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Aus Raspberry Pi Geek 02/2016

Die wichtigsten Neuerungen in Raspbian “Jessie”

© Sebastian Kaulitzki, 123RF

Frisches Blut

Martin Loschwitz

In den aktuellen Releases basiert Raspian, das Standardbetriebssystem des Raspberry Pi, erstmals auf der aktuellsten Debian-Version 8 “Jessie” und bringt interessante Neuerungen mit, etwa die IoT-Applikation Node-RED.

Nicht zuletzt, weil der Raspberry Pi so etwas wie den Vorreiter in Sachen Mini-Rechner darstellt, stehen für ihn zahlreiche Betriebssysteme zur Auswahl, die meisten davon auf Linux-Basis. Wer seinen Mini-Rechner vorrangig als Multimedia-Zentrale nutzen will, ist mit OpenELEC und dem integrierten Kodi gut bedient. Wer den RasPi aber als Desktop-Ersatz verwenden möchte, der braucht eine komplette Distribution, die etwa auch die nachträgliche Installation von Paketen ermöglicht. Da Debian ohnehin auch für ARM-CPUs bereitsteht, war es nur ein kleiner Schritt hin zum maßgeschneiderten System für den Raspberry Pi.

Das Raspbian-Projekt stellt auf Basis des riesigen Debian-Archivs Abbilder zusammen, die sich direkt auf eine SD-Karte schreiben lassen und quasi sofort zu einem lauffähigen Betriebssystem führen. Auch eine Konfiguration für die wichtigsten Dienste integrieren die Entwickler bereits in die Distribution. Zudem reichern sie Raspbian um diverse Komponenten an, die bei Debian fehlen oder die Sie erst nachinstallieren müssten.

Das Ziel des Projekts ist es, den Raspberry Pi mit möglichst wenig Software für möglichst viele Aufgaben vorzubereiten, damit Anwender den Kleinrechner sofort als Alternative zum Desktop-Rechner verwenden können.

Neuer Maintainer

Die weite Verbreitung von Raspbian führt in der Community zu regem Treiben, wenn die Entwickler eine neue Version ankündigen. Ende September war es mal wieder so weit: Stolz kündigte Simon Long an, dass die neue Raspbian-Version namens “Jessie” ab sofort zum Download zur Verfügung steht.

Dass diese Ehre gerade Simon Long zuteilwurde, ist nur logisch: Obwohl er erst kürzlich zum RasPi-Team stieß, avancierte er schnell zu einem der aktivsten Raspbian-Entwickler. Viele Entscheidungen, die Long traf, führten zu Kritik: An diversen Stellen etwa entfernte er Hacks, worunter die Abwärtskompatibilität zu sehr alten Raspbian-Versionen litt. Im Großen und Ganzen genießt er aber innerhalb der Community einen guten Ruf – ohne seine intensive Mitarbeit hätte die Community vermutlich deutlich länger auf eine neue Version warten müssen.

Ende November schoben die Entwickler ein kleines Update für Raspbian “Jessie” nach, das einige Verbesserungen mitbringt und einige Fehler korrigiert. Insbesondere läuft Raspbian ab der Version 2015-11-21 auch problemlos auf dem Pi Zero, wo es vorher einige Probleme mit dem Zugriff auf Hauptspeicher und Schnittstellen gab.

Unter der Haube

In einem ausführlichen Blog-Post [1] geht Long auf die Veränderungen in den neuen Raspbian-Versionen ein. Die wichtigste Neuigkeit ist natürlich, dass der Unterbau jetzt auf Debian 8 “Jessie” basiert. Das spielt deshalb eine wichtige Rolle, weil es zweifellos die fundamentalste aller Änderungen in der neuen Raspbian-Version ist. In der Praxis fällt sie aber selten direkt auf.

Die Umstellung auf “Jessie” bringt Raspbian vornehmlich Updates bei quasi allen wichtigen Systemdiensten. Insbesondere führt sie auch Systemd ein, der das in die Jahre gekommene SysV-Init ablöst. Insgesamt verwaltet das aktuelle Release Dienste deutlich effizienter als zuvor. Ausdrücklich weist Long aber auch darauf hin, dass “Jessie” einige spezielle Zusatzfunktionen mitbringt, die die Raspbian-Entwickler manuell integrierten.

