Aus Raspberry Pi Geek 03/2015

Der Raspberry Pi 2 und sein Vorgänger im Vergleich (Seite 3)

Im Vergleich zu den 875 DMIPS des Raspberry Pi 1 verfügt der Raspberry Pi 2 mit 6840 DMIPS über eine mehr als siebenmal so hohe Rechenleistung. Ob sich das in der Praxis so auswirkt, hängt allerdings sehr von der Frage ab, ob die Software ein paralleles Verarbeiten über die vier Cores ermöglicht. In vielen Fällen ergeben sich sogar noch höhere Steigerungen, da etwa der zusätzliche und schneller angebundene Arbeitsspeicher für weniger Zugriffe auf die langsame SD-Karte sorgt.

Die Tabelle “Rechenleistung im Vergleich” zeigt eine Übersicht über die Ergebnisse des Raspberry Pi im Vergleich zu anderen aktuellen SBCs und einer Reihe von Computern von vorgestern bis heute. Die Daten der Geräte mit ARM-Kern stammen von ARM, in der Regel liegen die Leistungsdaten meist unter den in der Praxis ermittelten Werten. Die Daten der x86-Systeme entstammen echten Messungen (meist Sandra Dhrystone) [6].

Rechenleistung im Vergleich

Plattform

RAM

Chip

Technologie

Architektur

DMIPS/MHz

Kerne

MHz

DMIPS

Vgl. RPi 1

Vgl. RPi 2

Raspberry Pi

Raspberry Pi 1

512 MByte

Broadcom BCM2835

65 nm

ARM1176JZ-F

1,25

1

700

875

100%

13%

Raspberry Pi 2

1 GByte LPDDR2

Broadcom BCM2836

28 nm

Cortex A7

1,90

4

900

6840

782%

100%

Banana Pi

Banana Pi

1 GByte

AllWinner A20

40 nm

Cortex A7

1,90

2

1000

3800

434%

56%

Banana Pro

1 GByte

AllWinner A20

40 nm

Cortex A7

1,90

2

1000

3800

434%

56%

Banana Pi M2

1 GByte

AllWinner A31S

40 nm

Cortex A7

1,90

4

1000

7600

869%

111%

Andere Single Board Computer (SBC)

Beaglebone Black

512 MByte

TI Sitara AM3358/9

45 nm

Cortex A8

2,00

1

1000

2000

229%

29%

Hummingboard-i2

1 GByte

Freescale i.MX6 DualLite

40 nm

Cortex A9

2,50

2

1000

5000

571%

73%

Cubox-i4Pro

2 GByte

Freescale i.MX6 Quad

40 nm

Cortex A9

2,50

4

1000

10000

1143%

146%

Odroid C1

1 GByte DDR3

Amlogic S805

28 nm

Cortex A5

1,57

4

1500

9420

1077%

138%

Smartphones

Galaxy S3 Mini (GT-I8190)

1 GByte

ST-Ericsson NovaThor U8500

45 nm

Cortex A9

2,50

2

1000

5000

571%

73%

iPhone 5

1 GByte

Apple A6

32 nm high-k metal gate

ARMv7s Swift [Apple]

3,50

2

1300

9100

1040%

133%

Spielekonsolen

Playstation 2

36 MByte

EmotionEngine

250 nm

RISC, basiert auf MIPS R5900

20,34

1

295

6000

686%

88%

Apple-Computer

Apple ][e

64 KByte

MOS Technology 6502

8000 nm

MOS Technology

0,43

1

1

0,43

0,05%

0,01%

Apple Macintosh 128 K

128 KByte

Motorola 68000

3500 nm

CISC

0,23

1

6

1,4

0,16%

0,02%

iMac G3

32 MByte

PowerPC 750 G3

260 nm

PowerPC G3

2,25

1

233

525

60%

8%

Intel- und AMD-PCs

No Name PC 1

64 MByte

Pentium II, 300 MHz

350 nm

x86 Intel

0,91

1

300

273,6

31%

4%

No Name PC 2

384 MByte

AMD Duron, 800 MHz

180 nm

AMD Spitfire

2,81

1

800

2250

257%

33%

Dell Inspiron 7520

8 GByte

Intel Core i7-3632QM

22 nm

Intel Core i7

14,19

4

2200

99750

11400%

1458%

Hetzner EQ-4 Server

32 GByte

Intel Core i7-3770

22 nm

Intel Core i7

14,19

4

3400

106530

12175%

1557%

Eben Upton vergleicht die subjektiv wahrgenommene Performance des RasPi 2 in etwa mit einem AMD Duron bei 800 MHz – mit einem schlanken System ausgestattet, wäre ein auf diesen Chip aufbauender Desktop heute noch lauffähig. Gegenüber dem Raspberry Pi Modell 1, der in Bezug auf die Leistung etwa einem Pentium II 300 MHz gleicht, bedeutet dies einen deutlichen Fortschritt.

Der von der Raspberry Pi Foundation immer wieder genannte Faktor 6, um den der neue RasPi schneller arbeiten soll, ergibt sich aus dem Durchschnitt mehrerer Messungen in unterschiedlichen Anwendungsgebieten, wobei der PC diesen je nach Anwendung deutlich über- oder unterschreitet. Multithreaded-CPU-Benchmarks wie etwa SysBench weisen dem RasPi 2 ebenfalls die sechsfach höhere Leistung nach.

