Aus Raspberry Pi Geek 04/2014

FreeBSD auf dem RasPi installieren (Seite 6)

Der große Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sie eine Menge Zeit spart: Die Hostmaschine bietet üblicherweise mehr Rechenleistung als der RasPi. Allerdings fällt dafür das Image größer aus – für den Ports-Tree müssen Sie mindestens 200 MByte einplanen.

Fensterln mit FreeBSD

Die Hardware des Raspberry Pi stellt einen leistungsfähigen Grafikprozessor und einen HDMI-Port zum Anschluss eines Monitors oder anderer Videokomponenten zur Verfügung. Da liegt es nahe, X.org zu installieren. Desktop-Umgebungen wie Gnome oder KDE fallen aufgrund der begrenzten Hauptspeicherkapazität des RasPi jedoch flach. Der einfache Window-Manager Twm dagegen bietet eine angemessenere grafische Umgebung.

Die Installation von X.org verläuft auf dem RasPi etwas anders als auf einem klassischen Desktop-System. Derzeit passen die Entwickler den gesamten Ports-Tree auf das neue Zielsystem FreeBSD-ARM an, und so kommt es vereinzelt zu Fehlern beim Kompilieren – daher bittet das Team ausdrücklich um Mithilfe in Form von Bug-Reports, um Fehler schnell ausräumen zu können.

Um X.org unfallfrei auf einem Raspberry zu installieren, gilt es zunächst, den Ports-Tree auf den neuesten Stand zu bringen, denn nur dann enthält er alle notwendigen Patches. Zudem sollten Sie den direkten Zugriff auf die Grafikhardware per DRI (“Direct Rendering Infrastructure”) ausschalten. Das erledigt die Zeile WITHOUT_DRI=yes in der Datei /etc/make.conf.

Im Verzeichnis /usr/ports/x11-drivers/ befindet sich der passende Treiber, den Sie nun installieren (Listing 19, Zeile 1 und 2). Anschließend wechseln Sie nach /usr/ports/x11/xorg-minimal, um die restlichen Tools zu übersetzen (Zeile 4 und 5).

Listing 19

 

# cd /usr/ports/x11-drivers/xf86-video-scfb
# make install clean
[...]
# cd /usr/ports/x11/xorg-minimal
# make install clean

Das Übersetzen nimmt einige Zeit in Anspruch. Dann steht die manuelle X.org-Konfiguration an. Listing 20 zeigt eine funktionierende Version von /etc/X11/xorg.conf. Besondere Sorgfalt erfordern die Abschnitte ServerFlags und Module: Auch hier gilt es wieder, die DRI-Unterstützung zu deaktivieren, damit X.org startet.

Listing 20

 

Section "Files"
EndSection
Section "Module"
 Load  "dbe"
 Disable "dri"
 Disable "dri2"
 Disable "glx"
 SubSection  "extmod"
  Option  "omit xfree86-dga"
 EndSubSection
EndSection
Section "ServerFlags"
 Option "AIGLX" "false"
 Option "NoAccel" "True"
 Option "NoDRI" "True"
 Option "DRI" "False"
 Option "DRI2" "False"
EndSection
Section "InputDevice"
 Identifier  "Keyboard1"
 Driver   "kbd"
EndSection
Section "InputDevice"
 Identifier "Mouse1"
 Driver "mouse"
 Option "Protocol" "auto"
 Option "Device" "/dev/sysmouse"
EndSection
Section "Monitor"
 Identifier  "Monitor"
 Mode "1024x600"
  DotClock  25.175
  HTimings  1024 1048 1148 1200
  VTimings  600 610 620 700
 EndMode
EndSection
Section "Device"
 Identifier "Generic FB"
 Driver "scfb"
 Option "NoAccel" "True"
EndSection
Section "Screen"
 Identifier "Screen"
 Device "Generic FB"
 Monitor "Monitor"
 DefaultDepth 16
 SubSection "Display"
  Depth 16
  Modes "1024x600"
 EndSubsection
EndSection
Section "ServerLayout"
 Identifier  "layout"
 Screen   0 "Screen" 0 0
 InputDevice "Mouse1" "CorePointer"
 InputDevice "Keyboard1" "CoreKeyboard"
EndSection

Eine interessante und weniger zeitaufwendig zu implementierende Alternative zu X.org bietet Remote-X: Dabei erfolgt die Bildschirmausgabe statt auf den am RasPi angeschlossenen Monitor über das Netzwerk. Möchten Sie beispielsweise Xclock auf dem Mini-Rechner starten und auf einem anderen Computer anzeigen, installieren Sie zunächst das fragliche Programm mitsamt Xauth aus dem entsprechenden Ports-Tree-Verzeichnis (Listing 21). Mit anderen grafischen Programmen funktioniert das genauso.

Listing 21

 

# cd /usr/ports/x11-clocks/xclock
# make install clean
# cd /usr/ports/x11/xauth
# make install clean

In der Konfiguration des SSH-Servers auf dem Raspberry, /etc/ssh/sshd_config, aktivieren Sie mit folgender Zeile das X-Forwarding:

X11Forwarding yes

Damit landen nun alle X11-Protokoll-Tokens über den SSH-Tunnel auf dem SSH-Client-System. Damit das klappt, muss die Namensauflösung funktionieren.

Die Client-Seite benötigt die Tools Xauth und Xhost sowie einen Display-Manager (XDM, GDM oder KDM). Des Weiteren ergänzen Sie die Konfiguration des SSH-Clients um die Angaben aus Listing 22. Es folgt mit xhost +RPi-IP der Aufruf von Xhost auf dem Client, damit dieser die Daten der X11-Applikationen des Raspberry annimmt.

Listing 22

 

Host *
   ForwardAgent yes
   ForwardX11 yes
   XAuthLocation /usr/bin/xauth
   ForwardX11Trusted yes

Melden Sie sich anschließend mit ssh pi@raspberry X11-Applikation auf dem RasPi an, so erscheint auf dem Desktop des Clients ein Fenster mit der auf dem kleinen Rechner gestarteten X11-Anwendung (Abbildung 4).

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