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Aus Raspberry Pi Geek 04/2015

Nvidia GameStream mit dem Raspberry Pi (Seite 2)

Abbildung 2: Nach dem ersten Start von Limelight erscheint auf dem Ziel-PC ein Fenster und fragt nach der auf dem RasPi angezeigten 4-stelligen PIN.

Abbildung 2: Nach dem ersten Start von Limelight erscheint auf dem Ziel-PC ein Fenster und fragt nach der auf dem RasPi angezeigten 4-stelligen PIN.

Abbildung 3: Auf dem Spiele-PC definieren Sie mithilfe von GeForce Experience, welche Spiele es zu streamen gilt.

Abbildung 3: Auf dem Spiele-PC definieren Sie mithilfe von GeForce Experience, welche Spiele es zu streamen gilt.

Als nächsten Schritt überprüfen Sie, ob Limelight auf dem Raspberry Pi die eingetragenen Spiele auch findet. Dazu wechseln Sie wieder zur Konsole des Mini-Rechners und starten abermals Limelight über den entsprechenden Java-Aufruf. Als Option geben Sie diesmal list an, gefolgt von der IP-Adresse des Windows-Rechners. Daraufhin gibt Limelight eine Liste mit den bereits konfigurierten Spielen aus (Listing 4, Zeile 1).

Verfügen Sie auf dem PC über eine Steam-Installation, dann müsste Ihnen dabei auffallen, dass Limelight mehr Spiele auflistet, als Sie in GeForce Experience konfiguriert haben: GameStream arbeitet eng mit Steam zusammen und fügt alle Spiele automatisch dem GameStream-Angebot hinzu. Auch Steam selbst lässt sich – inklusive aller Social-Media-Funktionen und all Ihrer Spiele – im Big-Picture-Modus über den Raspberry Pi auf den Flachbildfernseher streamen; doch dazu später mehr.

Listing 4

 

$ java -jar limelight.jar list PC-IP
Search apps
 Portal 2
 Steam
 Sid Meier's Civilization V (DX 11)
 DESKTOP
 [...]
$ java -jar limelight.jar -app DESKTOP stream PC-IP

Für den Einstieg übertragen Sie zum Test den Desktop des Windows-Rechners auf den Fernseher. Richten Sie dazu eine entsprechende App ein (siehe Kasten “Desktop als Stream”) und rufen Sie diese anschließend auf dem RasPi über die Option -app auf (Listing 4, Zeile 8). Abhängig von der Generation des RasPi erscheint das Bild des PC-Desktops mehr oder weniger schnell auf dem Flachbildschirm. Höchstwahrscheinlich stimmen bei diesem ersten Test die Auflösung und das Seitenverhältnis noch nicht, sodass sich ein unscharfes Bild ergibt. Das liegt jedoch nicht an Limelight, sondern an den noch unzulänglichen Standardeinstellungen.

Desktop als Stream

Limelight überträgt mit einem kleinen Trick auch den Windows-Desktop auf den Raspberry Pi. Drücken Sie dazu in GeForce Experience auf das rechtsbündig angeordnete Plus-Symbol und geben Sie im sich daraufhin öffnenden Fenster (Abbildung 4) als Ziel C:\Windows\System32\mstsc.exe an; die Wahl eines Namens steht Ihnen frei. Die in diesem Artikel gezeigten Beispiele nutzen DESKTOP als Name.

Abbildung 4: Den Windows-Desktop fügen Sie in GeForce Experience wie ein Spiel hinzu.

Abbildung 4: Den Windows-Desktop fügen Sie in GeForce Experience wie ein Spiel hinzu.

Optimierungsbedarf

Mit den Standardeinstellungen kommt es selbst beim Übertragen des anspruchslosen Desktop-Streams oft nach wenigen Sekunden zu einem Standbild mit vielen Komprimierungsartefakten. Das liegt daran, dass Limelight von Haus aus nicht speziell für den Raspberry Pi entwickelt wurde. Daher lohnt es sich, etwas auf die über Schalter dargebotenen Einstellungsmöglichkeiten von Limelight einzugehen (siehe Tabelle “Limelight-Optionen”).

