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Aus Raspberry Pi Geek 06/2018

Einführung in den Texteditor Nano

© Ivan Mikhaylov, 123RF

Funken schlagen

Pit Noack

Der Texteditor Nano gibt sich im Namen demonstrativ bescheiden. Doch der erste Eindruck täuscht, denn das kleine Programm beweist im Alltag Größe.

Dieses Szenario kennt wohl jeder RasPi-Nutzer: Ein frisch aufgesetztes Raspbian-System nutzt einen angeschlossenen HDMI-Monitor nicht vollständig, es bleibt ein schwarzer Rahmen ums Bild [1]. Sie lösen dieses Problem, indem Sie in der Datei /boot/config.txt bei der Zeile #disable_overscan=1 das # am Anfang entfernen. Nach einem Reboot verschwindet der schwarze Rand.

Derartige Eingriffe in für normale User schreibgeschützte Dateien erledigen Sie kurzerhand im Terminal mit dem Editor Nano [2]. Das Kommando sudo nano /boot/config.txt öffnet die Datei zum Bearbeiten mit Admin-Rechten.

Spätestens, wenn Sie einen RasPi headless, also ohne Bildschirm, im Netzwerk über SSH steuern und dann womöglich noch Skripte und Programme etwa in Python oder C entwickeln wollen, lohnt es sich, Nano besser zu verstehen. Das Programm bietet zwar einen geringeren Leistungsumfang als vergleichbare Werkzeuge wie Vim oder Emacs, aber es erfordert viel weniger Zeit zum Einarbeiten.

Im Schraubstock

Das Nano-Fenster besteht aus vier Bereichen (Abbildung 1): Die obere Zeile zeigt die Nano-Versionsnummer und gegebenenfalls Namen und Bearbeitungsstand der geöffneten Datei an. Den größten Teil des Fensters nimmt die Darstellung des Textbuffers ein. Stellen Sie sich den Textbuffer wie einen Schraubstock vor, in dem Sie Ihr Werkstück (also einen Text) bearbeiten.

Abbildung 1: Die Oberfläche besteht aus vier Bereichen: Titelzeile, Textbuffer, Statuszeile und Auswahl der Befehle.

Abbildung 1: Die Oberfläche besteht aus vier Bereichen: Titelzeile, Textbuffer, Statuszeile und Auswahl der Befehle.

Die Statuszeile darunter dient der Ausgabe von Meldungen des Programms und der Eingabe etwa von Zeichenketten für die Suche oder von Dateinamen beim Speichern. Ganz unten finden Sie ein Menü mit Befehlen. Es liefert eine Liste elementarer Tastaturkürzel oder Optionen bei Statusmeldungen. Wenn Sie mit einer deutschen Tastatur und dem entsprechenden Layout arbeiten, dann steht das Caret-Zeichen (^) für [Strg] und M für [Alt] (siehe dazu Kasten “Alt oder Esc?”)

Alt oder Esc?

Abhängig etwa von der Tastatur oder dem Tastaturlayout kommt es vor, dass Kombinationen, die [Alt] enthalten, unwirksam bleiben oder Unerwünschtes bewirken. Auf dem Testsystem mit Raspbian Lite und der Locale de_DE.UTF-8 sowie der Keyboard-Konfiguration Generic 101-key-PC mit deutschem Layout funktionierte etwa der Befehl [Alt]+[AltGr]+[**9**] zum Finden von Klammerpaaren nicht. In solchen Fällen ersetzten Sie das [Alt] durch ein [Esc]: [Esc],[AltGr]+[**9**] arbeitete wie gewünscht.

Rufen Sie den Editor per Befehl auf der Kommandozeile ohne Argument auf, dann starten Sie mit einem leeren Textbuffer. Schreiben Sie nano Datei, so gibt es zwei Möglichkeiten: Sofern die im Pfad bezeichnete Datei bereits existiert, öffnet das Programm sie zum Bearbeiten, kopiert sie also in den Buffer. Existiert sie noch nicht, starten Sie mit einem leeren Buffer, den das Programm dann beim ersten Speichern unter dem angegebenen Pfad sichert.

Das Speichern erledigen Sie mit der Tastenkombination [Strg]+[O] oder beim Beenden des Programms per [Strg]+[X] (siehe Tabelle “Grundlegende Befehle”). Die Statuszeile bietet Ihnen dann die Gelegenheit, den Pfad einzugeben, zu bestätigen oder zu modifizieren.

