Der neue herstellerübergreifende, offene Standard Matter für IoT- und Smart-Home-Geräte hat das Zeug dazu, den Markt zu revolutionieren.
Viele Köche verderben den Brei, sagt der Volksmund. Das trifft auch im Smart-Home-Bereich häufig zu. Mit KNX existiert ein seit Jahrzehnten etablierter Standard für die Gebäudeautomation. Über 400 Hersteller unterstützen ihn, denn er gilt als hochflexibel und extrem leistungsfähig. Doch gleichzeitig ist er auch teuer und komplex. Deswegen entwickeln immer wieder Hersteller geschlossene Lösungen, die zwar einfacher und günstiger ausfallen, aber nur im eigenen Ökosystem richtig funktionieren. Solche Systeme eignen sich vorwiegend für kleine Setups mit 100 oder weniger Geräten, während sich KNX für umfangreiche Projekte mit mehreren Tausend Geräten anbietet.
Der neue Standard namens Matter soll nun für eine Harmonisierung von IoT- und Smart-Home-Geräten verschiedener Hersteller sorgen. Immerhin schlossen sich bereits über 280 Unternehmen zusammen, um ihn zu unterstützen. Version 1.0 von Matter erschien Anfang Oktober 2022, seit Mai 2024 ist Version 1.3 aktuell.
Genau genommen handelt es sich bei Matter um einen Verbindungsstandard, der auf vorhandenen Techniken wie WLAN, Ethernet, Bluetooth LE und Thread aufsetzt. Die Geräte in Matter unterteilen sich in verschiedene Kategorien, die Tabelle “Gerätekategorien in Matter” gibt einen ersten Überblick. Mit jedem Matter-Release kommen neue Kategorien hinzu.
|
Kategorien |
Geräte |
|---|---|
|
Licht |
Lampen, Schalter |
|
Strom |
Steckdosen, Schalter |
|
Heizung/Klima |
Thermostate, Regler |
|
Beschattung |
Jalousien, Rollläden |
|
Sensoren |
Bewegung, Öffnung, Luftqualität, Rauch |
|
Türschlösser |
Smart Locks |
|
Mediaplayer |
für Streaming, keine Fernsehgeräte |
|
Bridges |
zu Zigbee, Z-Wave, etc. |
|
Haushaltsgeräte |
Kühlschränke, Geschirrspüler, Waschmaschinen etc. |
Geräte, die den Matter-Standard unterstützen, sind durch offizielle Prüfstellen zertifiziert und mit einem Logo (Abbildung 1) gekennzeichnet. Sie tragen eine eindeutige Kennung, mit der sie sich am System anmelden müssen. Das verhindert, dass sich fremde Geräte mit dem Smart Home verbinden. Als Kennung dient entweder ein Zahlen- oder ein QR-Code.
Die Datenübertragung der Geräte untereinander erfolgt immer Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Dabei dürfen ausschließlich die für das Funktionieren des Smart Home nötigen Daten übertragen werden. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Matter: Alle Smart-Home-Funktionen müssen ohne eine Verbindung mit dem Internet zur Verfügung stehen. Die komplette Steuerung des Systems läuft in der lokalen Installation. Allerdings erlaubt Matter zum Verwenden zusätzlicher Funktionen wie Spracherkennung oder Software-Updates, Dienste aus dem Internet aufzurufen.
Volle Kontrolle
Die zentrale Komponente in Matter besteht aus einem Controller, der dafür sorgt, dass alle Geräte miteinander kommunizieren. Im Matter-Jargon bezeichnet man den Verbund mehrerer Geräte als Fabric. Innerhalb eines Gebäudes können mehrere Fabrics nebeneinander existieren, wovon jede einen eigenen Controller benötigt. Hier kommt der Multi-Admin-Modus von Matter ins Spiel. Er erlaubt es, mit einer Software unterschiedliche Controller anzusteuern und so sämtliche Funktionen zusammenzuführen. Dabei spielt es keine Rolle, von welchem Hersteller der Controller stammt.
An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass es in der Matter-Spezifikation sogenannte Bindings-Geräte gibt, die sich ohne einen Controller verbinden lassen. Die sind allerdings aktuell noch recht dünn gesät. Zurück zum Controller: Hierbei handelt es sich um eine Software, die auf einer bestimmten Hardware laufen muss, beispielsweise ein Amazon-Echo- oder ein Google-Home-Gerät. Darüber hinaus machen zahlreiche andere Hersteller nach und nach ihre Geräte für Matter fit. Ein einfaches Software-Update genügt häufig, um die neue Funktion bereitzustellen. Zudem verwenden schon die ersten Open-Source-Projekte den Standard.
Der vorliegende Kurztest setzt sich aufgrund der Komplexität nur sehr oberflächlich mit den Einzelheiten auseinander. Daher sollten Sie, wenn Sie noch mehr über Matter erfahren möchten, die Homepage des Projekts [1] besuchen. Dort findet sich unter anderem auch die komplette Spezifikation von Matter.
Praxistest
Um das Einbinden von Matter-Geräten in ein Smart Home zu testen, nutzen wir ein betagtes Google Home als Matter-Controller. Es ist vollständig eingerichtet und mit der Google Home App verbunden. Als Matter-Gerät kommt der Dimmer EDU62NPN-IP-110-240v von Eltako zum Einsatz (Abbildung 2). Er besitzt einen zusätzlichen Eingang, mit dem er sich direkt über einen Taster schalten lässt. Die technischen Daten des EDU62NPN finden Sie im Datenblatt [2].
Als Verbraucher schließen wir eine dimmbare Leuchte an. Beachten Sie bitte, dass sich viele LED-Leuchtmittel nicht zum Dimmen eignen. Ein Sicherheitshinweis: Der Dimmer arbeitet mit Netzspannung und ist für die Unterputzmontage gedacht. Arbeiten mit Netzspannung darf ausschließlich ausgebildetes Personal ausführen.
Starten Sie zunächst die Google-Home-App und fügen Sie ein neues Gerät hinzu. Manchmal meldet sich der Dimmer sogar von alleine. Wählen Sie Matter kompatibles Gerät aus und scannen Sie den Matter-QR-Code. Im nächsten Schritt legen Sie den Raum fest, in dem sich das Gerät befindet. Danach vergeben Sie einen eindeutigen Namen, was die Installation abschließt. Das Leuchtmittel lässt sich jetzt über die Google-App steuern.
Die Sprachsteuerung von Google funktionierte im Test ohne weitere Aktionen. Das Einbinden des Dimmers in das Smart Home war beeindruckend einfach. Das komplette Setup erfolgt menügeführt; die Routine beschreibt sehr genau, was zu tun ist.