SCP-Performance-Test

Das Secure-Copy-Protokoll dient zum sicheren Transfer von Daten über das Internet. Es benötigt dafür zwei Prozesse, den SSH-Daemon und einen SFTP-Server. Dabei erweist sich der SSH-Daemon gerne als Nadelöhr, da das Verschlüsseln und Ausliefern der Daten ins Netzwerk die CPU stark belastet. Während eines Transfers mit SCP nutzt der SSH-Daemon die CPU eines Raspberry Pi zu etwa 90 Prozent aus, während sich der SFTP-Server mit den restlichen 10 Prozent begnügt (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der Transfer von Daten über das Netzwerk mit SCP lastet den Raspberry Pi schnell bis zum Maximum aus.

Abbildung 5: Der Transfer von Daten über das Netzwerk mit SCP lastet den Raspberry Pi schnell bis zum Maximum aus.

Auf dem Raspberry Pi der ersten Generation teilen sich dabei beide Prozesse einen CPU-Kern, während auf dem Raspberry Pi 2 die Dienste jeweils einen CPU-Kern exklusiv in Anspruch nehmen dürfen. Das erlaubt es, den Unterschied in der Performance zu veranschaulichen (Tabelle “SCP-Vergleichstest”). Damit die Leistung der SD-Karte und deren Anbindung das Ergebnis nicht beeinflussen, schreibt das System im Test die Daten auf eine RAM-Disk im Speicher.

SCP-Vergleichstest

ARM Freq

SDRAM Freq

GPU Core Freq

Temp

SCP-Schreiben1

%

SCP-Lesen1

%

Raspberry Pi 2, Raspbian

900 MHz

450 MHz

250 MHz

53,5 °C

52,6 Mbit/s

100,0

54,8 Mbit/s

100

1000 MHz

500 MHz

500 MHz

58,4 °C

56,3 Mbit/s

107,0

69,0 Mbit/s

126

1050 MHz

500 MHz

500 MHz

58,4 °C

65,6 Mbit/s

124,6

69,0 Mbit/s

126

1100 MHz2

500 MHz

500 MHz

Raspberry Pi 1, Raspbian

700 MHz

400 MHz

250 MHz

43,3 °C

21,1 Mbit/s

40,0

21,1 Mbit/s

38

1000 MHz

600 MHz

250 MHz

51,4 °C

36,4 Mbit/s

69,1

33,3 Mbit/s

61

Raspberry Pi 2, Debian Jessie3

900 MHz

450 MHz

250 MHz

 

47,6 Mbit/s

90,5

52,6 Mbit/s

96

1050 MHz

500 MHz

500 MHz

 

58,0 Mbit/s

110,1

71,4 Mbit/s

130

1 Durchschnittswert aus mehreren Durchgängen, 2 Test nicht durchführbar, da RasPi 2 instabil arbeitet, 3 mit für ARMv8 optimierten Paketen

Der größte Unterschied zwischen den Generationen zeigt sich ohne Übertakten der SoCs: Gegenüber dem RasPi der ersten Generation schiebt der neue Raspberry die Daten mit mehr als dem 2,5-fachen Tempo durch das Netz. Der mit Debian Jessie [7] ausgestattete RasPi 2 überrascht mit einer zu Raspbian etwas geringeren Datenrate.

Das Übertakten auf 1,05 GHz kitzelt etwas mehr als 25 Prozent zusätzliche Leistung aus dem neuen Gerät heraus. Ein Teil davon ist sicherlich der 10 Prozent höheren Taktrate des Arbeitsspeichers sowie der höheren Taktrate für den GPU-Core zuzurechnen, der den L2-Cache antreibt.

Ein optimal übertakteter Raspberry Pi 2 erreicht im SCP-Test mit etwa 70 Mbit/s eine mehr als doppelt so hohe Übertragungsrate als die 33 Mbit/s eines voll übertakteten RasPi 1. Allerdings erzielt auch der maximal ausgereizte RasPi 2 nicht die rechnerisch maximale Bandbreite eines 100-Mbit-LAN-Ports von etwa 90 Mbit/s.

Mit der theoretisch maximal möglichen Taktrate von 1,1 GHz ließ sich die für den Test genutzte Hardware nicht mehr stabil betreiben – Abstürze und Fehler beim Übertragen der Daten machten eine Messung der Übertragungsrate unmöglich. Mit feinen Anpassungen der Überspannungen und der Taktraten von RAM und GPU-Core ließe sich aber das Modell eventuell selbst bei maximal überhöhter CPU sicher betreiben.

In der Praxis

Beim Start des Raspberry Pi 2 grüßt ein nettes Detail den Raspbian-Nutzer: Vier Himbeeren statt nur einer schmücken die Ausgaben. Sie verdeutlichen die vier Kerne des neuen System. Bereits beim Laden der Desktop-Umgebung und dem Start einzelner Programme zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den zwei Generationen: Während beim Vorläufer der einzige Core sehr schnell auf Anschlag läuft und sich das System immer wieder eine Auszeit genehmigt, läuft Version 2 angenehm flüssig und startet schnell in die einzelnen Anwendungen hinein. Die vier Prozessorkerne laufen zusammen oft unter 10 Prozent Gesamtauslastung.

Das Surfen im Web macht erstmals richtig Spaß. Webseiten bauen sich merklich schneller auf. Im direkten Vergleich zeigt der erste RasPi noch eine weiße Seite, während der RasPi 2 dies schon vollständig gerendert hat. Der Epiphany-Browser spielt Youtube-Videos dank der Arbeit der Foundation schon länger ab, mit dem RasPi 2 arbeitet nun die komplette Youtube-Seite in akzeptablem Tempo.

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