Grundlegende Befehle

Kürzel

Funktion

[Strg]+[O]

Speichern

[Strg]+[X]

Beenden

[Alt]+[U]

Letzte Aktion zurücknehmen

[Strg]+[G]

Hilfe öffnen

Navigation

[Strg]+[B]

ein Zeichen zurück

[Strg]+[F]

ein Zeichen vor

[Strg]+[Pfeil links]

ein Wort zurück

[Strg]+[Pfeil rechts]

ein Wort vor

[Strg]+[A]

zum Zeilenanfang

[Strg]+[E]

zum Zeilenende

[Strg]+[P]

zur vorherigen Zeile

[Strg]+[N]

zur folgenden Zeile

[Strg]+[Pfeil oben]

zum vorherigen Absatz

[Strg]+[Pfeil unten]

zum folgenden Absatz

[Alt]+[**9**]

zum Absatzbeginn

[Alt]+[**0**]

hinter das Absatzende

[Strg]+[Y]

Bildschirmseite nach oben

[Strg]+[V]

Bildschirmseite nach unten

[Strg]+[Umschalt]+[-]

Cursor auf Zeile/Spalte positionieren

[Alt]+[AltGr]+[**9**]

zur korrespondierenden Klammer springen

Auswählen, Kopieren, Einfügen

[Alt]+[A]

Markierung an Cursorposition beginnen / Markierung aufheben

[Alt]+[**6**]

Zeile oder markierten Bereich in Zwischenablage kopieren

[Strg]+[K]

Zeile oder markierten Bereich ausschneiden

[Strg]+[U]

Inhalt der Zwischenablage an der Cursorposition einfügen

[Strg]+[D]

Zeichen an der Cursorposition löschen

[Strg]+[H]

Zeichen links vom Cursor löschen

[Strg]+[R]

Inhalt einer Datei an Cursorposition einfügen oder (im Multibuffer-Modus) in neuem Buffer öffnen

Suchen und Ersetzen

[Strg]+[W]

Suchen

[Alt]+[W]

zur nächsten Fundstelle springen

[Alt]+[R]

Suchen und Ersetzen

[Alt]+[B]

im Suchmodus die Suchrichtung umkehren

Ohne Maus

Wenn Sie nicht ohnehin eine Distribution ohne grafische Bedienoberfläche wie Raspbian Lite nutzen oder den RasPi per SSH über die Kommandozeile steuern, empfiehlt es sich, direkt beim Einstieg in Nano die Maus beiseitezulegen. So nützlich dieses Eingabegerät in vielen Situationen sein mag, beim Verfassen von Texten oder Quellcodes erweist es sich als Bremsklotz.

Wer jemals einen Profi beim Programmieren beobachtet hat, merkt schnell, dass die Finger die Tastatur nur für den Griff zur Kaffeetasse verlassen und die Maus bestenfalls eine Nebenrolle spielt. Das Navigieren im Text klappt nach einer gewissen Zeit deutlich flotter per Tastaturkürzel. Die Tabelle “Grundlegende Befehle” zeigt die wichtigsten Befehle zum Positionieren des Cursors.

Wie LibreOffice und Konsorten besitzt Nano eine Zwischenablage zum Speichern von Textteilen. Die Dreifaltigkeit des Ausschneidens, Kopierens und Einfügens läuft hier aber etwas anders ab: Die Auswahl geht immer von der aktuellen Cursorposition aus: [Alt]+[**6**] kopiert die aktuelle Zeile in die Zwischenablage, [Strg]+[K] schneidet sie aus. [Strg]+[U] fügt den Inhalt der Zwischenablage an der aktuellen Position ein.

Die Auswahl beschränkt sich nicht auf Zeilen: Mit [Alt]+[A] beginnen Sie eine Markierung an der aktuellen Cursorposition. Anschließend nutzen Sie die Befehle zum Navigieren, um den Cursor zu bewegen und die zweite Grenze des markierten Bereichs zu verschieben. Ein erneutes Drücken von [Alt]+[A] stoppt das Markieren.

Möchten Sie das folgende Beispiel nachvollziehen, laden Sie den Text – ein Gedicht von Joachim Ringelnatz – mit dem Befehl aus Listing 1 herunter. Folgende drei Befehle markieren den ersten Absatz des Gedichts (Abbildung 1): Mit [Alt]+[**8**] springen Sie zum Anfang des ersten Absatzes, dann starten Sie mit [Alt]+[A] das Markieren und springen mit [Alt]+[**0**] ans Ende des Absatzes.

Listing 1

 

$ wget http://pitnoack.de/dl/buecher.txt
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