Grafische Oberfläche

Die erste auffällige Neuerung betrifft die grafische Oberfläche, die jetzt nach dem Start sofort erscheint. Wie gehabt nutzt Raspbian in der Grundeinstellung den ressourcenschonenden Desktop-Manager LXDE. Der Vorgänger auf “Wheezy”-Basis startete von Haus aus überhaupt keine grafische Oberfläche, sondern bootete in eine Shell, aus der heraus der Nutzer die GUI bei Bedarf selbst startet. Tatsächlich gibt sich das neue Raspbian also deutlich benutzerfreundlicher als der Vorgänger.

Wer sich bereits mit den Interna von LXDE oder Linux-Desktops allgemein beschäftigt hat, dem ist der Begriff Gtk+ beziehungsweise Gimp Toolkit sicher geläufig. Es handelt sich dabei um eine ursprünglich für die Bildbearbeitungssoftware Gimp konzipierte Grafikbibliothek. Mittlerweile bildet Gtk darüber hinaus unter anderem die Grundlage für Gnome und LXDE, also den Raspbian-Desktop.

In Raspbian “Jessie” setzt LXDE erstmals auf die Version 3 von GTK+ statt auf GTK+ 2 – zumindest weitgehend. Nutzer bemerken das durch leicht verbesserte Performance und einen etwas moderner wirkenden Desktop. Nicht alle Anwendungen wurden bislang jedoch schon auf GTK3 umgestellt. Bis zum vollständigen Umsetzen der neuen Optik dauert es wohl noch ein Weilchen.

Bereit für den Zero

Das erste Wartungsupdate von Raspbian “Jessie” erschien Ende November – nicht ohne Grund: Denn zwei Wochen zuvor hatte der Raspberry Pi Zero das Licht der Welt erblickt. Zur Erinnerung: Der Zero ist zwar der kleinste aller Raspberrys, schlägt dafür aber auch nur mit 5 Euro zu Buche.

Raspbian “Jessie” lässt sich auf dem Zero schon problemlos betreiben. Das war laut Simon Long auch der Grund dafür, dass die Raspbian-Entwickler sich über die neue Version bis zur offiziellen Vorstellung des RPi0 äußerst bedeckt hielten: Sie wollten dem jüngsten Spross der Raspberry-Pi-Familie nicht die Show stehlen. Inwiefern sich der Pi Zero im Alltag tatsächlich als nützlich erweist, muss sich erst noch zeigen. Das erweist sich derzeit jedoch zumindest in Deutschland als außerordentlich schwierig, da die Boards kaum zu bekommen sind.

Feintuning

Die Entwickler integrierten einen Tray-Button in die Oberfläche, über den Sie portable Speichergeräte auswerfen. Das klingt nach einer Lappalie, beseitigt aber ein wirklich lästiges Problem der Vorgängerversion: Dort geschah das Aushängen etwa von USB-Sticks noch über separate Tools oder die Kommandozeile. Darüber hinaus bietet Raspbian erstmals ein grafisches Werkzeug an, mit dem Sie verschiedene Parameter des Betriebssystems aus LXDE heraus steuern (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die neu hinzugekommene Konfigurationsoberfläche übernimmt analog zum Kommandozeilenprogramm Raspi-config das Setup von Raspbian.

Abbildung 1: Die neu hinzugekommene Konfigurationsoberfläche übernimmt analog zum Kommandozeilenprogramm Raspi-config das Setup von Raspbian.

Bis dato ging das nur mit dem Kommandozeilentool Raspi-config. Wer etwa lieber wieder in die Kommandozeile booten oder den Overscan der grafischen Oberfläche an- oder abschalten möchte, der erledigt das künftig bequem per GUI. Auch die beim Booten aktiven Schnittstellen, beispielsweise SSH oder den I2C-Bus, konfigurieren Sie aus dem Programm heraus. Per Klick schalten Sie darin sogar eine eventuell angeschlossene Kamera an oder ab. Selbstredend steht auch das Kommandozeilenpendant Raspi-config weiterhin zur Verfügung.

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