Aus Raspberry Pi Geek 06/2022

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Cat-Alternative Bat 0.20.0, DNS-Zugriff beschränken mit Dnsblocker 0.19.0, Server-Logs auswerten mit Goaccess 1.5.4, Ping und Traceroute kombinieren mit Mtr 0.95.

Textbetrachter

Die Cat-Alternative Bat 0.20.0 erlaubt einen schnellen Blick in Textdateien.

Linux bietet viele Möglichkeiten, den Inhalt einer Textdatei anzuzeigen. Das GNU-Tool Cat zählt hier zu den Klassikern. Für die Ausgabe von Quellcode eignet es sich mit seiner eher schlichten Anzeige weniger. Das Rust-basierte Werkzeug Bat will diese Lücke füllen. Das aktuelle Pi OS enthält eine veraltete Version des Tools, ältere Raspbian-Versionen bieten es überhaupt nicht an. Sie greifen daher am besten auf das DEB-Paket auf Github zurück.

Wie beim Vorbild Cat genügt es bei Bat, die auszugebende Datei beim Aufruf als Parameter zu übergeben. Das Tool zeigt den Inhalt aber nicht durchlaufend an, sondern seitenweise – das macht das Navigieren in der Ausgabe einfacher. Bei Bedarf deaktivieren Sie die Pager-Funktion mit -P beim Aufruf. Standardmäßig zeigt Bat in der Kopfzeile den Dateinamen und die Dateigröße an, außerdem nummeriert es die Zeilen. Bevorzugen Sie eine unformatierte Ausgabe, nutzen Sie den Parameter -p. Bat erkennt selbstständig, welche Programmier- oder Satzsprache eine Datei enthält, und passt das Highlighting entsprechend an. Mit dem Parameter -l geben Sie ein bestimmtes Format vor. Dabei dürfen Sie aus über 160 unterstützten Sprachen wählen. Der Aufruf mit dem Parameter -L liefert eine Übersicht aller Sprachen.

Außerdem haben Sie mit dem Parameter --theme die Auswahl aus über 20 implementierten Themes. Eine Übersicht bietet --list-themes. Um die Anzeigeaufteilung anzupassen, verwenden Sie den Parameter --style. Bat bietet Stilelemente wie Header, Grid, Rule, Number oder Snip. Standardmäßig ignoriert es alle nicht druckbaren Zeichen. Um sie zu sehen, geben Sie Bat den Parameter -A mit. Um nur einen bestimmten Bereich einer Datei zu betrachten, definieren Sie mit -r die Start- und Endzeilennummer. Eine Online-Hilfe liefert -h, daneben gibt es auch eine Manpage zu Bat.

Bat 0.20.0

 

Lizenz: Apache 2.0

Quelle: https://github.com/sharkdp/bat

Abfrageblocker

Mit Dnsblocker 0.19.0 schränken Sie unerwünschte DNS-Abfragen ein.

Lösungen wie Pi-hole schützen ein gesamtes Netz vor Trackern, Werbung oder schädlichen Domains – und das alles unter einer bunten Weboberfläche. Suchen Sie eine schlankere Alternative für den lokalen Einsatz, sollten Sie sich Dnsblocker ansehen. Das Tool fehlt im Pi-OS-Repository, Sie müssen es aus den Quellen kompilieren. Die Konfiguration erfolgt über eine JSON-Datei, die Sie beim Aufruf als Parameter angeben. Ein Beispiel suchen Sie im Quellarchiv aber ebenso vergeblich wie eine Manpage. Beispiele sowie eine Beschreibung aller Parameter liefert die Github-Seite.

In der Konfigurationsdatei legen Sie über Black- und Whitelist-Einträge die jeweiligen Domains fest. Eine Liste entspricht einer Datei, die pro Zeile einen Domain-Eintrag enthält; die Angabe mehrerer Dateien ist möglich. In der Vorgabe lauscht Dnsblocker auf Port 53 an der Schnittstelle 127.0.0.2. Über den Binding-Parameter geben Sie bei Bedarf einen anderen Port und ein anderes Interface vor. Die integrierte Weboberfläche erreichen Sie über dieselbe Schnittstelle auf Port 53022. Diese Einstellung können Sie nur im Quellcode ändern. Mit dem Parameter external_dns legen Sie fest, an welche(n) DNS-Server das Tool die gültigen Anfragen weitergibt. Dnsblocker besitzt ein eigenes Caching, was die Geschwindigkeit steigert. Über die Parameter ttl und limit stellen Sie die Rahmenbedingungen dafür ein. Soll das Programm auch IPv6 unterstützen, setzen Sie use_ipv6.

