Wer seine Daten lieber zu Hause verwahrt, statt sie in der Cloud abzulegen, der findet mit einem RasPi, Docker und Owncloud die passende Grundlage dafür.
Owncloud Infinite Scale (OCIS [1]) sorgte Anfang des Jahres für Furore, weil der Hersteller bekannt gab, mit der neuen Version das bisherige PHP-Legacy hinter sich zu lassen und auf die moderne Programmiersprache Go zu wechseln. Über ein Jahr verbrachten die Entwickler mit dem Erstellen des neuen Codes. Er bietet laut Hersteller bei bis zu zehnfacher Performance eine vollständige API-Kompatibilität zum PHP-Erbe. OCIS liegt mittlerweile in Version 1.13 vor, allerdings immer noch als Tech Preview.
Go war aus verschiedenen Gründen die erste Wahl. Der wichtigste davon findet sich schon im neuen Namen: Skalierbarkeit. Anders als das Web-Urgestein PHP setzt die moderne Programmiersprache auf Microservices und vereinfacht verteilte Strukturen. Auch deswegen bietet sich OCIS für kleinere Geräte mit weniger Leistung an, etwa für den Raspberry Pi, oder auch für mehrere, die die Möglichkeiten der asynchronen Abläufe von Go nutzen und sich so die verschiedenen Dienste teilen.
Seit September 2021 gehören zu diesen Diensten übrigens auch die Office-Produkte Collabora Online, OnlyOffice, Codi MD und sogar Microsoft Office Online, das Microsofts REST-API für Dateisynchronisation und Office (WOPI) anbindet, aber einen separaten Server voraussetzt.
Unter Kontrolle
Für den Anwender bedeutet das mehr Flexibilität bei der eigenen Cloud. Nicht jeder will schließlich die Kontrolle aus der Hand geben und alles auf die Server von Dienstleistern packen. Eine gute Alternative besteht darin, einen Cloud-ähnlichen Dienst wie Owncloud auf eigener Hardware und in den eigenen vier Wänden zu betreiben.
Viele der Argumente, die gegen solche Setups sprechen, gelten heute nicht mehr. So krebst längst der größte Teil der Bevölkerung nicht mehr mit langsamem Dial-up-Internet durchs Netz, sondern besitzt Anschlüsse mit hinreichend dickem Down- wie Upstream. Letzterer spielt für die Wolke daheim mindestens eine ebenso große Rolle wie der Downstream, die Cloud-Instanz liefert später ja die Daten via Upstream aus.
Auch das Verbindungsproblem existiert so nicht mehr: Zwar ändert sich bei vielen Internet-Anschlüssen wegen der Zwangstrennung nach wie vor die IP-Adresse alle 24 Stunden. DynDNS-Dienste helfen aber dabei, diese Schwierigkeit zu beheben. Das dritte Problem schließlich betrifft die Hardware: Kaum einer möchte sich lärmende Computer in die Wohnung stellen, um einen entsprechenden Dienst zu betreiben. Hier sorgt der RasPi für Abhilfe, dem in der Regel eine passive und damit geräuschlose Kühlung genügt. Darüber hinaus verbraucht er wenig Strom, lässt sich dezent verstecken und schnell austauschen, falls die Hardware wider Erwarten doch mal streikt.
Allerdings gilt es, in Sachen Lärm eine Kleinigkeit zu beachten: Wer, wie im folgenden Beispiel beschrieben, eine große Festplatte als Datensilo am Raspberry Pi betreibt, hört durchaus Geräusche, jedoch auf einem deutlich niedrigeren Niveau als bei einem ausgewachsenen Server. Allerdings brauchen große Festplatten in der Regel mehr Strom als der kleine RasPi selbst. Vermeiden lässt sich das durch den Einsatz von USB-Sticks oder eines SSD-Speichers.
Einkaufsliste
Um eine auf der neuesten OCIS-Version basierende Cloud für den Heimbedarf zu bauen, benötigen Sie zunächst die passende Hardware. Ein RasPi 4B mit 4 Gigabyte RAM und einer 32-GByte-SD-Karte genügt dafür. Zusätzlich empfiehlt sich für die Daten von Owncloud eine externe Festplatte im passenden Gehäuse, idealerweise mit einer eigenen Stromversorgung. Das Beispiel geht im Folgenden von einer externen Festplatte mit einer Kapazität von 5 TByte aus.
Sowohl der Elektrofach- als auch der Versandhandel bietet mittlerweile betriebsbereite Raspberry-Pi-Bundles an. Diese enthalten neben dem Gerät selbst die Micro-SD-Karte, ein Netzteil, ein Gehäuse, Kabel sowie weitere Zubehörteile, etwa passive Kühler. Solide Kühlgehäuse wie das Miuzei Pi Case [2] aus Aluminium kosten inklusive Netzteil (mit Schalter) gerade einmal 15 Euro und funktionieren als pfiffige Heat Sinks – perfekt für einen RasPi, der auch mal ein wenig mehr Last vertragen soll (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Raspberry Pi mit einem auf gute Kühlung ausgelegten Gehäuse wie dem Miuzei Pi Case eignet sich ideal für OCIS.
Grundlegende Arbeiten
Nach dem Zusammenstellen der Hardware geht es ans Setup, dessen Grundlage Raspberry Pi OS bildet. Die Autoren des Betriebssystems bieten mit dem Raspberry Pi Imager ein Werkzeug an, das unter Windows, Mac OS sowie Linux funktioniert und ein beliebiges Flash-Laufwerk in eine bootfähige Raspberry-Pi-OS-Installation verwandelt. Laden Sie den Imager von der Webseite [3] herunter, führen ihn aus und stecken Sie die Micro-SD-Karte in den Leser des Computers. Wählen Sie die passende OS-Variante aus, geben Sie die Micro-SD-Karte als Ziellaufwerk an und klicken Sie auf Write. Den Rest erledigt der Imager. Stecken Sie die SD-Karte danach in den RasPi, versorgen Sie ihn mit Strom und verbinden Sie ihn für das initiale Setup mit einem Monitor.
Loggen Sie sich mit dem Nutzernamen pi und dem Passwort raspberry ein und rufen Sie mit dem Kommando raspi-config den Konfigurationsassistenten auf. Mithilfe des ersten Menüpunkts sollten sie nun das Passwort für den Benutzer pi auf einen sicheren Wert setzen, schon deswegen, weil das Root-Login von extern ab Werk nicht aktiviert ist, sodass Sie nur via Sudo Administratorrechte erlangen. Fürs Netzwerken mit OCIS bedarf es einer festen IP-Adresse. Entweder lassen Sie Ihren Router dem RasPi via DHCP stets die gleiche IP zuweisen, oder Sie konfigurieren sie (wie auch Standard-Route und DNS-Server) unter Network Options statisch.
Dateisystem
Jetzt gilt es, den gesamten verfügbaren Platz auf der SD-Karte zu nutzen, die grafische Oberfläche zu deaktivieren und SSH beim Booten zu aktivieren. Wählen Sie im Menüpunkt Advanced Options Menu die Option A1 Expand Filesystem, unter Boot Options den Punkt B1 Console und aktivieren Sie unter Interfacing Options den Unterpunkt SSH. Danach aktiviert ein Neustart die vorgenommenen Änderungen, und der Installation von Owncloud OCIS nichts mehr im Wege.






