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Aus Raspberry Pi Geek 06/2018

WDLabs Mediastick im Kurztest

© Sergii Teplov, 123RF

Einfach eingesteckt

Bernhard Bablok

Mit dem Mediastick von Western Digital erweitern Sie einen Fernseher auf einfache Weise um ein Compute-Modul. In der Praxis lauern aber einige Fußangeln.

Beim WDLabs Mediastick handelt es sich um eine minimale Trägerplatine samt Gehäuse [1] für ein RasPi-Compute-Modul (Abbildung 1). Sein Alleinstellungsmerkmal ist ein HDMI-Stecker statt einer Buchse. Das ermöglicht es, den gesamten Stick direkt mit dem Fernseher zu verbinden: einstecken, Stromversorgung anschließen, fertig. Mit einem kurzen USB-Kabel versehen, kommt der Strom ebenfalls aus dem Fernseher, ein zusätzliches Kabel zur Steckdose kann entfallen.

Abbildung 1: Das Innere des Mediasticks bietet Platz für ein Compute-Modul sowie eine Trägerplatine mit einem HDMI-Stecker.

Abbildung 1: Das Innere des Mediasticks bietet Platz für ein Compute-Modul sowie eine Trägerplatine mit einem HDMI-Stecker.

Dabei gilt es aber zu beachten, dass sich nur das Compute-Modul 1 vom Strombedarf her im Rahmen der USB2-Spezifikation mit maximal 500 mA bewegt. Das in seiner Leistung dem RasPi 3 entsprechende CM3 passt zwar ebenfalls in den Stick, überfordert mit seiner Leistungsaufnahme aber möglicherweise die USB-Buchse am Fernseher. Zum Glück genügt die Leistung des CM1 zum Abspielen von Videos und Musik mittels Kodi.

Hardware

Die Hardware des Mediasticks fällt recht minimalistisch aus. Neben der Trägerplatine gibt es nur noch zwei nach außen geführte USB-Anschlüsse sowie einen Taster. Das Compute-Modul bringt zusätzliche 4 GByte Flash-Speicher für das Betriebssystem mit. Sie montieren das Gehäuse mit vier kleinen Schrauben; das klappt so einfach, dass sich der Hersteller jegliche Anleitung geschenkt hat.

Fertig zusammengebaut wirkt der WDLabs Mediastick wie ein überdimensionaler USB-Dongle. Der Taster fungiert als Ein- und Ausschalter. Außerdem versetzen Sie mit ihm das Compute-Modul in einen Modus, in dem es sich programmieren lässt. Das Gesamtpaket ähnelt in Bezug auf die Leistungsfähigkeit einem Pi Zero. Beim Kostenvergleich stehen auf der einen Seite der Mediastick und ein WLAN-Dongle, auf der Seite des Pi Zero gilt es, ein Gehäuse und ein HDMI-Kabel in die Rechnung einzubeziehen.

Der Mediastick kostete ursprünglich ungefähr 25 Euro, aktuell liegt der Straßenpreis bei 13 Euro. Das CM1 schlägt regulär mit 30 Euro zu Buche, bei Ebay finden sich aber immer wieder Angebote um die 20 Euro. In Summe kommen Sie also auf rund 40 Euro. Die Alternative mit dem Pi Zero W kommt 10 bis 15 Euro günstiger, je nachdem, welches Gehäuse und Kabel Sie sich leisten. Allerdings lässt sich der Pi Zero nicht einfach an den Fernseher anstecken: Den dafür idealerweise gewinkelten Adapter von Mini-Stecker auf regulären HDMI-Stecker gibt es so nicht zu kaufen.

Installation

Zum Aufspielen des Betriebssystems (etwa LibreELEC) hängen Sie den Stick per USB-Kabel an einen Rechner, starten dort das Programm Usbboot und drückt den Taster des Mediasticks ungefähr zehn Sekunden lang, bis die blaue LED zu blinken anfängt. Läuft alles glatt, meldet sich das Compute-Modul als USB-Massenspeicher am Rechner. Sie sehen also unter Windows ein neues Laufwerk, unter Linux ein neues Block-Device.

