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Aus Raspberry Pi Geek 04/2019

Daten und Partitionen effektiv sichern

© Alexandr Shirokov, 123RF

Weggepackt

Anzela Minosi

Tools wie Dd, Tar und Backup-Manager erlauben eine schnelle, bequeme und gegebenenfalls automatisierte Datensicherung.

Auch Daten auf der SD-Karte eines Raspberry Pi gehen gelegentlich unwiderruflich verloren – gemäß Murphys Law vorrangig solche, in die man besonders viel Zeit investiert hat, wie etwa die Quelldateien einer selbst entwickelten Software oder Webseite. Davor schützt auch kein noch so ausgefeiltes Versionierungssystem: Selbst mit einem Tool wie Mercurial [1] kann man aus Versehen einen Befehl ausführen, der sämtliche Daten im Repository löscht.

Vor solchen ärgerlichen Datenverlusten, sei es durch menschliches oder technisches Versagen, schützt nur eines wirklich zuverlässig: eine regelmäßige Datensicherung. Für ein zuverlässiges Backup müssen Sie keine Kosten in ein professionelles Wiederherstellungsprogramm investieren. Wie jede Linux-Distribution bringt auch Raspbian in seinen Bordmitteln clevere Tools mit, um eine zuverlässige Datensicherung zu gewährleisten.

Backup 1.0

Zu diesen hauseigenen Werkzeugen gehört unter anderem der Befehl Dd [2]. Er ermöglicht es, eine komplette Partition zu sichern und als Abbilddatei zu speichern. Der Vorteil solcher Images liegt auf der Hand: Sie können sie wie eine Partition ganz einfach ins Dateisystem einhängen, um sie anschließend nach bestimmten Dateien zu durchforsten.

Als Zielort für die Datensicherung eignet sich am besten ein externes Gerät wie ein USB-Stick. Dazu lassen Sie sich, nachdem Sie ihn an den RasPi angesteckt haben, zunächst alle angeschlossenen Geräte anzeigen (Listing 1, erste Zeile). Wollen Sie den Datenträger auch an Windows-Rechnern nutzen, muss er dazu das Format FAT32 [3] aufweisen; gegebenenfalls formatieren Sie ihn entsprechend (Zeile 2).

Nun hängen Sie den USB-Stick ins Dateisystem ein, damit Dd darauf zugreifen kann (Zeile 3). Für das eigentliche Backup verwenden Sie das Kommando aus der vierten Zeile von Listing 1.

Um später einige Dateien anzusehen oder zurückzuspielen, die sich im Image befinden, stecken Sie den USB-Stick wieder am RasPi an und hängen ihn erneut ein (Zeile 6). Zum Wiederherstellen einzelner Dateien kopieren Sie diese einfach per Kommandozeile oder Dateimanager aus der Sicherung an ihren ursprünglichen Platz.

Alternativ versetzen Sie mit dem Befehl aus Zeile 7 die komplette Partition wieder in den Ausgangszustand. Dazu nutzen Sie dasselbe Kommando wie für die Datensicherung, vertauschen jedoch für die Datenwiederherstellung die Quell- und Zielpfade.

Listing 1

# lsblk
# mkfs.vfat -F 32 Gerät
# mount Gerät Einhängepunkt
# dd if=Partition of=/Gerät/Datei.img status=progress; sync
[...]
# mount Gerät Einhängepunkt
# dd if=/Gerät/Datei.img of=Partition status=progress; sync

Backup 2.0

Ein weiteres Linux-Bordmittel namens Tar [4] erlaubt mehr Wahlfreiheit bezüglich der zu speichernden Pfade. So lassen sich beispielsweise Verzeichnisse von der Datensicherung ausschließen. Darüber hinaus komprimiert Tar die Dateien, sodass das Archiv in der Regel kleiner ausfällt als ein Image der Partition.

Am besten halten Sie den Aufruf von Tar samt den Optionen (siehe Tabelle “Wichtige Tar-Optionen”) in einer Textdatei fest, sodass Sie ihn nicht immer wieder umständlich eintippen müssen. Ein entsprechendes Beispiel zeigt Listing 2. Das Aufsplitten des relativ langen Befehls in einzelne Zeilen bietet dabei mehr Übersicht. Die Rückstriche am Zeilenende sorgen dafür, dass das System den Aufruf in einem Stück verarbeitet, statt jede Zeile als eigenen Befehl zu interpretieren.

Option

Langform

Funktion

-c

--create

neues Archiv erstellen

-f

--file

zu bearbeitendes Archiv

-j

--bzip2

Bzip2-Komprimierung

-p

--preserve-permissions

Zugriffsrechte der Dateien erhalten

-t

--list

Inhalt des Archivs anzeigen

-x

--extract

Archiv entpacken

-v

--verbose

ausführliche Verlaufsmeldungen

-z

--gzip

Gzip-Komprimierung

Listing 2

tar -cvpjf Backup.tar.bz2 \
Quelle \
--exclude=Datei \
--exclude=/Verzeichnis

Der Schalter -c im Tar-Aufruf (erste Zeile) weist das Programm an, ein neues Archiv zu erzeugen. Die Option -v (verbose) sorgt dafür, dass es dabei genau ausgibt, was es gerade tut. Die Option -p (preserve) erhält die Dateirechte der Originale im Backup.

Der Parameter -j sorgt für eine Komprimierung des Archivs mit Bzip2. Tar kann unterschiedliche Kompressionsformate verwenden, Bzip2 ermöglicht dabei die stärkste Komprimierung. Entsprechende Archivdateien tragen üblicherweise die Endung .tar.bz2. Ein weiteres beliebtes Kompressionsformat ist Gzip (.tar.gz), das Sie mit der Option -z einsetzen. Im Unix-Jargon nennt man mit Tar erzeugte Archivdateien liebevoll Tarballs. Den Namen des zu bearbeitenden Tarballs übergeben Sie dem Programm mit der Option -f (file).

Wie Sie im Beispiel sehen, müssen Sie die zu verwendenden Optionen nicht einzeln ausschreiben (-c -v -p -j -f), sondern dürfen Sie platzsparend zusammenfassen. In Zeile 2 tragen Sie die Datenquelle für die Sicherung ein. Wie bereits erwähnt, ermöglicht es Tar, einzelne Dateien (Zeile 3) oder auch komplette Ordner (Zeile 4) aus dem Backup auszuschließen; dabei dürfen Sie mehrere Ausschlussanweisungen angeben.

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