Für die angekündigte Unterstützung von Windows 10 [12] steht bereits fest, dass auf einem so ausgestatteten Raspberry Pi keine Desktop-Anwendungen wie das Office-Paket funktionieren. Ganz zu schweigen von der Inkompatibilität der Rechnerarchitekturen, besitzt der Raspberry Pi 2 gerade einmal die Hälfte der Rechenleistung des ursprünglichen Surface-Tablets von Microsoft, das mit seinen 1,3 GHz schnellen ARM-Cortex-A9-CPUs und einem DMIPS-Wert von etwa 13 000 Punkten das damals aktuelle Windows RT mehr schlecht als recht zu stemmen vermochte [13].
Microsoft verfolgt mit seiner “Write once, run anywhere” getauften Strategie ein ambitioniertes Vorhaben, in dem selbst der RasPi eine Rolle spielt – wohl aber eher mit dem Schwerpunkt Internet of Things. Dank des HDMI-Ports steht aber im Raum, dass für den Desktop-Bereich gedachte Universalapps, für die der Mini-PC ausreichend Performance mitbringt, auf diesem dann funktionieren.
Debian und Ubuntu
Debian 8 oder Ubuntu auf dem Raspberry Pi Modell 2 bedeutet nicht mehr Aufwand, als bei einer Raspbian-Installation entsteht – sobald die Ubuntu-Entwickler ihrer Distribution die anfänglichen Macken ausgetrieben haben. Bei Ubuntu gibt es allerdings noch keine offiziellen Images, die vorhandenen stammen von Mitgliedern aus der Ubuntu-Community [14]. Das offiziell für den Raspberry Pi vorgestellte Snappy Ubuntu Core [15] steht erst am Anfang, die Distribution muss noch zeigen, ob sie ihren Platz im Internet of Things findet.
Bei Debian und Ubuntu stehen sämtliche ARMv7-Pakete aus den jeweiligen Paketquellen bereit. Bei Grafikbeschleunigung, der Wiedergabe von Videos, der Raspberry-Pi-Kamera und einigen anderen Feinheiten braucht es aber noch etwas Handarbeit.
Die größte Stärke des RasPi lag schon immer in der großen Community. Durch den Einsatz eines Standard-Debians oder eines Ubuntus vergrößert sich die Gemeinschaft über Nacht um ein Vielfaches, wenngleich vielen Einsteigern am Anfang vermutlich nicht klar ist, dass sie ihre alltäglichen Fragen an die Debian- und Ubuntu-Communitys mit den vielen Foren, Wikis und Blogs richten könnten. Mit Ubuntu besitzt die Linux-Welt zudem eine starke Marke, die dem Raspberry Pi 2 Zugang zum Markt für Low-End-Desktops verschafft.
Weitere Modelle
Aufgrund der hohen Nachfrage nach dem Raspberry Pi 2 landen aktuell sämtliche BCM2836-SoCs, die der Foundation zur Verfügung stehen, im aktuellen Modell. Das auf die Grundfunktionen reduzierte Compute Modul 2 mit dem neuen Chip an Bord kommt, wahrscheinlich aber erst Ende dieses Jahres.
Ein abgespeckter Raspberry Pi 2 Modell A mit mindestens 512 MByte Arbeitsspeicher ist aktuell nicht für den anvisierten Verkaufspreis von 20 US-Dollar zu produzieren. Weniger RAM würde den Preis drücken, für Eben Upton sind 512 MByte bei einem 4-Kern-System jedoch Pflicht.
Auch das Raspberry-Pi-Display [16] für den Display-Port des Raspberrys müsste dieses Jahr noch auf den Markt kommen. Aktuell durchläuft es noch Tests auf seine elektromagnetische Verträglichkeit.
Was steht also nach dem neuen Modell auf dem Programm? Nach dem Desktop könnte die Revolution den Markt für mobile Geräte und Anwendungsgebiete in Angriff nehmen. Eine offene Hardware-Plattform mit noch mal mehr Leistung, mit integriertem Display und einer Batterie würde viele neue Anwendungsgebiete eröffnen, auf die die Community mit Sicherheit positiv reagiert.
Die Möglichkeiten des BCM2836 sind jedenfalls ausgereizt. Spätestens beim nächsten Modellwechsel sollte der Raspberry Pi der dritten Generation Gbit-Ethernet sowie mehrere USB-Ports direkt auf dem SoC mitbringen. Zusammen mit einem Upgrade des Arbeitsspeichers auf 2 oder 4 GByte wären dann die aktuellen Engpässe beseitigt.
Infos
- “Raspberry Pi 2 expected in 2017”: http://www.raspi.today/raspberry-pi-2-expected-in-2017
- Broadcom: http://www.broadcom.com/products/BCM2835
- “List of ARM microarchitectures”: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_ARM_microarchitectures
- “ARM SIMD instructions”: http://infocenter.arm.com/help/index.jsp?topic=/com.arm.doc.dht0002a/ch01s01s01.html
- Dhrystone: http://de.wikipedia.org/wiki/Dhrystone
- “Dhrystone 1.1 benchmark summary”: http://wiretap.area.com/Gopher/Library/Techdoc/Bench/dhryst.txt
- “Debian Jessie on Raspberry Pi 2”: http://sjoerd.luon.net/posts/2015/02/debian-jessie-on-rpi2/
- “Benchmarking Raspberry Pi 2”: http://www.raspberrypi.org/benchmarking-raspberry-pi-2
- WollMux: http://www.wollmux.net
- RetroPie Project: http://blog.petrockblock.com/retropie
- “Retro Emulators on the New Faster Raspberry Pi 2 with RetroPie”: https://www.youtube.com/watch?v=OKUKbLYNPj0
- Windows 10 für Raspberry Pi 2: http://dev.windows.com/de-de/featured/raspberrypi2support
- “Windows 10 auf Raspberry Pi”: http://www.elektroniknet.de/embedded/hardware/artikel/116813
- Ubuntu 14.04 LTS für Raspberry Pi: https://wiki.ubuntu.com/ARM/RaspberryPi
- “Snappy Ubuntu Core on Raspberry Pi 2”: https://insights.ubuntu.com/2015/02/02/snappy-ubuntu-core-on-raspberry-pi-2
- “Raspberry Pi Founder Shows Off Incoming Touch Panel”: http://techcrunch.com/2014/10/21/pi-pads





