Aus Raspberry Pi Geek 02/2016

Die wichtigsten Neuerungen in Raspbian “Jessie” (Seite 2)

Raspbian “Jessie” lässt sich auf dem Zero schon problemlos betreiben. Das war laut Simon Long auch der Grund dafür, dass die Raspbian-Entwickler sich über die neue Version bis zur offiziellen Vorstellung des RPi0 äußerst bedeckt hielten: Sie wollten dem jüngsten Spross der Raspberry-Pi-Familie nicht die Show stehlen. Inwiefern sich der Pi Zero im Alltag tatsächlich als nützlich erweist, muss sich erst noch zeigen. Das erweist sich derzeit jedoch zumindest in Deutschland als außerordentlich schwierig, da die Boards kaum zu bekommen sind.

Feintuning

Die Entwickler integrierten einen Tray-Button in die Oberfläche, über den Sie portable Speichergeräte auswerfen. Das klingt nach einer Lappalie, beseitigt aber ein wirklich lästiges Problem der Vorgängerversion: Dort geschah das Aushängen etwa von USB-Sticks noch über separate Tools oder die Kommandozeile. Darüber hinaus bietet Raspbian erstmals ein grafisches Werkzeug an, mit dem Sie verschiedene Parameter des Betriebssystems aus LXDE heraus steuern (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die neu hinzugekommene Konfigurationsoberfläche übernimmt analog zum Kommandozeilenprogramm Raspi-config das Setup von Raspbian.

Abbildung 1: Die neu hinzugekommene Konfigurationsoberfläche übernimmt analog zum Kommandozeilenprogramm Raspi-config das Setup von Raspbian.

Bis dato ging das nur mit dem Kommandozeilentool Raspi-config. Wer etwa lieber wieder in die Kommandozeile booten oder den Overscan der grafischen Oberfläche an- oder abschalten möchte, der erledigt das künftig bequem per GUI. Auch die beim Booten aktiven Schnittstellen, beispielsweise SSH oder den I2C-Bus, konfigurieren Sie aus dem Programm heraus. Per Klick schalten Sie darin sogar eine eventuell angeschlossene Kamera an oder ab. Selbstredend steht auch das Kommandozeilenpendant Raspi-config weiterhin zur Verfügung.

Ein weiteres für viele Anwender ärgerliches Problem lösten die Entwickler in dem aktuellen Release: Nach dem Systemstart lässt sich die Sprache zwar auf Deutsch umstellen, die Tastatur nutzt aber weiterhin das englische Layout. Abhilft schafft jetzt ein grafisches Modul, in dem Sie das gewünschte Tastaturlayout per Klick festlegen. Bisher erledigten Nutzer das entweder über die Kommandozeile oder über ein separates grafisches Werkzeug. Ähnliches gilt für das LXDE-Menü, das nun einen eigenen Editor mitbringt.

RasPi als Desktop

Der selbst postulierte Anspruch der Raspbian-Entwickler ist, ein System anzubieten, das allen Bedürfnissen eines modernen Desktop-Rechners gerecht wird. Den bisherigen Raspbian-Versionen fehlte dafür aber eine Office-Umgebung, etwa in Form von Libre- oder OpenOffice.

Diese bringt “Jessie” jetzt in Form von LibreOffice (Abbildung 2) mit. Wunder darf man von der letztlich eher schmalbrüstigen Hardware freilich nicht erwarten; bis LibreOffice geladen ist, dauert es eine ganze Weile. Wenn es um normale Briefe oder ähnliche Dokumente geht, lässt sich damit aber durchaus flüssig arbeiten.

Abbildung 2: LibreOffice macht aus Raspbian "Jessie" eine vollwertige Suite für alle wichtigen Aufgaben des Büroalltags.

Abbildung 2: LibreOffice macht aus Raspbian “Jessie” eine vollwertige Suite für alle wichtigen Aufgaben des Büroalltags.

Darüber hinaus spendierten die Entwickler dem System erstmals einen E-Mail-Client. Das leichtgewichtige Claws Mail basiert auf GTK+ und beherrscht alle wichtigen Funktionen, die Nutzer von einem modernen Mailprogramm erwarten dürfen. Dazu gehören unter anderem die IMAP-Unterstützung sowie das Ver- und Entschlüsseln von Nachrichten. Dank der Plugin-Schnittstelle erweitern Sie unkompliziert den Funktionsumfang der Software nach Ihren eigenen Bedürfnissen. Die Claws-Webseite bietet dafür eine beachtliche Liste [2] fertiger Erweiterungen.

Dem Ziel, Raspbian zu einem echten Desktop-System zu machen, kommen die Entwickler in der aktuellen Version somit ein großes Stück näher. Der Gnome-Browser Epiphany gehörte ohnehin bereits zum Lieferumfang des Systems; mehr als einen Webbrowser, eine Büro-Suite und ein E-Mail-Programm brauchen viele Nutzer gar nicht.

TIPP

Das Betätigen von [Druck] erzeugt in Raspbian “Jessie” einen Screenshot, den die Software in Ihrem Heimatverzeichnis ablegt.

Paketmanagement

Wem die Bandbreite der vorhandenen Programme nicht ausreicht, der lädt zusätzliche Software aus dem Raspbian-Archiv nach. Mit “Jessie” geht das deutlich komfortabler als bisher, denn die Entwickler legen dem System eine adaptierte Version des Gnome-Paketmanagers bei, die perfekt auf die Belange von Raspbian zugeschnitten ist (Abbildung 3). Links findet sich die Liste von Programmkategorien, rechts davon die jeweils darin enthaltenen Pakete.

Abbildung 3: Zum bequemeren Verwalten der Software spendierten die Entwickler dem System den Gnome-Paketmanager, der aber Raspbian-spezifische Anpassungen enthält.

Abbildung 3: Zum bequemeren Verwalten der Software spendierten die Entwickler dem System den Gnome-Paketmanager, der aber Raspbian-spezifische Anpassungen enthält.

Zurück zu den Wurzeln

Der Hype um die Mini-Computer lässt viele Nutzer vergessen, was eigentlich die ursprüngliche Motivation hinter dem Projekt war: Weniger gut betuchten Menschen ein Werkzeug an die Hand zu geben, um sich mit Computern vertraut zu machen und das Programmieren zu lernen.

In “Jessie” nahmen die Entwickler auch dieses Ziel wieder deutlicher ins Visier: Die Werkzeuge BlueJ und Greenfoot greifen Programmierern beim Verfassen von Java-Code unter die Arme. Dabei arbeiten die Programme relativ ressourcenschonend und funktionieren trotzdem sehr gut.

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