Aus Raspberry Pi Geek 06/2022

Armbian 22.02 “Jammy” XFCE für Raspberry Pi (Seite 2)

Unter der Haube

Ein Blick in das Innere der Armbian-Installation auf dem Raspberry Pi verrät die Herkunft der Pakete (Abbildung 3). Das System basiert zum größten Teil auf Ubuntu 22.04, die Entwickler ergänzen es jedoch um den Mainline-Kernel aus dem Raspberry Pi OS. Dazu integriert die Distribution unter /etc/apt/sources.list.d noch weitere Paketquellen, aus denen zum Beispiel die leistungsfähige Entwicklungsumgebung VSCodium (die Community-freundliche Open-Source-Variante von Microsofts VSCode) installiert wird.

Abbildung 3: Die Armbian-Distribution nutzt die Paketquellen von Ubuntu und übernimmt den Kernel von Raspberry Pi OS.

Abbildung 3: Die Armbian-Distribution nutzt die Paketquellen von Ubuntu und übernimmt den Kernel von Raspberry Pi OS.

Sollte die Paketverwaltung zu langsam arbeiten, lässt sich die Auswahl der Mirrors im Armbian-Konfigurationswerkzeug unter Personal | Mirrors optimieren. In der Regel müsste der Eintrag 3 Region EU die schnellsten Spiegelserver in der näheren Umgebung aktivieren. Danach steht mit sudo apt update && sudo apt full-upgrade ein Update des Systems an. Auf unserer Testinstallation spülte die Aktion über 200 überarbeitete und 8 neue Pakete ins Dateisystem.

Auch für den WLAN-Zugang benötigen Sie Armbian config. Die entsprechenden Einstellungen finden Sie unter Network | Wi-Fi. Für die Integration von Bluetooth-Geräten müssen Sie in diesem Dialog die Option BT install wählen. Sie installiert die nötigen Softwarekomponenten über die Paketverwaltung. In unserem Test gelang es jedoch nicht, Bluetooth zu aktivieren: Der über Anwendungen | Einstellungen aufgerufene Bluetooth Manager meldete trotz der nachinstallierten Komponenten keinen funktionsfähigen Bluetooth-Adapter.

Fazit

Von Ubuntu erbt Armbian das umfassende Angebot an Software, allerdings auch kontroverse Eigenarten, etwa die Installation von Chromium über Snap-Pakete (via sudo snap install chromium). Der von Armbian installierte XFCE-Desktop passt gut zum Raspberry Pi 4. Die Desktop-Umgebung verzichtet im Gegensatz zum Ubuntu-Unterbau auf optische Spielereien und läuft daher genauso flüssig wie der Pixel-Desktop von Raspberry Pi OS, der ja selbst auf XFCE aufsetzt. Im Vergleich zum Raspberry Pi OS installiert Armbian wesentlich mehr Anwendungen. Suchen Sie ein möglichst schlankes System, müssen Sie daher ein wenig aufräumen oder die CLI-Version mit einem Desktop erweitern. Dazu nutzen Sie das Jammy-Image in den >Other download variants der Projektseite.

Zudem zeigt sich, dass die Armbian-Variante für den Raspberry Pi nicht umsonst den Status “work in progress” trägt. Trotz Auswahl einer deutschen Lokalisierung bei der Installation startet das System auf Englisch, der Standardbenutzer hat keine Root-Rechte, und wichtige Funktionen wie etwa Bluetooth lassen sich noch nicht aktivieren. Nicht ohne Grund bitten die Entwickler die Raspberry-Community daher um aktive Mithilfe, etwa indem Nutzer über das öffentliche Forum des Armbian-Projekts Fehler melden. Bis zum Status “offiziell unterstützt” präsentiert sich Armbian daher eher als interessante Alternative für Bastler. (cla)

Infos

  1. Armbian: https://www.armbian.com
  2. Von Armbian unterstützte SBCs: https://www.armbian.com/download
  3. “Closed, poorly design and already supported by many distributions”: https://forum.armbian.com/topic/483-support-of-raspberry-pi
  4. Armbian 22.02 Release Announcement: https://www.armbian.com/newsflash/armbian-22-02-pig-release-announcement/
  5. Images für Raspberry Pi 4: https://www.armbian.com/rpi4b
  6. Community-Forum des Armbian-Projekts: https://forum.armbian.com
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