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Aus Raspberry Pi Geek 02/2017

Q4OS mit Trinity-Desktop

© Computec Media GmbH

Q wie Qualität

Ferdinand Thommes

Mit seinem Trinity-Desktop spricht Q4OS 1.6.3 gleichermaßen RasPi-Anwender, Linux-Neulinge und Freunde von KDE 3 an.

Bei der Distribution Q4OS steht das Q für Qualität. Das fängt schon bei der Wahl des Unterbaus an, bei dem die Entwickler auf Debian 8.6 “Jessie” setzen, sodass er Debians Langzeitunterstützung bis 2020 genießt. Als Desktop-Umgebung kommt ein gut abgehangenes KDE 3.5 zum Einsatz, in Form des Trinity Desktop Environments (TDE) in Version 14.0.4 [1].

Das Projekt unterstützt neben der x86-Architektur (32 und 64 Bit) auch den Raspberry Pi und weitere Geräte auf ARM-Basis. Die minimalen Hardware-Anforderungen lassen es geradezu als ideal für Single-Board-Computer erscheinen. Wir wollten wissen, ob die Papierform der Realität standhält, und machten den Test auf einem RasPi 3 und auf dem Odroid-C2 mit ARMv8.

Für die Raspberry-Pi-Familie gibt es ein vorbereitetes ISO-Image, das auf Raspbian basiert [2]. Möchten Sie sich die Arbeit des Aufspielens auf eine SD-Karte ersparen, können Sie im Q4OS-Shop [3] eine 16 GByte fassende, vorinstallierte Karte zum Preis von rund 13 US-Dollar (knapp 12 Euro) erwerben [4]. Zudem gibt es dort ein RasPi-3-Kit samt 32-GByte-SD-Card mit vorinstalliertem Q4OS. Kostenpunkt: 62 US-Dollar, also rund 57 Euro [5].

Das Archiv mit dem Image für den Raspberry Pi hat einen Umfang von rund 350 MByte, ausgepackt sind es dann 4 GByte. Das bedeutet, dass Sie zumindest eine Micro-SD-Karte mit 8 GByte für Q4OS benötigen. Das Aufspielen des Images auf die SD-Card geschieht in gewohnter Manier mit Dd oder einem entsprechenden grafischen Werkzeug wie etwa Etcher oder Rufus [6]. Q4OS hat eine Webseite mit genauen Instruktionen dazu ins Netz gestellt [7].

Installation

Nachdem Sie das Image auf die Micro-SD-Karte aufgespielt und diese in den Raspberry Pi eingesteckt haben, versorgen Sie den Mini-Rechner mit Strom und starten somit Q4OS. Zunächst passt Raspbian automatisch die Größe des Dateisystems der Karte an, dann startet der eigentliche Bootvorgang. An dessen Ende steht die Anmeldemaske. An dieser Stelle erwartet das System den Usernamen pi und das Passwort raspberry. Zu diesem Zeitpunkt ist die Tastatur noch englisch lokalisiert, Sie müssen auf einer deutschen Tastatur für das “y” also [Z] drücken.

Unmittelbar nach dem Anmelden bietet Q4OS an, die Systemsprache anzupassen, und stellt nach der Auswahl von Deutsch das System komplett um. Ebenso aktiviert es bei Bedarf WLAN, falls Sie einen Wireless-Stick verwenden wollen. Als Nächstes bietet das System an, sicherheitshalber das Passwort für den Nutzer pi zu ändern sowie gegebenenfalls die Größe des Dateisystems anzupassen. Eine Bestätigung schadet hier nicht. Nun sollte ein Neustart folgen, um alle Einstellungen auch umzusetzen. Das System startet selbst für RasPi-Verhältnisse recht schnell, die Anmeldemaske erscheint bereits nach rund sieben Sekunden.

Als erste Amtshandlung nach dem Neustart werfen Sie mittels des Befehls sudo raspi-config von der Konsole aus einen Blick auf den RasPi-Einstellungsdialog. Unter Advanced Options schalten Sie gegebenenfalls die Erreichbarkeit von außen per SSH oder RealVNC frei. Danach ist es Zeit, sich dem Willkommensbildschirm von Q4OS zuzuwenden . Hinter dem Desktop Profiler versteckt sich die eigentliche Paketinstallation, denn Q4OS spielt bei der Installation nur das Grundsystem und einen Webbrowser auf die SD-Karte.

System nach Maß

Der Desktop Profiler bietet drei Varianten an, um das System zu komplettieren (Abbildung 1). Für Durchschnittsanwender und Einsteiger empfiehlt das Projekt die Spielarten Basic Desktop oder Full Desktop. Hierbei lädt das System rund 150 beziehungsweise 500 MByte an Anwendungen herunter und installiert diese. Der Basic Desktop setzt dabei ein etwas schmaleres System auf, ohne Office-Suite und mit weniger Auswahl an Anwendungen. Die dritte Variante überlässt dem Anwender den kompletten weiteren Ausbau.

