Aus Raspberry Pi Geek 03/2015

Der Raspberry Pi 2 und sein Vorgänger im Vergleich (Seite 4)

In dem für das Ausführen dynamischer Webseiten relevanten SunSpider-Benchmark erzielt der RasPi 2 bis zu fünfmal höhere Ergebnisse [8]. Aufwendige Webanwendungen, wie etwa Google Docs, profitieren besonders von diesem Leistungsanstieg. Das Google-Office läuft auf dem neuen RasPi flüssig, an manchen Stellen zeigt sich allerdings nach wie vor die im Vergleich zum ausgewachsenen Rechner nicht gerade üppige Leistung.

LibreOffice Calc, Writer und Impress laufen hingegen auf dem RasPi 2 angenehm schnell. Einzig beim Ausführen von sehr komplexen Makros und Plugins (wie etwa dem Wollmux-Paket der Münchner Stadtverwaltung [9]) treten Wartezeiten auf. Beim Grafik- und Malprogramm Gimp zeigen sich deutliche Verbesserungen. Dies ließ sich zwar schon auf dem RasPi 1 starten, allerdings verlief jede Aktion wie in Zeitlupe.

In der zweiten Generation eignet sich der RasPi gut als vielseitiges Desktop-System für etwas weniger anspruchsvolle Benutzer, die neben dem Surfen durchs Netz und dem Betrachten von Online-Streams bei Youtube ein wenig Textverarbeitung betreiben möchten. Als lautloser, kompakter, kostengünstiger und stromsparender Computer läuft er klassischen Desktop-Systemen im Low-End-Bereich den Rang ab.

Die Leistung auf dem Desktop ist ein Quantensprung gegenüber der ersten Generation. An vielen Stellen gibt es aber noch Potenzial für Verbesserungen. Die Foundation investierte in der jüngeren Vergangenheit massiv in die Leistung des Webbrowsers. Daher lagen die Arbeiten an der Implementation von Wayland erst einmal brach. Ob Wayland in Zukunft nochmals einen Leistungsschub bringt, ist noch nicht klar – fest steht jedoch, dass die Foundation hier auf hardwarebeschleunigte Grafik hinarbeitet.

Ein inoffizielles Preview von Debian Jessie überrascht dank Systemd mit sehr kurzer Bootzeit – kaum hängt der Raspberry Pi am Netz, erscheint der Login-Prompt. Das macht Debian mit Sicherheit für die Anwender interessant, die ihren Raspberry Pi im Akkubetrieb nur bei Bedarf hochfahren.

Redmine und OwnCloud

Ein Redmine-Server (Ruby on Rails) unter Jessie braucht für den ersten Seitenabruf relativ lange, läuft danach jedoch ausreichend rund – ein auf den RasPi 2 aufgebautes System ließe sich gut für kleine Arbeitsgruppen einsetzen. OwnCloud, als repräsentative LAMP-Stack-Anwendung (Linux, Apache, MySQL und PHP), läuft ebenfalls zufriedenstellend. Bei Up- und Download erreicht das System die maximale Bandbreite des 100-Mbit/s-LAN-Ports. In der Praxis ergeben sich aufgrund des Protokoll-Overheads Datenraten von um die 90 Mbit/s.

Auf einem Raspberry Pi 1 lag die maximale Datenrate beim Einsatz von OwnCloud lag gerade einmal zwischen 20 und 40 Mbit/s – weit entfernt von den theoretisch möglichen Werten. Die schnellere CPU macht den Unterschied, sie verwandelt einen RasPi-OwnCloud-Server mit indiskutabel langen Wartezeiten in einen flüssig benutzbaren Dienst.

Trotzdem lohnt es sich, beim Aufbau eines Mini-Rechners als OwnCloud-Server Single-Board-Computer anderer Hersteller mit in die Kalkulation einzubeziehen: Viele bieten für nur wenig mehr Geld einen Gbit-Ethernet-Port und SATA-Anschlüsse und erreichen somit gerade bei größeren Datenmengen deutlich höhere Übertragungsraten. Dafür müssen Sie sich meist mit einer deutlich kleineren und weniger aktiven Community begnügen.

Entertainment

Wer auf dem alten RasPi die Mediacenter-Software Kodi in Form von OpenELEC oder Raspbmc benutzte, der musste sich beim Aufbau von Menüs, beim Laden von Videos von Youtube oder bei der Installation von Addons durchaus mit längeren Pausen des Systems abfinden. Die vier Kerne des RasPi 2 sorgen bei OpenELEC nun für einen deutlich flüssigeren Lauf. Beim Aufrufen von Youtube- oder Mediathek-Videos ergeben sich nach wie vor kurze Pausen, doch insgesamt reagiert das System hier deutlich schneller und angenehmer.

Selbst im Bereich Spiele tun sich dem neuen RasPi Chancen auf: Auf dem RasPi 1 ließen sich bereits eine Reihe ältere Konsolen emulieren, mit dem RetroPie Project [10] widmet sich bereits eine größere Community dieser Aufgabe. Durch das Mehr an Leistung des neuen Geräts laufen jetzt aber auch Spiele von Konsolen der fünften Generation (Microsoft Xbox, Nintendo Gamecube oder Playstation 2) mit voller Geschwindigkeit – auf den üblichen Video-Plattformen tauchen dazu immer mehr beeindruckende Videos auf [11].

Ausblick

Auf RasPi-Fans kommen mit der Veröffentlichung der zweiten Generation des Mini-Computers aufregende Zeiten zu. Die Leistungsreserven der neuen Variante ermöglichen neue Einsatzbereiche. Mit Debian, Ubuntu, Windows 10 und Android stehen zudem einige prominente Betriebssysteme als Alternative zum bewährten Raspbian in den Startlöchern.

Bei Android hapert es noch an der Grafikbeschleunigung. Die Entwickler lagern aber zunehmend Funktionen aus dem proprietären GPU-Blob des Videocore-Grafikkerns in den freien Treiber aus. Das Plus an Leistung ermöglicht es außerdem, bisher noch auf der GPU laufenden Code auf die CPU zu übertragen und somit mehr Flexibilität zu schaffen.

Noch in diesem Jahr könnte aus diesen Entwicklungen heraus eine brauchbare Android-Version für den Raspberry Pi erscheinen. Diese kommt allerdings mit Sicherheit von Hobbyisten oder interessierten Unternehmen, denn die Raspberry Pi Foundation zeigt aktuell kein Interesse daran, in den Android-Support Geld und Arbeit zu investieren.

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