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Aus Raspberry Pi Geek 06/2017

Shell-Skripte selbst schreiben (Teil 2)

© Liu Liming, 123RF

Verschlungene Pfade

Harald Zisler

Mit Schleifen, Fallunterscheidungen und Funktionen programmieren Sie komplexe Skripte auf einfache und elegante Weise.

Im ersten Teil des Workshops in der vorigen Ausgabe [1] haben Sie bereits etliche Konstrukte kennengelernt, mit denen Sie einfache Tests und Zuweisungen vornehmen. In diesem Teil lernen Sie, wie Sie entsprechend bestimmten Bedingungen im Shell-Code verzweigen.

Wenn, dann

Das If-Konstrukt kommt zum Einsatz, um etwa den Erfolg respektive Misserfolg eines Befehls oder die Beschaffenheit von Dateien, Verzeichnissen und Variablen auszuwerten und Folgerungen daraus zu ziehen. Eine einfache Variante besteht aus dem einleitenden if, der Folgerung then und dem abschließenden Statement fi.

Bei Bedarf erweitern Sie das Konstrukt um weitere Verzweigungen mit elif [Bedingung]; then. Mit else rufen Sie eine Anweisung auf, die greift, wenn zuvor alle Bedingungen nicht greifen. In diesem Fall entfällt allerdings das abschließende then. Das ermöglicht ein Verschachteln und damit das Entwerfen komplexerer Verzweigungen (Listing 1).

Listing 1

 

if [ Bedingung1 ]; thenAnweisung1
elif [ Bedingung2 ]; thenAnweisung2
elif [ Bedingung3 ]; then
  if [ Bedingung3A ]; thenAnweisung3A
  fi
[...]
elseAnweisung4
fi

Beim Skript aus Listing 2 finden Sie in der dritten Zeile eine Befehlsfolge, die prüft, ob das Verzeichnis versuch existiert. Fehlt das Verzeichnis, legt das Skript es an. Die dazu verwendete Befehlsverkettung ist zwar kompakt, aber auch gleichermaßen kryptisch. Eleganter und wesentlich verständlicher fällt das Ganze mithilfe eines If-Konstrukts aus (Listing 3).

Listing 2

 

#!/bin/bash
# Prüfen:                      Anlegen:
ls versuch > /dev/null 2>&1 || mkdir versuch

Listing 3

 

#!/bin/sh
if [ ! -d versuch ]; then
  mkdir versuch;
fi

Mehrfach verzweigen

Mit dem Case-Befehl lösen Sie übersichtlich die Aufgabe, mehrere unterschiedliche Werte je einer Aktion zuzuweisen. Damit programmieren Sie etwa ein Menü, das Eingaben mit unterschiedlichen Zeichen ermöglicht. Sie leiten das Konstrukt mit dem Schlüsselwort case ein; mittels der Umkehrung esac beenden Sie es wieder. Listing 4 zeigt die grundsätzliche Form der mehrfachen Verzweigung.

Listing 4

 

case "$VARIABLE" inWerte1)AnweisungAnweisung
    ;;Werte2)Anweisung
    ;;
  *)Fallback-Anweisung ;;
esac

Die einzelnen Werte trennen Sie mit dem Pipe-Zeichen | ab. In der Praxis könnte der Code für das Abfragen einer Bestätigung beim Benutzer wie folgt aussehen:

[jJ]|[yY]|Z|Ja|ja)
  echo "Zugestimmt" ;;

Dabei dürfen Sie sowohl sogenannte Wildcards verwenden als auch ganze Wörter einsetzen. Bei der letzten Alternative in der Kette setzen Sie die Joker-Zeichen ? und * ein. Das entspricht dann vom Prinzip her der Else-Klausel des If-Konstrukts.

Iterationen

Eine For-Schleife läuft solange, bis ihr die Argumente ausgehen. Die stammen in vielen Fällen aus einer Subshell, in selteneren Fällen aus einer echten Liste von Werten. Die Anweisung do leitet den Anweisungsteil ein, mit done schließen Sie diesen ab (Listing 5).

Listing 5

 

for Variable in Argumente; doAnweisungen
done

Bei der Arbeit mit der Schleife dürfen Sie Positionsparameter verwenden. Diese geben Sie als Variable [email protected] an (Listing 6). Alternativ geben Sie feste Werte für die Argumente vor. Diese fügen Sie einfach nach dem in an (Listing 7).

Listing 6

 

#!/bin/sh
for i in "[email protected]"; do
  echo $i
done
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