Knifflige Details und allerlei Nacharbeiten
So weit die Theorie aus der Sicht eines Laien. Drucktechnisch macht das Projekt, so wie es ist, Probleme: 3D-Drucker haben Schwierigkeiten mit Überhängen, und schon die Bodenplatte unseres Designs stellt technisch gesehen wegen der 2 Millimeter hohen Füße einen einzigen großen Überhang dar.
Beim Ausdruck kommt dafür in den “Lücken” – also praktisch vollflächig – zusätzliches Material zum Stützen zum Einsatz. Das treibt den Preis in die Höhe. Zudem fällt das Ergebnis dadurch nicht so sauber aus wie ohne diese Strukturen, da der Dienstleister sie erst mitdrucken und dann wieder entfernt muss.
An dieser Stelle erweist es sich als entscheidend, wie gut der gewählte Dienstleister Sie bei der Konstruktion hinsichtlich des Designs unterstützt; Erfahrung spielt dabei eine tragende Rolle. Das vorliegende Gehäuse hat “Markus’ Hub” [7] aus München gedruckt und dabei im Vorfeld entscheidenden Input gegeben.
Die Lösung des geschilderten Problems brachte ein einfacher Kniff, den man aber erst einmal kennen muss: Die kritischen Überhänge für die Festplatte (die grünen Balken in Abbildung 5) und den Raspberry Pi (gelb) im Inneren wurden getrennt gedruckt und erst anschließend an die richtige Stelle ins Gehäuse eingeklebt. Das spart reichlich Material und damit erheblich Kosten. Zur Unterstützung kommen dafür Fasen als Auflage für die Balken in das Gehäuse (Abbildung 7).
Nach der Lieferung des Ergebnisses ist naturgemäß die Spannung am größten: Passt alles zusammen? Hat der Druck genau genug geklappt? Letzteres ist letztlich auch eine Frage des Preises, denn mit der Genauigkeit steigen die Kosten. Zum Glück war hier die Nacharbeit nicht aufwendig: Einzelne Balken fielen einen Tick zu lang aus, aber das spielte sich alles im Rahmen der erwarteten Genauigkeit ab und war mit einem scharfen Messer einfach zu beheben.
Eine Sache sollten Sie beim Design nicht vergessen, nämlich Löcher für eine Sicht auf die beiden LEDs des Raspberry Pi anzubringen. Übersehen Sie das doch, so wie wir, lässt sich das Problem dank des dünnen Materials aber per Bohrer schnell beheben. Apropos dünnes Material: Eine Wanddicke von 1 Millimeter hat im Test gerade so funktioniert – als stabil lässt sich das Gehäuse aber nicht bezeichnen.
Dennoch überzeugt das Ergebnis: Der Raspberry Pi verschwindet samt USB-Hub und Festplatte in einem durchaus ansehnlichen, kompakten Gehäuse. Dank eines kleinen WLAN-Dongles, der innen direkt am Pi andockt, führt lediglich das Stromkabel des aktiven Hubs nach außen (Abbildung 8).
Fazit: Mehr Aufwand und viel Spaß
Das RasPi-Eigenheim nach Maß verursacht zweifellos mehr Aufwand als ein Pi-Case von der Stange. Insbesondere die Suche nach passenden Komponenten und Kabeln fällt nicht immer ganz leicht. Das Tüfteln am eigenen Design allerdings garantiert einen sehr hohen Spaßfaktor – wer Lego liebt, schätzt die vielen zusätzlichen Freiheiten, die CAD bietet.
Das Format für den Export bei Tinkercad, STL-Dateien, gilt zwar als universelles Eingabeformat für den Druck. Das weitere Bearbeiten, sprich das Optimieren durch den Dienstleister für den 3D-Druck, gelingt damit aber nicht immer ganz so einfach. Trotzdem ist die Online-Plattform eine gute Wahl für Einsteiger; die Arbeit geht nach einiger Übung sehr flott von der Hand.
Der Autor
Bernhard Bablok ([email protected]) arbeitet bei der Allianz Managed&Operations Services SE als SAP-HR-Entwickler. Wenn er nicht Musik hört, mit dem Radl oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmieren und neuerdings Mini-Computer.
Infos
- Bastelrouter Banana Pi R1: Bernhard Bablok, “Freiverteiler”, RPG 04/2015, S. 68, http://www.raspi-geek.de/34599
- Tinkercad: https://www.tinkercad.com
- Fabb-IT: https://www.fabb-it.de
- 3DDrucken24: http://www.3ddrucken24.de
- 3DHubs: https://www.3dhubs.com
- Gehäuse auf Tinkercad: https://www.tinkercad.com/search/?q=pi2-case
- Markus’ Hub: https://www.3dhubs.com/munich/hubs/markus







