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Aus Raspberry Pi Geek 04/2019

Schlanker Konsolen-Texteditor Nano im Detail

© ktsdesign, 123RF

Handliches Werkzeug

Harald Zisler

Nano dient nicht nur auf dem RasPi als Standard-Texteditor, sondern liegt auch vielen Linux-Distributionen bei. Trotz seiner Leichtigkeit lässt sich damit bestens professionell arbeiten.

Nano ist die GNU-Entsprechung des Pico, der zum E-Mail-Programm Pine gehört. Gegenüber dem Original wurde er um viele Funktionen erweitert; die Projektseite mit aktuellen Informationen finden Sie unter https://www.nano-editor.org. Das laufend gepflegte Programm liegt vielen Distributionen bei. Auf dem Raspberry Pi nimmt der vorinstallierte Nano den Rang des Standard-Texteditors ein.

Der Editor legt seine Konfiguration zentral in der Datei /etc/nanorc ab. Wenn Sie von den systemweit gültigen Festlegungen abweichen möchten, legen Sie eine Kopie mit dem Dateinamen .nanorc in Ihrem Heimatverzeichnis an. Ohne diese Datei startet das Programm mit den Grundeinstellungen und sieht dann wie in Abbildung 1 gezeigt aus.

Abbildung 1: Der Texteditor Nano mit den Vorgabeeinstellungen aus <code>/etc/nanorc</code>.

Abbildung 1: Der Texteditor Nano mit den Vorgabeeinstellungen aus /etc/nanorc.

Mit den im Folgenden gezeigten Einstellungen ändert sich die Ansicht (Abbildung 2). Syntax-Hervorhebung, ein farbiges Menü sowie Zeilennummern fallen als Erstes auf. Auch die Terminaleinstellungen wurden hierfür geändert, es kommt ein dunkler Hintergrund zum Einsatz.

Abbildung 2: Nano mit einer ge&auml;nderten, systemweiten Konfiguration in <code>/etc/nanorc</code>.

Abbildung 2: Nano mit einer geänderten, systemweiten Konfiguration in /etc/nanorc.

Die entsprechenden Einstellungen in der /etc/nanorc für dieses Aussehen und einige andere Funktionen sehen Sie in der Tabelle “Einstellungen in nanorc“. Zusätzlich wurde das Verzeichnis ~/.nanobackup/ angelegt, in dem der Editor vor dem Speichern einer Änderung ein Abbild der bearbeiteten Datei ablegt.

Einstellung

Funktion/Hinweis

set backup

Backup anlegen

set backupdir "~/.nanobackup"

Angabe eines Backup-Verzeichnisses

set historylog

Historie der Begriffe für Suchen / Suchen und Ersetzen

set linenumbers

Zeilennummern anzeigen

set locking

Dateisperren verwenden

set mouse

Mausunterstützung aktivieren (GUI, Konsole mit Gpm)

set softwrap

Zeileninhalte bei Bedarf umbrochen anzeigen (Abbildung 3)

set suspend

Editor lässt sich mittels [Strg]+[Z] in den Hintergrund schicken

set whitespace "»·"

angegebene Zeichen für Tabulator (hier: “»”) und Leerzeichen (“·”) einblenden

set titlecolor brightwhite,blue

Titel in weißer Schrift auf blauem Hintergrund

set numbercolor cyan

Farbe der Zeilennummern

set statuscolor brightwhite,green

Statusmeldungen mit weißer Schrift auf grünem Hintergrund

set keycolor green

Farbe der Tasten für Funktionsaufrufe

set functioncolor yellow

Farbe der Funktionen

include "/usr/share/nano/*.nanorc"

Einbinden der Dateien für die Syntax-Hervorhebung

bind ^S savefile main

“Sichern ohne Rückfrage” mit [Strg]+[S] aufrufen

bind M-Q findprevious main

“Einen Suchtreffer zurück” mit [Alt]+[Q] aufrufen

bind M-W findnext main

“Einen Suchtreffer vorwärts” mit [Alt]+[M] aufrufen

Abbildung 3: Ein Dollarzeichen am Zeilenende signalisiert eine &uuml;berlange Zeile (oben). Mit der Einstellung <code>set softwrap</code> bricht Nano solche Zeilen um (unten).

Abbildung 3: Ein Dollarzeichen am Zeilenende signalisiert eine überlange Zeile (oben). Mit der Einstellung set softwrap bricht Nano solche Zeilen um (unten).

Haben Sie ein Backup-Verzeichnis angelegt und set backup mit set backupdir Pfad in nanorc eingetragen, finden Sie die angelegten Dateien mit einer Pfadangabe hier abgelegt (Abbildung 4). Damit können Sie, falls es einmal ein Malheur gibt, den alten Stand einer Datei wiederherstellen.

