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Aus Raspberry Pi Geek 02/2014

Time Capsule ersetzen mit Netatalk auf dem RasPi

© Ccassoli, sxc.hu

Von Zeit zu Zeit

Tobias X. Vogel

Möchten Sie das Geld für das Apple-NAS Time Capsule sparen, dann bauen Sie aus einem Raspberry Pi und einer externen Festplatte einfach selbst eine preiswerte Alternative.

README

Linux – und damit der Raspberry Pi – versteht sich schon eine ganze Weile auf das Apple-Dateisystem. Die neueste Version der zugrunde liegenden Netatalk-Bibliothek ermöglicht nun Time-Machine-Backups auf einem Linux-Server – ganz ohne Eingriffe ins Mac-System.

Spätestens, wenn die Tabellenkalkulation mit dem Quartalsbericht abstürzt, der Literaturaufsatz nur noch Datenmüll enthält oder das Vereinsprotokoll in den digitalen ewigen Jagdgründen verschwindet, wünscht sich jeder Anwender sehnlichst ein Backup. Vielen kommt in dem Moment die unerfreuliche Einsicht, sich zu sehr darauf verlassen zu haben, dass der Computer “einfach funktioniert”.

In der Windows-Welt gibt es Backup-Programme wie Sand am Meer, von kostenlos bis hochprofessionell ist für jeden etwas dabei. Waschechte Linux-Fans setzen häufig auf Konsolenwerkzeuge wie Rsync oder Fsdump. Für die Apple-Welt gibt es nicht ganz so viele Anwendungen wie für Windows – dafür aber integriert sich das hauseigene Backup so vorbildlich ins Betriebssystem wie bei Linux. Mit Mac OS X 10.5 “Leopard”, das 2007 erschien, hielt die Backup-Software Time Machine Einzug.

Falls Sie noch nie etwas von Time Machine gehört haben, aber über einen Mac mit einem Betriebssystem neuer als Version 10.5 verfügen, dann halten Sie doch einmal in der Leiste am oberen Rand des Desktops nach einem Symbol mit Uhrzeiger Ausschau, umgeben von einem rotierenden Pfeil. Die Version des Mac-Systems finden Sie im Zweifelsfall durch einen Klick auf das Apfel-Symbol in der Leiste ganz oben links und die Auswahl des Menüpunkts Über diesen Mac heraus.

Die Time Machine bietet die Möglichkeit für stündliche Momentaufnahmen des gesamten Dateisystems oder wahlweise nur von Teilen. Als Backup-Medium kommen externe Festplatten infrage oder aber die von Apple separat vertriebene Hardware Time Capsule. Hinter diesem Namen verbirgt sich, nüchtern betrachtet, ein schlichtes NAS mit integriertem WLAN-Adapter. Abgesehen vom Lifestyle-Erlebnis, dem Designgehäuse sowie dem Lebensgefühl, das die Kalifornier geschickt als Verkaufsargument einsetzen, kann die Time Capsule nichts, was der Raspberry Pi nicht ebenfalls vermag.

Was liegt also näher, als aus dem Kleinst-PC eine kostengünstige Alternative zum teuren Original aus Cupertino zu bauen. Viele der Schritte erläutern wir dabei in zwei Varianten: Einmal für Tüftler, die jeden Schritt nachvollziehen möchten, und nicht davor zurückschrecken, Programmcode zu kompilieren; zum anderen für den interessierten Hobbyisten, der den komfortablen Weg wählt und die Software “schlüsselfertig” auf den Raspberry Pi lädt.

Als Voraussetzungen für dieses Projekt benötigen Sie einen Raspberry Pi, wobei das frühe Modell der Revision A mit lediglich 256 MByte RAM vollkommen ausreicht, sowie eine USB-Festplatte als Datenträger. Die Konfiguration mit zwei USB-Festplatten zum Erzielen einer erhöhten Ausfallsicherheit durch Spiegeln oder zum Verdoppeln der Kapazität spricht den fortgeschrittenen Anwender an.

Den Rechner verbinden Sie entweder direkt über ein LAN-Kabel mit dem Netzwerk oder optional über einen WLAN-Dongle am USB-Port. Eine Liste der Adapter, die sich mit dem Raspberry Pi gut vertragen, finden Sie im Web [1]. Hinweise zum Einrichten liefert unter anderem der Schwerpunkt der Ausgabe 01/2014 von Raspberry Pi Geek [2].

Weiter benötigen Sie einen aktiven USB-Hub, da die Spannung des Raspberry Pi am eingebauten USB-Port bei externen Festplatten an ihre Grenzen stößt. Während der Installation brauchen Sie zudem eine USB-Tastatur sowie einen Monitor mit HDMI- oder Composite-Video-Eingang.

Neben dem Raspberry Pi sollte – falls nicht schon vorhanden – eine SD-Karte für das Betriebssystem bereitstehen. Für den reinen Betrieb des Systems genügt eine Karte mit 2 GByte Kapazität, zum Übersetzen der Software brauchen Sie eine SD-Card mit mindestens 4 GByte Platz.

Eine aktuelle Version des Raspberry-Pi-Betriebssystems Raspbian sollte in Form einer Abbilddatei vorliegen [3]. Schließlich hilft ein FAT32-formatierter USB-Stick beim Start, ist aber nicht zwingend erforderlich.

Vorbereitung

Die Abbilddatei des Betriebssystems schreiben Sie zunächst auf die SD-Karte. Reines Entpacken und Kopieren der Datei auf die SD-Karte genügt hier aber nicht: Ausführliche Anleitungen für alle Systeme finden Sie auf der Elinux-Website [4]. Stecken Sie die vorbereitete SD-Karte dann in den Steckplatz, und schließen Sie nur Tastatur und Monitor an.

Der Raspberry Pi verfügt nicht über einen Netzschalter. Sobald Sie ein Netzteil anschließen, beginnt der Startprozess. Falls die Power-LED schwach rot leuchtet, sich aber ansonsten gar nichts tut, bedeutet das entweder, dass der RasPi die eingesetzte Karte nicht lesen konnte oder die Abbilddatei nicht korrekt auf die SD-Karte geschrieben wurde. Startet das System, finden Sie sich im Raspberry Pi Software Configuration Tool wieder.

Ab Werk ist der Benutzer pi mit Passwort raspberry eingerichtet. Vorsicht bei der Eingabe eines neuen Passworts: Da das System vorkonfiguriert mit einem englischen Tastaturlayout startet, sind die Buchstaben Z und Y vertauscht, zudem befinden sich einige Sonderzeichen nicht an den gewohnten Positionen. Es empfiehlt sich also, zuerst unter Punkt 4 das Tastaturlayout einzurichten.

Unter Punkt 3 Enable Boot to Desktop/Scratch wählen Sie den Start in die Textkonsole, einen grafischen Desktop braucht das System nicht. Weiter sollten Sie unter Punkt 8 Advanced Options die sogenannte Secure Shell aktivieren, damit Sie später den Rechner ohne Tastatur und Bildschirm warten können. Nachdem Sie alle Einstellungen vorgenommen haben, beenden Sie das Tool über Finish und starten den Rechner neu.

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