Standardmäßig startet die Software zwei Threads; mit threads erhöhen Sie diesen Wert. Über die webbasierte Verwaltungsoberfläche steuern Sie Dnsblocker im Betrieb mittels REST-Befehlen. So checken Sie den Cache, löschen ihn oder (de-)aktivieren Filterung und Heuristik. Das klappt sowohl per Webbrowser wie auch mittels eines Konsolen-Clients wie Curl. Insgesamt bietet Dnsblocker nicht den Komfort von Pi-hole, eignet sich aber für den ressourcenschonenden Einsatz auf einem SBC oder Laptop. Die Dokumentation könnte besser sein.

Dnsblocker 0.19.0

 

Lizenz: Apache 2.0

Quelle: https://github.com/brunexgeek/dns-blocker

Log-Auswerter

Server-Logs werten Sie komfortabel mit Goaccess 1.5.4 aus.

Bei Problemen mit dem eigenen Webserver hilft ein Tool wie Goaccess weiter, das die Log-Ausgaben des Diensts interaktiv optisch aufbereitet. Eine ältere Version des Tools liegt im Pi-OS-Repo. Das aktuelle Release bietet neben der Korrektur zahlreicher Fehler unter anderem einen Dark Mode für den HTML-Report und Docker-Unterstützung. Für eine schnelle Auswertung übergeben Sie die auszuwertende Log-Datei als Parameter. Goaccess unterstützt dabei nicht nur das bekannte Apache-Log-Format NCSA, sondern kommt auch mit den Protokollen von Diensten wie Squid, W3C, Google Cloud Storage und verschiedenen AWS-Logs zurecht.

Geben Sie kein Log-Format vor, können Sie beim Aufruf interaktiv eins auswählen. Die Ausgabe des Programms besticht durch eine strukturierte Anzeige. In der Kopfzeile finden Sie die Gesamtstatistik für das Protokoll samt Angaben wie der Anzahl der Anfragen, der Besucher und der übertragenen Dateien. Den verbleibenden Fensterbereich unterteilt Goaccess in sogenannte Module. Das Modul Besucher zeigt an, wie viele Visitors welche Datenmenge übertragen haben. Die Namen der übertragenen Dateien finden Sie in den Bereichen Requested Files und Static Request. Im Modul nicht gefundene URLs erfahren Sie, auf welche nicht existenten Bereiche Besucher zugreifen wollten. Versierte Anwender können daran mögliche Einbruchsversuche erkennen.

Zu guter Letzt folgen Module, die eine Übersicht über die von den Besuchern verwendeten Webbrowser und Betriebssysteme liefern. Bei allen Modulen zeigt Goaccess standardmäßig nur die Top-7-Einträge an. Die Navigation zwischen den Modulen erfolgt über die Pfeiltasten. Über Kommandozeilenparameter passen Sie das Erscheinungsbild an und legen weitere Parse- und Sortierfunktionen fest.

Goaccess 1.5.4

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/allinurl/goaccess

Signalverfolger

Mit Mtr 0.95 analysieren Sie Hosts und Routen im Netzwerk.

Das in C geschriebene Mtr kombiniert zur Netzwerkdiagnose die Fähigkeiten bewährter Tools wie Ping und Traceroute und bietet darüber hinaus zahlreiche Ausgabeformate. Von Haus aus nutzt Mtr eine Gtk-basierte grafische Ausgabe. Mit dem Parameter -t wechseln Sie in eine Ncurses-basierte Anzeige in der Konsole, ideal für den Einsatz via SSH. Wollen Sie die Daten in anderen Tools weiterverarbeiten, bietet sich eine Ausgabe im CSV- (--csv) oder XML-Format (--xml) an, die Rohdaten erhalten Sie mit --raw.

Um die Erreichbarkeit eines Hosts zu prüfen, geben Sie beim Aufruf dessen IP-Adresse oder Host-Namen an. Das Programm unterstützt sowohl IPv4 als auch IPv6. Wie Ping nutzt es das Protokoll ICMP, um einen entfernten Rechner zu erreichen. Ähnlich wie Traceroute erhöht Mtr den TTL-Wert der gesendeten Pakete schrittweise, bis es das Zielsystem erreicht oder ein Timeout auftritt. So sehen Sie schnell, an welcher Stelle die Verbindung hakt. Standardmäßig startet der TTL-Wert bei 1 und überschreitet 30 nicht. Andere Grenzwerte geben Sie mit den Parametern -f und -m vor. Die Größe des Datenpakets legen Sie mit -s fest. Neben ICMP unterstützt Mtr beim Verbindungstest auch TCP (--tcp) und UDP (--udp). Beim Einsatz dieser Protokolle dürfen Sie außerdem mit --port einen Ziel-Port angeben.

Geben Sie kein explizites Ausgabeformat an, startet die Software eine rudimentäre interaktive Oberfläche für die Ausgabe. Hier passen Sie bei Bedarf die Anzeige und die Reihenfolge der Spalten im Betrieb an. Das Quellarchiv enthält eine Manpage mit einigen Beispielen dazu.

Mtr 0.95

 

Lizenz: GPLv2.0

Quelle: https://github.com/traviscross/mtr

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