Abbildung 4: Aus dem Inhalt des Backup-Verzeichnisses stellen Sie bei Bedarf versehentlich ver&auml;nderte Dateien wieder her.

Abbildung 4: Aus dem Inhalt des Backup-Verzeichnisses stellen Sie bei Bedarf versehentlich veränderte Dateien wieder her.

Arbeiten mit Nano

Ein gut konfigurierter Nano erweist sich als komfortables und übersichtliches Textwerkzeug. Mehr Platz im Sichtfeld schafft ein Druck auf [Alt]+[X], der das Menü am unteren Fensterrand ausblendet. Ein erneutes Betätigen der Tastenkombination holt es wieder hervor.

Eine nicht gewollte Änderung nehmen Sie jederzeit mit [Alt]+[U] zurück. Mit [Strg]+[C] brechen Sie im Bedarfsfall eine eingeleitete Aktion (Speichern, Öffnen, Ersetzen usw.) ab. Eine zurückgenommene Aktion führen Sie gegebenenfalls mit [Alt]+[E] erneut aus.

Sie können Text auf mehrere Arten markieren. Über die Tastatur setzen Sie dazu mit [Alt]+[A] eine Startmarke und wählen dann mit den Pfeiltasten den fraglichen Text aus. Alternativ benutzen Sie die Maus, sofern Nano entweder in einem Terminal auf der grafischen Oberfläche läuft oder Sie im reinen Textmodus – etwa beim Zugriff auf einen Headless-RasPi – durch [Alt]+[M] die Mausbedienung aktiviert haben. Letzteres setzt allerdings voraus, dass auf dem fraglichen Rechner der Maus-Systemdienst Gpm läuft.

Zum Kopieren markieren Sie den gewünschten Textausschnitt und drücken [Alt]+[:*6:*]. Dann springen Sie mit der Schreibmarke an die Stelle, an die Sie den markierten Text platzieren möchten. Drücken Sie nun [Strg]+[U], fügt Nano den Text ein.

Zum Ausschneiden respektive Verschieben von Text markieren Sie den gewünschten Textausschnitt und drücken [Strg]+[K]. Möchten Sie direkt untereinanderstehende Zeilen ausschneiden oder verschieben, genügt das Drücken von [Strg]+[K], bis der gewünschte Bereich nicht mehr angezeigt wird. Um den ausgeschnittenen Bereich an anderer Stelle wieder einzufügen, genügt ein Druck auf [Strg]+[U].

Mit [Alt]+[T] löschen Sie den Text von der aktuellen Cursorposition aus bis zum Dateiende. Auch diesen Block fügen Sie bei Bedarf an anderer Stelle mittels [Strg]+[U] wieder ein.

Suchen und Ersetzen

Eine Suche im Text leiten Sie mit [Strg]+[W] ein. Dann geben Sie den Suchbegriff ein und drücken die Eingabetaste. Findet Nano eine entsprechende Textstelle, springt die Schreibmarke dorthin. Von dort aus navigieren Sie mittels [Alt]+[W] vorwärts und, sofern aktiviert, mittels [Alt]+[Q] rückwärts.

Mit [Alt]+[R] leiten Sie das Suchen und Ersetzen ein. Zunächst tippen Sie den Suchbegriff ein (Abbildung 5, oben) und drücken dann die Eingabetaste. Anschließend geben Sie den Ersatzbegriff ein (Abbildung 5, Mitte) und drücken wiederum [Eingabe]. Nano fragt Sie nun bei jeder Fundstelle, wie verfahren werden soll (Abbildung 5, unten), wobei der Editor auch die Möglichkeit bietet, alle Fundstellen in einem Rutsch zu ersetzen. Geht dabei etwas daneben, stellen Sie mittels [Alt]+[U] den vorigen Zustand wieder her.

Abbildung 5: Der Ablauf beim Suchen und Ersetzen. Geht dabei etwas daneben, l&auml;sst sich der Ausgangszustand mit <span class="key-combo">[Alt]+[U]</span> wiederherstellen.

Abbildung 5: Der Ablauf beim Suchen und Ersetzen. Geht dabei etwas daneben, lässt sich der Ausgangszustand mit [Alt]+[U] wiederherstellen.

Beim Bearbeiten größerer Textabschnitte können Sie das Ergebnis mittels [Strg]+[S] ohne weitere Rückfragen gelegentlich zwischenspeichern. Um eine bearbeitete Datei (gegebenenfalls mit abweichendem Dateinamen) zu sichern, drücken Sie [Strg]+[O]. Um die Datei abzuspeichern und den Editor dann zu beenden, verwenden Sie die Tastenkombination [Strg]+[X].

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