Aus Raspberry Pi Geek 06/2022

Alte DOS-Spiele auf dem Raspberry Pi (Seite 2)

Varianten

Dosbian bringt die DOSBox in zwei Varianten mit, der herkömmlichen SVN-Version, die direkt aus dem Quellcode kompiliert ist, und der ECE-Variante, die von der Community verbessert wurde und daher einige technische Erweiterungen enthält. Zu den Verbesserungen der ECE-Variante zählen beispielsweise ein größerer Videospeicher und eine fehlerbereinigte Emulation der CGA- und EGA-Videomodi.

Mithilfe des Dosbian-Konfigurationswerkzeugs, das Sie durch Eingabe des Befehls exit am Prompt der DOSBox erreichen, definieren Sie dauerhaft, in welchem Modus die DOSBox in Ihrer Dosbian-Installation arbeiten soll. Dazu öffnen Sie im Konfigurationswerkzeug die Option 6 DOSBox SVN, um den offiziellen SVN-Modus zu verwenden, oder 7 DOSBox ECE für den erweiterten Modus. Zum Aktivieren der entsprechenden Einstellung müssen Sie das System neu starten.

Datenübertragung

Die DOS-Spiele speichert Dosbian im Verzeichnis GAMES/ unterhalb des Ordners /home/pi/dosbian/. Dort organisieren Sie Ihre Spiele in gesonderten Unterverzeichnissen, von wo aus Sie diese aufrufen. Voreingestellt sind in Dosbian bereits zwei Spiele installiert. Zur Datenübertragung nutzen Sie den SSH-Server, den Sie im Konfigurationsdialog der Raspi-config-Konsole aktiviert haben. Auf dem Client-Rechner im Intranet verwenden Sie unter Linux zum Datentransfer am einfachsten einen SSH-GUI-Client wie beispielsweise PuTTY oder EasySSH. Alternativ richten Sie im Dateimanager des grafischen Linux-Desktops ein Netzlaufwerk ein.

Nach Fertigstellung des Datentransfers müssen Sie das Laufwerk C:\ in der Dosbian-Installation aus- und erneut einhängen, damit der Zugriff auf alle Daten besteht. Dazu wechseln Sie am Prompt mit Eingabe des Befehls exit ins Dosbian-Konfigurationswerkzeug und wählen dort die Option 1 Start My Super Duper 486DX. Nach kurzer Zeit gelangen Sie wieder an den DOS-Prompt. Von hier aus können Sie nun mit cd Ordner in das Unterverzeichnis des gewünschten Spiels wechseln und es starten.

Grafisch

Dosbian verfügt mit der Launchbox auch über eine textbasierte grafische Oberfläche. Diese erinnert optisch an den Grub-Bootmanager, gestattet es jedoch, die installierten Anwendungen bequem aus dem Startmenü heraus aufzurufen, ohne dabei jedes Mal umständlich am Prompt einen Verzeichniswechsel vorzunehmen. Außerdem können Sie die Launchbox in Dosbian auch so konfigurieren, dass sie bereits beim Start des Betriebssystems automatisch geladen wird und somit der Prompt gar nicht erst erscheint.

Um die Launchbox als Startbildschirm nach dem Hochfahren des Systems zu aktivieren, verlassen Sie die DOSBox mit dem Befehl exit und öffnen im daraufhin erscheinenden Dosbian-Konfigurationsdialog die Option 8 Launchbox. Das System stellt die Launchbox nun als Startbildschirm ein und öffnet ein Fenster mit einer entsprechenden Bestätigung. Nach einem Reboot erscheint dann automatisch die Launchbox.

