Unter den grundlegenden Platineneigenschaften finden Sie den Optionsblock SMT-Assembly. Dort wählen Sie die Bestückungsseite aus und können außerdem die Bestückung nur für einen Teil der Platinen (etwa zwei von fünf) beauftragen, was sich allerdings finanziell nicht lohnt.
In den nächsten beiden Schritten des Assistenten laden Sie dann die BOM- und die CPL-Datei hoch. JLCPCB zeigt Ihnen daraufhin eine Vorschau der bestückten Platine. In Abbildung 7 lässt sich erkennen, dass die Rotation des Inverter-ICs noch nicht stimmt. Die Ausrichtung von ICs, Dioden und Kondensatoren hängt von deren Anordnung auf der Bestückungsrolle ab – die kann das CAD-Tool nicht erraten. In diesem Fall müssen Sie also die CPL-Datei für die fraglichen Bauteile editieren und die Rotation anpassen. JLCPCB prüft trotzdem immer, ob es hier Fehler gibt.

Abbildung 7: Die Bestückungsvorschau ermöglicht unter anderem, kleinere Fehler noch vorab zu identifizieren.
Der Service des Anbieters ist übrigens hervorragend: Die oben erwähnten falschen Bohrdateien des Autors korrigierte JLCPCB nach kurzer Rücksprache, den Auftrag mit fehlerhaften Gerber-Dateien stornierte das Unternehmen umgehend, und die Rückbuchung auf das Konto erfolgte sogar schneller als die Belastung.
Kostenaspekte
Der Gesamtprozess wirkt bei Aisler insgesamt einfacher, hat jedoch wie erwähnt durchaus seine Eigenheiten. Beide Verfahren lassen sich aber selbst von Gelegenheitsanwendern problemlos handhaben, die Unterschiede erscheinen nicht wirklich entscheidend. Auf der Kostenseite klaffen dagegen Welten zwischen Aisler und JLCPCB.
Der Preis für eine bestückte Platine setzt sich aus verschiedenen Posten zusammen. Neben einer Grundgebühr (job fee) gibt es variable Kosten, wozu neben Kosten je Bauteilart und solchen je Lötverbindung vor allem die Bausteinkosten zählen. Die Grundgebühr deckt neben den Verwaltungskosten noch technische Einmalkosten wie die Schablonenerstellung ab. Wie sich das berechnet, weist Aisler genauestens und gut nachvollziehbar aus [7]. Als größte Kostentreiber erweisen sich die Grundgebühr (99 Euro) sowie die Kosten je Bauteiltyp (4,50 Euro). Bei der Beispielplatine mit vier verschiedenen Bauteilen kommen allein für Letzteres schon 18 Euro zusammen. Insgesamt käme ein einzelnes Exemplar unserer Beispielplatine auf 154 Euro, drei Stück auf 166 Euro – jeweils ohne Mehrwertsteuer.
Strukturell verwendet JLCPCB dasselbe Kostenschema, allerdings beträgt die Grundgebühr lediglich 8 US-Dollar. Außerdem gibt es nach jedem Auftrag für den nächsten Monat drei Gutscheine, die die Basiskosten für die SMT-Bestückung faktisch auf jeweils 1 US-Dollar Grundgebühr drücken. Kosten je Bauteiltyp (3 US-Dollar) fallen nur für Extended Parts an. Viele übliche Bauteile, darunter alle auf unserer Button-Platine, fallen jedoch in die Kategorie Basic Parts und bleiben frei von Fixkosten. Die entsprechenden Rollen sind auf den Bestückungsmaschinen vorhanden, deswegen fallen keine Umrüstkosten an. Üblicherweise zahlen Sie bei den Bauteilen Mindestmengen (etwa 15 Stück, obwohl Sie nur 5 brauchen), aber selbst damit liegen die Bauteilkosten sehr niedrig. In Summe kosteten fünf Exemplare unserer Beispielplatine einschließlich Versand und Steuern zu guter Letzt 10 Euro (unter Verwendung eines der erwähnten Gutscheine).
Die Entscheidung aus Kostensicht gegen Aisler liegt hier klar auf der Hand. Darüber hinaus setzt Aisler eine Vorlaufzeit von vier Wochen bis zum Versand der Platinen an, bei JLCPCB dauerte die Produktion und die Laufzeit bis zum Eintreffen insgesamt nur zwei Wochen. Das liegt auch daran, dass JLCPCB seit der Änderung der Zollfreigrenze die Gebühren selbst einzieht und an die EU abführt. Damit entfällt auch die Kostenpauschale von 6 Euro, die sich DHL für das Auslegen und Eintreiben der Steuern für Auslandslieferungen genehmigt.
Fazit
Wer regelmäßig Platinen produziert, bekommt bei JLCPCB die Bestückung quasi umsonst, ansonsten für einen vertretbaren Aufpreis. Aisler richtet sich mit seinem Preisschema dagegen deutlich an professionelle Kunden. Ob die allerdings mit den langen Lieferzeiten wirklich glücklich sind, sei dahingestellt. Von der Prozessseite gestaltet sich der Ablauf bei Aisler deutlich einfacher, was aber für Hobbyanwender die hohen Kosten nicht aufwiegen kann. (jlu)
Der Autor
Bernhard Bablok arbeitet bei der Allianz Technology SE als SAP-HR-Entwickler und entspannt gern beim Musikhören, Radfahren oder Spazierengehen. Daneben beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und Kleincomputer. Sie erreichen ihn unter mailto:[email protected].
Glossar
- SMDs
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Surface-mounted Devices. SMD-Bauelemente haben keine Drahtanschlüsse, sondern werden mittels lötfähiger Anschlussflächen oder -beinchen direkt auf die Platinenoberfäche gelötet (SMT, Surface-mounted Technology).
Infos
- Platinendienstleister: Bernhard Bablok, “Maßgeschneidert”, RPG 07-08/2020, S. 64, https://www.raspi-geek.de/44058
- Entprellen: https://electrosome.com/switch-debouncing/
- Projekt-Repository: https://github.com/bablokb/pcb-buttonbar
- Gerber für KiCAD: https://support.jlcpcb.com/article/149-how-to-generate-gerber-and-drill-files-in-kicad
- BOM- und CPL-Datei für KiCAD: https://support.jlcpcb.com/article/84-how-to-generate-the-bom-and-centroid-file-from-kicad
- Bauteile bei JLCPCB: https://jlcpcb.com/parts
- Preisschema bei Aisler: https://aisler.net/help/getting-started/pricing





