Selbst ist der Geek
Um selbst ein Matter-Gerät zu bauen, müssen Sie eine lange Liste von Faktoren bedenken und sich sehr gut mit der Matter-Spezifikation auskennen – ein fast unmögliches Unterfangen. Alternativ verwenden Sie das von Espressif bereitgestellte Tool ESP Zerocode [3]. Damit erstellen Sie ohne Installation irgendeiner Software mithilfe weniger Mausklicks ein lauffähiges Matter-Gerät (Abbildung 3).
Wir nutzen ein ESP32-DevKitC [4] von der Stange und schließen an den GPIO-Pin 34 einen Taster an, der gegen 3,3 Volt schaltet. Außerdem spendieren wir dem Pin 34 einen 10-kOhm-Pulldown-Widerstand gegen Masse (GND). Bei den Tests zeigte sich, dass scheinbar die internen Widerstände des ESP32 nicht aktiviert sind. An die GPIOs 26 und 14 schließen wir je eine LED mit passendem Vorwiderstand von 1 kOhm an. Prinzipiell lassen sich die GPIOs frei wählen. Es kommt aber vor, dass bei einer ungeschickten Auswahl der ESP32 abstürzt.
Nun melden wir uns auf der Webseite von Zerocode an und erstellen ein neues Projekt. Für den Anfang entscheiden wir uns für eine einfache Steckdose (Abbildung 4). Im nächsten Schritt fragt der Dialog ab, welches ESP-Modul wir einsetzen – in unserem Fall ein ESP32-DevKitC. Danach definieren wir, wo wir die Bestandteile unserer Schaltung anschließen möchten und ob wir mit normaler oder invertierter Logik arbeiten. Bei der Wahl der GPIOs müssen Sie ein wenig aufpassen, damit Sie keinen Port verwenden, den der ESP32 für eigene Zwecke nutzt. Damit ist das Setup unseres Matter-Projekts bereits komplett.
Um das Projekt in den ESP32 zu laden, wählen Sie auf der folgenden Seite Evaluate now in ESP Launchpad aus. Hier benötigen Sie einen Browser, der auf USB zugreifen kann, beispielsweise Google Chrome. Wählen Sie danach die USB-Schnittstelle aus, an der der ESP32 hängt. Jetzt beginnt das Hochladen. Nach dessen Abschluss sehen Sie auf der rechten Bildschirmseite (Abbildung 5) die Log-Ausgaben des Controllers, die sich bei der Fehleranalyse als hilfreich erweisen.

Abbildung 5: Die Installation auf dem ESP32 ist abgeschlossen. Neben den Logs zeigt die Seite auch den benötigten QR-Code.
Auf der linken Seite finden Sie den QR-Code, um das Matter-Gerät in Ihr Smart-Home-System einzubinden. Das Einrichten funktioniert bei allen Matter-Geräten immer nach demselben Muster. Bei unserem selbstgebauten Testgerät beschwert sich Google Home einmal kurz über ein Nicht zertifiziertes Gerät. Nach dem Ignorieren der Fehlermeldung lässt es sich wie gewohnt einbinden und mit dem Sprachassistenten ansteuern.
Wenn wir wollten, könnten wir uns nach dem erfolgreichen Test über Zerocode gleich die passenden, schon programmierten Controller bestellen. Grundsätzlich richtet sich das Tool an Hersteller von Smart-Home-Geräten, die auf diesem Weg ohne viel Aufwand zum fertigen Produkt kommen. Zerocode ist noch recht neu, nicht alles klappt auf Anhieb. Mitunter müssen Sie das Projekt mehrfach in den Controller laden oder etwas mit den verwendeten GPIOs spielen. Auch das Einbinden in das Smart Home benötigt hin und wieder mehrere Anläufe. Einige der vordefinierten Geräte arbeiten noch nicht so wie erwartet. Doch unter dem Strich eröffnet Zerocode derzeit den einfachsten Weg zu einem eigenen Matter-Gerät.
Fazit
Matter ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung und wird es uns in Zukunft vereinfachen, Smart-Home-Komponenten verschiedener Hersteller miteinander zu koppeln. Allerdings spürt man an vielen Stellen, dass dieser Standard noch recht jung ist. Noch laufen zahlreiche Dinge nicht so rund, wie sie vermutlich könnten. Wenngleich man das nicht auf den ersten Blick erkennt, spielen sich bei Matter viele komplexe Vorgänge im Hintergrund ab. Wir haben uns in diesem Artikel lediglich mit den oberflächlichen Themen beschäftigt. Umso überraschender ist, dass sich mit dem Tool Zerocode quasi im Vorbeigehen ein Matter-Gerät erstellen lässt.
Tatsächlich fällt es aktuell noch schwer, gute Informationsquellen zu Matter im Internet zu finden. Viele Akteure beschränken sich auf das Herunterbeten der Hochglanzfolien, ohne wirklich ins Detail zu gehen. Falls Sie vor der Entscheidung stehen, neue Hardware für Ihr smartes Home zu kaufen, sollten Sie auf jeden Fall überprüfen, ob sie ein Matter-Logo trägt. Jedoch sollten Sie jetzt keinesfalls gänzlich auf Matter umstellen und hoffen, dass damit sämtliche Probleme der Vergangenheit angehören. Der Standard wird sich rasant weiterentwickeln und in ein paar Jahren vielleicht wirklich alle Probleme rund um das Smart Home lösen. Es lohnt sich, Matter im Auge zu behalten. (tle)
Der Autor
Martin Mohr hat die komplette Entwicklung der modernen Computertechnik live miterlebt. Nach dem Studium entwickelte er überwiegend Java-Applikationen. Mit dem Raspberry Pi erwachte seine alte Liebe zur Elektronik wieder.
Infos
- Matter: https://csa-iot.org/all-solutions/matter/
- Datenblatt zum Dimmer: https://www.eltako.com/fileadmin/downloads/de/datenblatt/Datenblatt_EUD62NPN-IP_110-240V.pdf
- Zerocode: https://zerocode.espressif.com
- ESP32-DevKitC: https://www.amazon.de/gp/product/B08BZFW41S/







