Aus Raspberry Pi Geek 06/2021

DietPi als schlankes System auch für ältere RasPi-Modelle

© Helga Eisele, Project Photos

Abgespeckt

Erik Bärwaldt

Mit DietPi erhalten Sie eine schlanke, perfekt auf die verschiedenen Varianten des Raspberry Pi zugeschnittene Arbeitsumgebung.

Der Raspberry Pi erhielt seit seinem Erscheinen im Jahr 2012 mit jeder neuen Generation kontinuierlich leistungsfähigere Hardware. Trotzdem eignet sich der britische Einplatinencomputer noch nicht als vollwertiges Desktop-System, denn auch das Standardbetriebssystem Raspberry Pi OS (vormals Raspbian) fiel über die Jahre immer schwergewichtiger aus.

Die meisten verfügbaren Alternativen benötigen mit jeder neuen Version ebenfalls zusätzliche Rechenleistung. Ältere Generationen des RasPi geraten daher immer stärker ins Abseits. Mit dem alternativen, auf Debian “Buster” basierenden Betriebssystem DietPi [1] bringen Sie auch einen betagten RasPi 2B wieder richtig in Schwung.

Konzept

Das freie DietPi basiert wie Raspberry Pi OS auf Debian. Während Letzteres jedoch eine vollständige Arbeitsumgebung inklusive zahlreicher Applikationen für den täglichen Bedarf mitbringt, gestalten die Macher von DietPi ihr System bewusst extrem schlank. Dadurch schafft es DietPi, auch noch auf alten Systemen der ersten Generationen des Kleincomputers eine gute Figur abzugeben.

DietPi gibt es in vier Varianten: Während sich das Amiberry-Abbild an Nutzer wendet, die einen Amiga-Computer emulieren möchten, richtet sich die Allo-GUI-Version an audiophile Anwender, die den RasPi zu einem webbasierten Medienabspieler im Intranet und für verschiedenste Endgeräte umfunktionieren möchten.

Die Standardvarianten von DietPi bietet das Projekt in einer 32-Bit-Version für die Broadcom-Prozessoren ab der BCM2835-CPU sowie in einer noch als Beta-Release gekennzeichneten 64-Bit-Version für die im RasPi 4B und 400 genutzte BCM2711-CPU an. Hier liegt die Arbeitsspeicherkapazität zwischen bescheidenen 256 MByte und großzügigen 8 GByte.

Installation

Die Installation von DietPi unterscheidet sich kaum von der anderer Betriebssysteme. Zunächst laden Sie das für Ihr System passende gepackte 7Z-Abbild herunter und entpacken es. Dabei entstehen lediglich rund 850 MByte Daten. Anschließend transferieren Sie das Image mithilfe eines grafischen Werkzeugs wie BalenaEtcher [2] oder des Terminals auf die MicroSD-Karte des Raspberry Pi (Listing 1).

Listing 1

Image transferieren

$ dd if=<I>Abbildname<I> of=/dev/mmcblk0 bs=1M && sync

Beachten Sie die von den Entwicklern empfohlene Mindestgröße von 4 GByte für die Speicherkarte. Vergewissern Sie sich vor dem ersten Start, dass der RasPi im Netz hängt. DietPi benötigt den Zugang ins Internet und konfiguriert daher bereits beim ersten Start die kabelgebundene Schnittstelle eth0. Eine WLAN-Anbindung sieht das System in diesem Stadium der Einrichtung noch nicht vor. Findet das Betriebssystem beim Start keine kabelgebundene Verbindung ins Internet, verweist es auf den fehlenden Netzzugang.

Bei aktiviertem LAN-Zugang gelangen Sie umgehend an den Login-Prompt, an dem Sie sich mit dem Nutzernamen root und dem Passwort dietpi anmelden. Daraufhin aktualisiert DietPi zunächst die Paketquellen und öffnet danach einen auf Ncurses basierenden Assistenten mit rudimentärer Grafik. Er führt Sie zunächst durch zwei interaktive Dialoge, die das Ändern des Passworts und der Benutzerauthentifizierung ermöglichen. Anschließend gelangen Sie in einen Konfigurationsassistenten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bei DietPi nehmen Sie die Konfiguration mithilfe eines Ncurses-basierten Assistenten vor.

Abbildung 1: Bei DietPi nehmen Sie die Konfiguration mithilfe eines Ncurses-basierten Assistenten vor.

Systemkonfiguration

Der Einstellungsassistent bietet ein umfangreiches Konfigurationsmenü, das Sie auch nach Abschluss der Erstkonfiguration über dietpi-config wieder aufrufen können. In diesem Menü nehmen Sie teils auch sehr Hardware-nahe Modifikationen vor. Insbesondere die Einstellungen in der Kategorie Performance Options sollten Sie nur in Ausnahmefällen ändern, da sie auch dazu führen, den jeweiligen Prozessor zu übertakten. Vor allem nicht gekühlte Versionen des RasPi 4B leiden jedoch bereits im Normalbetrieb unter massiven Abwärmeproblemen, sodass ein Übertakten des Prozessors in einem solchen Fall womöglich zu Schäden an der Hardware führt.

Andere Einstellungen, wie beispielsweise die Lokalisierung des Systems, sollten Sie jedoch unbedingt anpassen. Das System verwendet in der Grundeinstellung die US-Tastaturbelegung und eine amerikanische Zeitzone. Auch die in der Kategorie Network Options: Adapters gegebenen Konfigurationsmöglichkeiten sollten Sie als Besitzer aktueller RasPi-Varianten modifizieren, da diese von Haus aus eine WLAN-Unterstützung mitbringen, die es zu aktivieren gilt.

Möchten Sie Ihren Raspberry Pi nur für ein eng begrenztes Aufgabenspektrum nutzen, wählen Sie im Menü AutoStart Options diverse Boot-Optionen: Hier definieren Sie beispielsweise, dass der Kleincomputer im Kiosk-Modus hochfährt oder das Mediacenter Kodi automatisch startet. Auch die Amiberry-Emulation lässt sich hier als Startoption festlegen (Abbildung 2).

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