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Aus Raspberry Pi Geek 02/2018

Raspberry Pi als Werbeträger

© Andy Fletch, 123RF

Show-Talent

Erik Bärwaldt

Videosequenzen oder Diashows wirken verkaufsfördernd. Mit einem Raspberry Pi und der entsprechenden Distribution sorgen Sie für die gebotene Aufmerksamkeit.

Der Raspberry Pi ist nicht zuletzt dank seiner aktiven Community längst über das Stadium der rein experimentellen Anwendungen hinausgewachsen. Inzwischen macht sich der Mini-PC selbst im kommerziellen Umfeld nützlich, etwa beim Steuern von Industriemaschinen.

Als weiteres neues Anwendungsfeld kommt das Marketing ins Spiel: Hier ergänzt der RasPi dank intelligenter Software problemlos Litfaßsäulen und Werbetafeln. So spielen Sie über das Raspbian-Derivat Raspberry Slideshow [1] ein digitales Fotoalbum ab oder blenden Videosequenzen ein, bei Bedarf beides gemischt.

Das Betriebssystem steht in zwei funktionell unterschiedlichen Varianten bereit: Die freie Version beinhaltet im Gegensatz zum sogenannten Donors’ Build keine Option zum Anpassen der Konfiguration über einen SSH-Zugang. Somit lassen sich in der freien Version bestimmte manuelle Modifikationen an Konfigurationsdateien nur mithilfe eines Linux-PCs ausführen, mit dem Sie die entsprechenden Dateien direkt auf der SD-Karte bearbeiten.

Außerdem erlaubt es die frei erhältliche Version lediglich, multimediale Inhalte abzuspielen, die Sie auf einem USB-Speicherstick oder im Internet abgelegt haben. Verschiedene Server-Listen sowie eine automatische Rotation der Bilder anhand vorhandener EXIF-Daten bei Präsentationen beherrscht nur die für 16,90 Euro angebotene Variante Donors’ Build [2].

Einstieg

Raspberry Slideshow erhalten Sie als rund 580 MByte großes ZIP-Archiv auf den Sourceforge-Seiten. Nach dem Entpacken des Archivs transferieren Sie das extrahierte Abbild auf eine mindestens 4 GByte große SD-Karte. Es empfiehlt sich jedoch, eine Speicherkarte höherer Kapazität zu verwenden und darauf die Partition für das System zu expandieren (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit einem Tool wie GParted vergrößern Sie die Speicherkapazität für das Raspberry-Slideshow-System.

Abbildung 1: Mit einem Tool wie GParted vergrößern Sie die Speicherkapazität für das Raspberry-Slideshow-System.

Die Software kopiert nämlich die auf einem USB-Stick befindlichen Inhalte auf die Karte, um selbst ohne externen Speicher die Dateien automatisch abzuspielen. Geht beim Kopieren der Inhalte auf die SD-Karte der Platz zur Neige, bricht die Software den Vorgang ohne Fehlermeldung ab. In der Folge gibt das System in der Slideshow dann nur jene Daten wieder, die es auf die SD-Karte geschafft haben.

Nach der Installation des Abbilds auf der SD-Karte starten Sie den RasPi mit dem Slideshow-System. Das Einbinden externer Datenquellen im Netz setzt bei Verwendung eines RasPi 2 zwingend einen kabelgebundenen LAN-Zugang voraus, da das System in der Standardvariante externe WLAN-Dongles nicht erkennt. Selbst die von Raspbian direkt unterstützten Adapter bindet die Software beim Hochfahren nicht ein.

Das Betriebssystem spielt nach dem Start voreingestellt zu Demonstrationszwecken eine Videoshow ab: die norditalienische Stadt Verona bei Nacht. Der Rechner zeigt die Show im Vollbildmodus an und gestattet kein Steuern durch eine Eingabe über die Tastatur oder die Maus.

Inhalte

Um Inhalte von einem USB-Stick in entsprechenden Abfolgen anzuzeigen, versehen Sie einen USB-Stick mit einem Ext4- oder (V)FAT-Dateisystem. Legen Sie dabei nur eine einzelne Partition an. Dann platzieren Sie die gewünschten Videos oder Bilder direkt im Hauptverzeichnis des Mediums. Raspberry Slideshow ist nicht in der Lage, Inhalte aus einer Verzeichnishierarchie zu lesen.

Den so vorbereiteten Datenträger schließen Sie an den RasPi an und starten diesen neu. Nach dem Hochfahren erscheinen die Inhalte automatisch auf dem Bildschirm, wobei der HDMI-Port des RasPi außerdem Audiosignale übertragt. Die Beschränkung auf maximal drei Quellen schmälert dabei den Nutzen der frei verfügbaren Variante von Raspberry Slideshow etwas: Sie dürfen maximal drei Dateien gemischten Inhalts mit der Standardversion abspielen. Diese Einschränkung fällt erst in der kostenpflichtigen Vollversion weg.

Raspberry Slideshow nutzt zum Anzeigen einer Foto-Slideshow das Kommandozeilenprogramm Fbi, für die Wiedergabe von Videos kommt der Omxplayer zum Einsatz. Bei Bildern unterstützt das System die JPG, PNG, BMP und GIF, bei Videos unter anderem MP4 und AVI.

Blendet das System nach dem Hochfahren am oberen rechten Bildschirmrand zeitweise oder permanent ein gelbes Blitzsymbol ein, weist das darauf hin, dass das Netzteil zu wenig Leistung liefert. Das kann dazu führen, dass Slideshows vorzeitig abbrechen oder das System Videodateien nicht vollständig auf die SD-Karte überträgt, was einen schwarzen Bildschirm zur Folge hat.

Achten Sie also darauf, dass das Netzteil beim RasPi 2 mindestens 1200 mA liefert, beim RasPi 3 wenigstens 2500 mA. Probleme gibt es oft beim Kauf billiger Netzteile aus Fernost, die direkt vom Hersteller kommen: Oft halten sie weder die gängigen EU-Normen ein, noch liefern sie die versprochene Leistung.

Konfiguration

Aufgrund unterschiedlicher Formfaktoren bei Fotos und Bildschirmen entstehen bei der Präsentation häufig schwarze Ränder an den Seiten und gelegentlich auch an der Ober- und Unterkante. Ein ähnliches Phänomen tritt oft bei der Wiedergabe von Videos auf, die noch im Formfaktor 4:3 produziert wurden.

Um solche unschönen Ränder möglichst weitgehend zu eliminieren, erweitern Sie die Fläche für die Anzeige. Dazu hängen Sie die SD-Speicherkarte mit der Boot-Partition auf einem Linux-PC ein und bearbeiten die Datei /boot/config.txt. Hier aktivieren Sie die mit einem vorangestellten Doppelkreuz auskommentierte Zeile disable overscan=1, indem Sie das Kommentarzeichen entfernen.

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