Sie führt in ihrem Auswahlmenü zunächst nur die beiden bereits vorinstallierten Spiele auf. Um weitere Spiele oder auch Anwendungen hinzuzufügen, klicken Sie mit der Maus oben in der Menüleiste der Anwendung am oberen Fensterrand auf die Option Edit und wählen im Menü den Eintrag Add. Nun öffnet sich ein überlagerndes Fenster, in dem Sie verschiedene Daten zu der neu im Hauptmenü der Launchbox einzutragenden Anwendung angeben müssen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Mithilfe eines übersichtlichen Dialogs konfigurieren Sie die Menüeinträge der Launchbox.

Abbildung 3: Mithilfe eines übersichtlichen Dialogs konfigurieren Sie die Menüeinträge der Launchbox.

Neben einem Titel, der als Starter im Menü erscheint, geben Sie im Feld Run App Commands den DOS-Befehl ein, mit dem Sie das neue Spiel oder die neue Anwendung normalerweise am Prompt aufrufen. Kennen Sie den genauen Suchpfad nicht, klicken Sie rechts auf die Schaltfläche Browse, die ein weiteres Fenster mit einem kleinen Dateimanager öffnet. Darin klicken Sie sich durch die Pfadhierarchie bis zum Ziel und wählen am Ende die entsprechende Binär- oder Batch-Datei aus. Im Feld Configure Commands lassen sich zudem weitere Parameter angeben, beispielsweise, wenn im Kontext mit der Programmdatei zusätzliche Dateien aufgerufen werden sollen. Diese können Sie wahlfrei eintragen oder durch einen Klick auf Browse rechts neben dem Eingabefeld im Dateimanager aussuchen.

Zusätzlich empfiehlt es sich, rechts unten im Fenster den Button Details anzuklicken, um im neuen Dialog Metadaten zur jeweiligen Applikation einzugeben. Zu den wichtigsten Angaben zählen hier die Felder Genre, Publisher und Release Year. Durch Setzen eines Häkchens vor der Option Favorite markieren Sie den jeweiligen Eintrag als Favorit, der an erster Stelle des Auswahlmenüs erscheint. Nach Abschluss der Eingaben und einem Klick auf OK erscheint das neue Spiel oder die neue Anwendung im Hauptmenü der Launchbox (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Launchbox ermöglicht den Start der auf dem System installierten Spiele per Tastendruck.

Abbildung 4: Die Launchbox ermöglicht den Start der auf dem System installierten Spiele per Tastendruck.

Suche

Haben Sie viele Spiele ins Hauptmenü integriert, filtern Sie die Liste in der unteren Optionszeile nach den entsprechenden Schlagworten. Voraussetzung dafür ist, dass Sie die dazugehörigen Metadaten eingegeben haben. Mit der Tabulatortaste oder den Pfeiltasten springen Sie zwischen den einzelnen Kategorien in der unteren Optionszeile hin und her. Dabei erscheinen im oberen Listensegment der Launchbox die entsprechenden Kriterien, also beispielsweise die angegebenen Spielegenres. Nach Auswahl eines der Listeneinträge verzweigt die Software nach einem Druck auf die Eingabetaste in eine neue Liste, in der Sie alle Programmeinträge angezeigt bekommen, auf die das jeweilige Kriterium zutrifft. Durch Auswahl eines der Treffer und einen erneuten Druck auf die Eingabetaste starten Sie das gewählte Spiel.

Fazit

Dosbian macht in der Praxis einen durchweg guten Eindruck. Das System ist aus dem Stand einsatzbereit, und im Test mit mehreren Spielen zeigten sich keine Stabilitäts- oder Geschwindigkeitsprobleme. Dank des integrierten Konfigurationswerkzeugs und der Launchbox eignet sich Dosbian auch für Anwender mit geringen Linux- und DOS-Kenntnissen, da man in vielen Fällen den Prompt umgehen kann und daher keine Kenntnisse von Befehlsparametern vonnöten sind. Alles in allem stellt Dosbian auf dem Raspberry Pi eine ausgezeichnete Alternative zu alter und im Betrieb nicht energieeffizient arbeitender Hardware dar, will man ursprünglich für DOS entwickelte Software nutzen. (cla)

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