten und setzt das System unter extreme Last, im täglichen Betrieb braucht das Tool dann aber kaum nennenswerte Ressourcen.

Standardmäßig erwartet Uptime-Kuma Zugriffe auf die Weboberfläche auf Port 3001. Beim ersten Anmelden fordert die Software Sie direkt auf, einen Admin-Zugang samt Passwort zu erzeugen. Melden Sie sich damit an, öffnet sich die Dashboard-Übersicht. Hier sehen Sie auf einen Blick, wie viele Systeme sich gerade in einem der vier Zustände inaktiv, unbekannt, pausiert und aktiv befinden. Eine Art Statusliste führt zudem die letzten Änderungen auf. So sehen Sie auf einen Blick, welche Systeme in der letzten Zeit Probleme hatten. Eine Übersicht aller überwachten Systeme findet sich im linken Bereich. Über Neuer Monitor nehmen Sie hier ein neues Target auf. In der Konfiguration legen Sie dann dessen Typ fest. Uptime-Kuma beherrscht jedoch nur die Protokolle HTTPS, Ping, DNS, Push und TCP.

Jeder Monitoring-Eintrag erhält einen eindeutigen Namen sowie die IP-Adresse oder den FQDN des Geräts. Je nach Protokoll ist auch noch ein TCP-Port nötig. Das Intervall zum Prüfen beträgt im ersten Anlauf 60 Sekunden. Das Überwachen eines Dienstes ist eine Sache, das Alarmieren eine andere. Hier stellt Uptime-Kuma mit Signal, Telegram, Discord, SMS, Microsoft Teams, Matrix und Rocket-Chat eine Fülle an Möglichkeiten bereit. Neben dem Dashboard gibt es eine Statusseite, auf der Sie bei Bedarf Ankündigungen einstellen. (agr)

Uptime-Kuma 1.10.2

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/louislam/uptime-kuma

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