Aus Raspberry Pi Geek 06/2021

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Zeit im Griff mit Dateutils 0.4.8, Programme einsperren mit Firejail 0.9.64, Dateien abziehen mit Ftpgrab 7.3.0, Konsolenausgaben im Browser mit Shellhttpd 1.13

Zeitjongleur

Mit den Dateutils 0.4.8 behalten Sie die Zeit im Griff.

Das GNU-Programm Date ist das Mittel der Wahl, um in der Konsole ohne Aufwand das aktuelle Datum und die aktuelle Uhrzeit zu ermitteln. Wer intensiver mit Zeitangaben arbeitet, behilft sich entweder mit eigenen Skripten oder greift auf die Dateutils zurück. Sie umfassen eine Reihe nützlicher Programme wie Dateadd, Datediff, Dategrep und Datesort. Eine ältere Version ist bereits im Raspbian-Repository enthalten, das aktuelle Release enthält vor allem Fehlerkorrekturen. Für jedes Tool gibt es eine eigene Manpage.

Datezone ermittelt die aktuelle Uhrzeit in einer bestimmten Zeitzone. Dateseq liefert jedes Datum aus einem bestimmten Zeitintervall; Sie geben dazu beim Aufruf lediglich ein Start- und Enddatum an. Alternativ ermittelt es die Uhrzeiten eines Intervalls. Damit eignet es sich, um im Handumdrehen viele Verzeichnisse mit Zeitangaben im Verzeichnisnamen zu erzeugen. Dateadd ermöglicht es, einen Zeitpunkt abhängig von einem Startdatum zu ermitteln.

Sie geben ein Datum vor und ermitteln mit Parametern wie +2d oder -5w einen Termin in zwei Tagen oder vor fünf Wochen. Um die Differenz in Sekunden zwischen zwei Zeitangaben zu ermitteln, steht Datediff bereit. Bei der Suche nach Zeitstempeln in Text- oder Logdateien hilft Dategrep weiter. Es unterstützt vergleichende Operationen, um etwa alle Einträge mit einem jüngeren oder älteren Datum zu ermitteln. Dateconv dient dazu, Zeitangaben zwischen verschiedenen kalendarischen Systemen zu übertragen.

Dateutils 0.4.8

 

Lizenz: BSD

Quelle: https://github.com/hroptatyr/dateutils

Käfigwächter

Programme einsperren mit Firejail 0.9.64.

IT-Sicherheitsexperten empfehlen schon seit langem, Programme, die sich als potenzielles Einfallstor eignen, vom restlichen Betriebssystem abzuschotten. Mit einem Tool wie Firejail gelingt das problemlos. Eine ältere Version findet sich im Raspbian-Repository. Das aktuelle Release bietet neben Fehlerkorrekturen eine Vielzahl neuer Profile für wichtige Tools wie NPM, Vmware oder Homebank, um nur einige zu nennen.

Firejail isoliert einzelne Programme, indem es für jedes eine eigene Laufzeitumgebung erzeugt. Diese umfasst einen eigenen Verzeichnisbaum, einen eigenen Netzwerk-Stack sowie Prozess-IDs, die sich von denen des Host-System unterscheiden. Die Inter Process Communication (IPC) beschränkt sich auf die jeweilige Umgebung. Zum Abschotten greift Firejail auf Kernel-Funktionen wie Namespaces und Chroot zurück. Rufen Sie es ohne Parameter auf, startet es eine Bash-Shell in einer abgeschotteten Umgebung, Sandbox genannt. Das Root-Verzeichnis des Host bindet es nur lesend ein.

Über sogenannte Profile legen Sie eine individuelle Konfiguration für die Sandbox bestimmter Programme an. Ein Profil definiert, auf welche Verzeichnisse und Befehle eine Software in der Sandbox zugreifen darf. Für weitverbreitete Tools wie etwa Firefox hat Firejail bereits Profildateien im Sortiment. Über Profile weisen Sie außerdem separate Home-Verzeichnisse und Netzwerkschnittstellen zu. Jede Schnittstelle erhält eine eigene IP-Adresse. Firejail eignet sich außerdem dazu, Systembenutzer voneinander zu trennen. Dazu tragen Sie für den jeweiligen Benutzer Firejail als Login-Shell in /etc/passwd ein.