Abbildung 1: Der »Desktop Profiler« stellt drei Installationsmodi zur Auswahl.

Abbildung 1: Der »Desktop Profiler« stellt drei Installationsmodi zur Auswahl.

Als weitere Variante der Paketinstallation bietet Q4OS auf seiner Download-Seite in der Rubrik Software Downloads sogenannte One-Klick-Pakete an, die sich nach dem Herunterladen mit einem Mausklick installieren lassen. Hier finden Sie neben Webbrowser und Mailclient unter anderem auch einen Terminalserver sowie Entwicklersoftware.

Über die Auswahl und Installation eines passenden Paketbestands hinaus nimmt Q4OS den Anwender beim Erledigen einiger Standardaufgaben an die Hand. So offeriert der Willkommensbildschirm, proprietäre Codecs für das Abspielen von MP3 und DVDs nachzuziehen, Desktop-Effekte einzuschalten oder gängige Anwendungen nachzuinstallieren (Abbildung 2). Nach Einrichten der mittleren Variante Basic Desktop belegt das System knapp über 2 GByte Platz auf der SD-Karte und benötigt 180 MByte Hauptspeicher.

Abbildung 2: Der extrem nützliche Willkommensbildschirm von Q4OS hält wichtige Funktionen bereit.

Abbildung 2: Der extrem nützliche Willkommensbildschirm von Q4OS hält wichtige Funktionen bereit.

Mit einem Klick installieren Sie auf Wunsch die Browser Firefox oder Chrome, den Mailclient Thunderbird, den Paketmanager Synaptic, die Bürosuite LibreOffice oder den Medienplayer VLC. Auch Dropbox, Teamviewer und Wine lassen sich auf diesem Weg komfortabel einrichten. Darüber hinaus steht Ihnen per Synaptic oder Apt der gesamte Paketbestand von Raspbian zur Verfügung.

Ein weiterer Button im Willkommensbildschirm bietet das Umschalten auf das modernere Kickoff-Menü von KDE 4 an. Es wertet den Desktop mit einer Suchfunktion auf, die nach dem Öffnen den Fokus hat, sodass Sie gleich einen Suchbegriff eingeben können. Der letzte Schalter im Willkommensbildschirm aktiviert das automatische Anmelden.

TDE und Alternativen

Als eine von ganz wenigen Distributionen kommt Q4OS mit dem Trinity-Desktop, bei Q4OS 1.6.3 in Version 14.0.4. Das Trinity-Projekt pflegt KDE 3 weiter (derzeit in Version 3.5.10) und aktualisiert den Desktop sogar behutsam. Seine ersten Nutzer fand Trinity seinerzeit in den Anwendern, die die mit KDE SC 4 eingeführten Neuerungen wie Akonadi und Nepomuk für überflüssigen Ballast hielten oder von der Instabilität der ersten KDE-4-Versionen enttäuscht waren.

Mittlerweile hält Trinity das alte KDE 3 seit sechs Jahren erfolgreich weiter am Leben. Der Desktop passt bestens zu Q4OS, da er sehr ressourcenschonend ans Werk geht und somit auch auf dem Raspberry Pi ein flüssiges Arbeiten ermöglicht. Bevorzugen Sie eine andere Desktop-Umgebung, installieren Sie diesen einfach über die Debian-Paketverwaltung und wählen sie dann bei der nächsten Anmeldung als Sitzung aus. Auf dem RasPi 3 lassen sich insbesondere XFCE, Maté, LXDE oder LXQt (Abbildung 3) gut einsetzen.

Abbildung 3: Q4OS lässt sich gegebenenfalls auch um andere Desktops erweitern – hier beispielsweise LXQt.

Abbildung 3: Q4OS lässt sich gegebenenfalls auch um andere Desktops erweitern – hier beispielsweise LXQt.

Q4OS auf anderen SBCs

Wir haben Q4OS nicht nur auf dem RasPi getestet, sondern auch auf dem leistungsfähigeren Mini-Rechner Odroid-C2, der auf der ARMv8-Architektur basiert. Für die Einplatinenrechner abseits des RasPi gibt es kein vorgefertigtes Q4OS-Image, da hier zu viele unterschiedliche Plattformen infrage kommen. Prinzipiell müssen Sie auf jedem zu verwendenden Board zunächst ein passendes Debian installieren. Anschließend führen Sie auf dessen Basis ein Skript aus, das das System nach Q4OS überführt.

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