TIPP

Wie Sie an das Usbboot-Programm kommen und wie das Aufspielen der Abbilddatei im Detail funktioniert, lesen Sie in einem älteren Artikel nach [2], den Sie als PDF auch auf der Heft-DVD finden.

Ab jetzt läuft die Installation wie gewohnt ab, denn aus Sicht des PCs gibt es keinen Unterschied zwischen einer SD-Karte im Kartenleser und dem vom CM bereitgestellten Massenspeicher. Die 4 GByte Flash des Moduls genügen locker für das Betriebssystem einer der gängigen Mediaplayer-Distributionen. Die eigentlichen Medien kommen später per WLAN vom Server oder alternativ über einen USB-Stick im zweiten USB-Anschluss des Sticks.

Am Fernseher

Ging bis jetzt alles relativ glatt, lauert beim ersten Einstöpseln am Fernseher der erste Frust: Der Stick ist so breit, dass er benachbarte HDMI-Steckplätze blockiert. Ein kleiner Adapter, je nach Ausrichtung der Buchsen gewinkelt, löst das Problem (Abbildung 2).

Abbildung 2: Über den Stecker schließen Sie den WDLabs Mediastick direkt am Fernseher an; er braucht lediglich noch eine USB-Stromversorgung. Ein Winkelstecker sorgt dafür, dass das Gehäuse des Sticks keine anderen Steckplätze blockiert.

Abbildung 2: Über den Stecker schließen Sie den WDLabs Mediastick direkt am Fernseher an; er braucht lediglich noch eine USB-Stromversorgung. Ein Winkelstecker sorgt dafür, dass das Gehäuse des Sticks keine anderen Steckplätze blockiert.

Ein zweites Problem tritt nicht bei allen TV-Geräten auf. Manche Fernseher versorgen die USB-Buchsen nur dann mit Strom, wenn Sie sie einschalten. Das ist an sich ein nützliches Feature, für ein laufendes LibreELEC aber ein Problem: Schalten Sie den Fernseher aus, beenden Sie automatisch den Betrieb des Mini-Rechners mit einem harten Abbruch. Auf Dauer beschädigt ein solches Vorgehen das Dateisystem.

Allerdings dreht sich LibreELEC gegebenenfalls bei einem Shutdown selbst den Saft ab, denn vor dem Herunterfahren sendet es per HDMI-CEC-Signal einen Aus-Befehl an den Fernseher. Zum Glück lässt sich dieses Verhalten über die Kodi-Einstellungen ändern.

Die CEC-Konfiguration finden Sie gut versteckt unter Einstellungen | System | Eingabe | Geräte | CEC-Adapter. Dort setzen Sie dann Beim Ausschalten von Kodi ausschalten auf keine und verhindern so, dass das System angeschlossene Geräte und damit insbesondere den Fernseher ausschaltet. Nach dieser Modifikation ist der Schalter sogar eher nützlich, denn der Stick läuft damit nicht sinnlos durch.

Einen letzten Grund zur Kritik bietet der An- und Ausschalter: Ein Schalter, der einem Computer hart den Strom abdreht, ist absolut unnütz. Und da auch das Einschalten einen Druck auf den Taster erfordert, bleibt nichts anderes übrig, als nach dem Anschalten des Fernsehers aufzustehen, zum Stick zu rennen und dort den Taster zu betätigen. Hier wäre das traditionelle Verhalten der Raspberry-Pi-Modelle von Vorteil, die booten, sobald Strom fließt.

Fazit

Beim WDLabs Mediastick zeigt sich, dass sich nicht jede pfiffige Idee als vollständig praxistauglich erweist. Wer nicht zufällig sowieso einen sinnvollen Einsatz für sein Compute-Modul sucht oder keinen Platz mehr in der Steckdose hinter dem Fernseher hat, greift eher zum Pi Zero W und nimmt zusätzliche Kabel in Kauf.

Unabhängig von den beschriebenen Nachteilen war der Stick im alltäglichen Betrieb sparsam und zuverlässig. Es wäre wünschenswert, wenn mehr Produkte wie gerade Fernseher Compute-Module bereits eingebaut mitbrächten. Das würde für eine bessere Integration sorgen und Problemquellen minimieren. Aber die großen Hersteller tendieren wohl dazu, Lösungen zu ignorieren, über die sie nicht selbst die Kontrolle haben. 

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