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Aus Raspberry Pi Geek 01/2015

Dateien rekonstruieren mit Magicrescue

© Loopall, 123RF

Magischer Rettungsring

Erik Bärwaldt

Fehlerhaftes Aushängen beschädigt bei SD-Karten und USB-Sticks schnell das Dateisystem. Mit Magicrescue gelangen Sie trotzdem noch an Ihre Daten.

README

Das kleine Tool Magicrescue birgt selbst dann noch einen Großteil der Daten von Flash-Speichermedien, wenn die Partition darauf sich nicht mehr lesen lässt.

Flash-Speichermedien haben CDs und DVDs als Datenträger weitgehend abgelöst. Doch die weit verbreiteten USB-Sticks und SD-Karten bringen auch Nachteile mit sich: Entfernt man sie einfach aus dem Computer, ohne das Dateisystem vorher sauber auszuhängen, treten schnell Inkonsistenzen auf, die das Medium unlesbar machen. Mit Linux und dem Tool Magicrescue können Sie Ihre Daten jedoch in vielen Fällen retten.

Magische Nummern

Im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Werkzeugen verlässt sich Magicrescue bei seiner Arbeit nicht auf die Zuordnungstabellen des Dateisystems, sondern auf die “Magic Numbers” der unterschiedlichen Dateitypen. Daher arbeitet die Software auch dann, wenn Partitionen beschädigte Dateizuordnungstabellen aufweisen und sich deshalb nicht mehr mit Sicherheit rekonstruieren lassen.

Die sogenannten Magic Numbers, die Magicrescue zur Datenwiederherstellung nutzt, finden sich in den Headern nahezu aller Dateien vor den Nutzdaten und kennzeichnen in standardisierter Form den Dateityp. Über die jeweilige Magic Number identifizieren die meisten Applikationsprogramme den Typ der Datei und entscheiden anschließend, ob sie die Datei öffnen können oder den Typ nicht unterstützen. Das funktioniert unabhängig von der Dateinamenserweiterung.

Funktionsweise

Magicrescue hilft daher auch in Fällen weiter, in denen eine beschädigte Partition den direkten Zugriff auf das Speichermedium vereitelt: Die Software liest sämtliche Sektoren eines Blockgerätes aus und vergleicht die so ermittelten Daten mit den Magic Numbers der gesuchten Dateitypen. Findet Magicrescue dabei übereinstimmende Ergebnisse, so kopiert es den betreffenden Sektor sowie dessen Folgesektoren auf ein anderes Speichermedium und stellt auf diesem Weg die Datei wieder her.

Magicrescue unterstützt dabei eine Vielzahl von Dateitypen, die Palette reicht von AVI-Dateien über MP3-Audio bis hin zu ZIP-Archiven. Dabei kann die Software auch Metadaten in den Suchvorgang mit einbeziehen: So können Sie JPEG-Dateien, die Exif-Metadaten einer Digitalkamera enthalten, ebenso als Suchkriterium festlegen wie JPEG-Dateien ohne Exif-Informationen.

Die unterschiedlichen Dateiformattypen entnimmt Magicrescue sogenannten Recipes, die als Vorlage dienen und Parameter für die Befehlseingabe im Terminal darstellen. Unter Ubuntu liegen diese Wiederherstellungsrezepte beispielsweise im Verzeichnis magicrescue/recipes/ unterhalb von /usr/share/. Da es sich bei den Recipes um einfache Textdateien handelt, legen Sie im Bedarfsfall in jedem beliebigen Texteditor ein neues Recipe an (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ein einfaches Rezept zur Rekonstruktion von PNG-Dateien.

Abbildung 1: Ein einfaches Rezept zur Rekonstruktion von PNG-Dateien.

Los geht’s

Die meisten Distributionen führen Magicrescue bereits in ihren Repositories, sodass sie das kleine in aller Regel bequem über das entsprechende grafische Frontend installieren [1]. Anschließend lassen Sie sich am besten erst einmal durch Eingabe des Befehls magicrescue ohne weitere Parameter die überschaubare Anzahl an Optionen und deren Bedeutung anzeigen (Abbildung 2). Durch die mehrfache Verwendung des Parameters -r rekonstruieren Sie simultan in einem Durchlauf mehrere unterschiedliche Dateiformate.