Firejail 0.9.64

 

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://github.com/netblue30/firejail

Buchhalter

Das komfortable Ftpgrab 7.3.0 unterstützt Sie beim Verwalten von Downloads.

Reine Downloader wie Wget unterstützen Sie nicht beim Verwalten der heruntergeladenen Dateien. Hier springt das Go-basierte Tool Ftpgrab in die Bresche, für das es auf Github RasPi-Binärpakete gibt. Beim im Raspbian-Repository enthaltenen Programm handelt es sich um ein anderes Tool. Die Stärken von Ftpgrab zeigen sich bei regelmäßigem Downloads aus verschiedenen Quellen. Neben FTP unterstützt es auch SFTP. Die Dokumentation im Binärpaket ist sehr spärlich. Die Github-Seite verlinkt jedoch eine ausführliche Anleitung.

Die Konfigurationsdatei im YAML-Format unterteilt sich in die Bereiche db, server, download und notify. Unter db geben Sie den Pfad zur Verwaltungsdatenbank an, in der das Tool, welche Dateien es bereits übertragen hat. Der Bereich server legt die Datenquellen fest. Neben Adresse und Zugangsdaten hinterlegen Sie hier das Quellverzeichnis und definieren protokollspezifische Einstellungen wie Timeout oder Größe der Pakete.

Im Download-Bereich geben Sie das Zielverzeichnis an samt der nach dem Download zu setzenden Rechte für die Dateien an. Über Exclude-Einstellungen nehmen Sie Verzeichnisse oder Dateien von der Übertragung aus. Der Parameter retry legt fest, wie oft das Tool einen Download versucht. Für den automatisierten Einsatz von Ftpgrab legen Sie unter notify fest, wie das Programm Sie über den letzten Übertragungslauf informiert. Neben dem klassischen Weg via E-Mail stehen auch slack und webhook zur Auswahl. Die Benachrichtigung über eigene Skripte klappt ebenfalls.

Ftpgrab 7.3.0

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/crazy-max/ftpgrab

Fernseher

Mit Shell2http 1.13 bringen Sie Konsolenausgaben in den Webbrowser.

Viele betreiben den RasPi headless als Server ohne Tastatur und Monitor. Um Programme ausführen oder deren Ausgabe einzusehen, muss man sich dann via SSH auf das System verbinden. Einfacher ist es, die Konsolenausgaben über Shell2http im Webbrowser zu betrachten. Das Go-basierte Tool fungiert als Webserver, über den Sie vordefinierte Programme starten und deren Ausgabe im Browser einsehen.

Die jeweilige Software startet mit den Benutzerrechten des Shell2http-Nutzers. Beim Aufruf geben Sie einen Dokumentenpfad an, unter dem das Programm die Ausgabe ablegt, gefolgt vom auszuführenden Programm. Benötigt das Programm Parameter, setzen Sie die Angaben in Anführungszeichen. Führen Sie mehrere Programme über Shell2http aus, erhält jedes Programm ein eigenes Dokumentenverzeichnis. Anwendungsbeispiele liefert die Github-Seite. Dort finden Sie auch ein Binärpaket des Tools.

Standardmäßig lauscht die Software auf allen Schnittstellen an Port 8080 auf eingehende Verbindungen. Mit -host und -port ändern Sie das. Stellen Sie die Ausgabe mehrerer Konsolenprogramme bereit, trennen Sie bei Bedarf mit -one-thread die einzelnen Prozesse voneinander. Mit -cert und -key richten Sie eine verschlüsselte Kommunikation ein, über -basic-auth begrenzen Sie den Zugang mit Benutzernamen und Passwort. Shell2http gibt lediglich die Standardausgabe im Browser wieder, interaktive Tools wie eine Bash lassen sich damit nicht nutzen. (jlu)

Shell2http 1.13

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/msoap/shell2http

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