Limelight-Optionen

Option

Funktion

-appProgrammname

aufzurufendes Spiel oder Anwendung

-720

Auflösung 1280 x 720 Pixel

-1080

Auflösung 1920 x 1080 Pixel

-width Breite

vertikale Auflösung vorgeben

-height Höhe

horizontale Auflösung vorgeben

-30fps

30 Bilder pro Sekunde übertragen

-60fps

60 Bilder pro Sekunde übertragen

-bitrate Wert

gibt die Bitrate des Video-Streams an

Als besonders wichtig erweist sich an dieser Stelle für den Raspberry Pi das Limitieren der Bitrate über -bitrate 25000. Diese reizt zwar die Ethernet-Schnittstelle nicht vollends aus, führt aber zu einem stetigen Videostream ohne Aussetzer oder Standbilder, bei dennoch guter Bildqualität. Des Weiteren lohnt es sich, die Bildwiederholungsrate auf 30 Bilder pro Sekunde zu begrenzen. Dies steigert die Qualität der einzelnen Bilder, da für jedes Bild doppelt so viel Speicher zur Verfügung steht und somit die Qualität des Streams allgemein steigt.

Mit den entsprechenden Optionen ergibt sich dann für den Aufruf eines Spiels bei einer Bitrate von 25 000 und 30 FPS der Befehl aus der zweiten Zeile von Listing 5. Hängt der RasPi dagegen an einem Beamer mit einer etwas individuellen Auflösung, dann geben Sie auch diese dem Aufruf von Limelight mit (vierte Zeile).

Listing 5

 

#!/bin/bash
### Full-HD-Fernseher, 30 FPS und Bitrate von 25000:
java -jar limelight.jar -1080 -30fps -bitrate 25000 -app $1 stream IP-Adresse
### Video-Beamer mit 1280 x 800 Auflösung im Format 16:10
### java -jar limelight.jar -width 1280 -height 800 -30fps -bitrate 25000 -app $1 stream IP-Adresse

Damit Sie das Kommando nicht immer wieder neu eintippen müssen, legen Sie den Inhalt aus Listing 5 mit einem beliebigen Editor unter /opt/limelight/ ab, machen die Datei ausführbar und verlinken sie anschließend in ein Verzeichnis, das Teil der $PATH-Variablen ist (Listing 6). Danach verkürzt sich der Aufruf eines Spiels auf allgemein limelight Spiel oder – beispielsweise im Fall von Steam – auf limelight Steam.

Listing 6

 

$ sudo chmod +x /opt/limelight
$ sudo ln -s /opt/limelight /usr/local/bin

Fazit

Das mit Limelight auf den Raspberry Pi gestreamte Bild fällt zwar nicht perfekt aus, doch bleibt es zumeist frei von Komprimierungsfehlern oder störenden Aussetzern. Sollten Sie kein stabiles Bild erhalten, prüfen Sie zuallererst Ihre Installation auf eine nicht ausreichend schnelle Netzwerkverbindung zwischen RasPi und dem Game-Server. Wenn möglich, vermeiden Sie eine WLAN-Verbindung: Schlechter Empfang führt hier schnell zu Rucklern, starken Komprimierungsartefakten oder gar eingefrorenen Bildern.

Alles in allem funktioniert die Kombination aus Limelight und Raspberry Pi für viele Zwecke ausreichend gut. Hardcore-Gamer werden wahrscheinlich eher zu einer kommerziellen Lösung mit noch besserer Grafik und einfacherem Setup tendieren, doch für “verspielte” RasPi-Fans bietet eine Limelight-Installation einen weiteren interessanten Einsatzzweck für den Mini-Rechner. 

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