Abbildung 2: Magicrescue verwendet eine unkomplizierte Syntax.

Abbildung 2: Magicrescue verwendet eine unkomplizierte Syntax.

Um den Suchlauf und die Rekonstruktion zu starten, sollten Sie zunächst mithilfe des Befehls mkdir Ordner ein Verzeichnis anlegen, in dem Sie die wiederhergestellten Dateien ablegen. Anschließend wechseln Sie in das Verzeichnis mit den Recipes, da Magicrescue beim Erkennen der Dateitypen auf diese zugreift. Nun geben Sie auf der Kommandozeile den folgenden Befehl ein:

$ magicrescue -r Recipe_1 [...] -r Recipe_n -d Zielordner Gerät

Dabei geben Sie das Gerät mit den zu rettenden Daten in Form einer Partition auf einem Blockgerät an, beispielsweise /dev/sdb1 oder bei SD-Karten /dev/mmcblk0p1. Tippen Sie hier versehentlich ein Verzeichnis oder nur den Gerätenamen an, quittiert Magicrescue das mit einer entsprechenden Fehlermeldung.

TIPP

Zeigt Magicrescue beim Suchlauf zwar gefundene Dateien an, wirft jedoch die Fehlermeldung Command not found aus, so fehlen zur Rekonstruktion der gefundenen Daten benötigte Drittprogramme. Dieses Problem tritt meist im Kontext mit JPEG-Dateien auf, zu deren Wiederherstellung Magicrescue das Programm Jpegtran verwendet. Das wiederum steckt in den Software-Repositories der meisten Distributionen im einem Paket namens jpeg-progs oder libjpeg-progs.

Nach dem Start sucht Magicrescue die Quellpartition ab und speichert dem Suchmuster entsprechende Dateien im Zielverzeichnis (Abbildung 3). Das Absuchen der einzelnen Sektoren kann selbst auf schnellen Flash-Medien mit niedrigen Zugriffszeiten je nach Größe des Datenträgers geraume Zeit in Anspruch nehmen. Daher eignet sich Magicrescue auch weniger zur Rekonstruktion von Dateien von großen Festplatten- oder SSD-Partitionen.

Abbildung 3: Magicrescue hält Sie über den Bearbeitungsstand auf dem Laufenden.

Abbildung 3: Magicrescue hält Sie über den Bearbeitungsstand auf dem Laufenden.

Vorsortiert

Sofern Sie mittels des Parameters -r mehrere unterschiedliche Dateitypen zur Rekonstruktion angegeben haben, legt Magicrescue diese alle im Zielverzeichnis ab. Da es unter Umständen sehr viele Dateien rekonstruiert, fällt der Datenbestand sehr schnell unübersichtlich aus. Mithilfe des zusammen mit Magicrescue eingerichteten Programms Magicsort können Sie nach erfolgreicher Rekonstruktion die Dateien nach Dateitypen sortieren. Dazu geben Sie den Befehl magicsort Zielverzeichnis ein. Magicsort legt nun für jeden Dateityp ein eigenes Unterverzeichnis an und sortiert die Dateien entsprechend dorthin.

Fazit

Mithilfe des kleinen Tools Magicrescue können Sie Dateien auch dann noch rekonstruieren, wenn die betreffende Partition beschädigt ist. Dabei arbeitet das Programm sehr zuverlässig, da es sich nicht an Zuordnungstabellen orientiert (die ebenfalls beschädigt oder unvollständig sein können), sondern sektorweise den Datenträger abtastet und die einzelnen Blöcke nach den Magic Numbers in den Dateiheadern durchsucht. Die Software eignet sich damit primär für Flash-Medien wie USB-Sticks oder SD-Karten, die nach einem unsauberen Aushängen ein korruptes Dateisystem aufweisen. 

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